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Döbeln Auf zwei Rädern zum ersten kleinen Führerschein
Region Döbeln Auf zwei Rädern zum ersten kleinen Führerschein
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07:04 05.06.2019
Wie mache ich es richtig? Gemeinsam mit der Polizei durften Roßweins Viertklässler auf einem aufgemalten Parcours mit ihren Fahrrädern die Teilnahme am Straßenverkehr simulieren, um schließlich den Fahrradpass zu erhalten.
Wie mache ich es richtig? Gemeinsam mit der Polizei durften Roßweins Viertklässler auf einem aufgemalten Parcours mit ihren Fahrrädern die Teilnahme am Straßenverkehr simulieren, um schließlich den Fahrradpass zu erhalten. Quelle: Sven Bartsch Fotograf
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Rosswein

„Nummer 19! Schulterblick links, Handzeichen links! Und nicht nervös werden!“ Rainer Krumbiegel schaut genau hin, was seine Schützlinge auf den Fahrrädern treiben. Die Mädchen und Jungen der Klasse 4a von Roßweins Grundschule haben heute – zumindest für den Vormittag in der Fahrradausbildung – keine Namen, sondern Nummern – damit Rainer Krumbiegel von der Verkehrswacht des Muldentals und die beiden Polizeibeamten vom Fachdienst Prävention der Polizeidirektion Chemnitz alle schnell und direkt ansprechen können. Die Nummern stehen auf den gelben Westen, die die Kinder tragen. Die Viertklässler können heute ihren ersten kleinen Führerschein ablegen, den Fahrradpass, der sie bei Erhalt als fähig einstuft, ohne erwachsene Begleitung mit dem Rad am Straßenverkehr teilzunehmen.

Rechts fahren, Schulterblick und Handzeichen beim Abbiegen nicht vergessen – im Straßenverkehr sicher unterwegs zu sein, erfordert Übung. Quelle: Sven Bartsch

Immer weniger Grundschüler können Radfahren

Diese Radfahrprüfung in Verbindung mit einer Verkehrserziehung ist Teil des Lehrplans und die Polizei ist für die Umsetzung zuständig. Unterstützt werden die Beamten dabei von den ehrenamtlich arbeitenden Verkehrswachten. In seinem Transporter hat Rainer Krumbiegel nicht nur Fahrräder für die Ausbildung, sondern auch Helme – falls doch mal ein Kind den geforderten Kopfschutz nicht mithat. Polizeihauptkommissar Jens Jentzsch und Polizeioberkommissar Martin Babst leiten die Fahrradausbildung, die heute mit der zweiten vierten Klasse der Roßweiner Grundschule und am Donnerstag mit den Förderschülern fortgesetzt wird.

Da geht’s lang! Rainer Krumbiegel von der Verkehrswacht des Muldentals unterstützt die Beamten der Polizei ehrenamtlich bei der Fahrradausbildung. Quelle: Sven Bartsch

Bis zur Abschlusskontrollfahrt, bei der die Kinder innerhalb der auf dem Schulhof aufgemalten Straßenzüge beweisen müssen, dass sie nicht nur die Grundkenntnisse für die Bewältigung des Straßenverkehrs beherrschen, sondern auch ihr Fahrrad, gibt es zwei Übungsrunden. Das Niveau, auf dem die Viertklässler in die Ausbildung gehen, ist sehr unterschiedlich, nicht nur in Roßwein. Im Vergleich zu vor zehn Jahren, als die Polizei mit dieser Präventionsarbeit begonnen hat, sei festzustellen, dass die Zahl der Kinder, die in der Grundschule noch nicht Fahrrad fahren können, steigt. Anfahren, Schulterblick, Linksabbiegen, Anhalten – solche Dinge zu lernen, ist Aufgabe der Eltern. Wann mit dem Fahrradfahren begonnen werden sollte, dafür gibt es keine direkte Empfehlung, sagt Jens Jentzsch. „Das hängt vom körperlichen und geistigen Entwicklungsstand des Kindes ab.“

Wer darf wann fahren und warum?

Wer noch nicht sicher Radfahren kann, hat wenig Aussicht auf das Zertifikat. Beim Training in der Schule können die Kenntnisse nur vertieft werden. So üben die Kinder beispielsweise, wer zuerst losfahren darf an einer gleichrangigen Kreuzung, wenn von allen vier Seiten ein Fahrzeug kommt. Oder was überhaupt die vier Vorfahrtsregeln im Straßenverkehr sind: Verkehrsschilder, Ampeln, Rechts vor Links oder aber der Polizist, der den Verkehr regelt.

Gar nicht so leicht: Einhändig Fahrradfahren, um das Handzeichen zum Abbiegen zu geben. Polizeihauptkommissar Jens Jentzsch gibt Tipps. Quelle: Sven Bartsch

Die Roßweiner Grundschüler, sagt Jens Jentzsch, sind gut drauf – gute Voraussetzungen dafür den Pass zu erhalten. Das ist nicht ganz unwichtig. In vielen weiterführenden Schulen, das weiß Jens Jentzsch, dürfen Kinder nur mit dem Fahrrad kommen, wenn sie den Radfahrpass abgelegt haben. In seltenen Fällen kommen auch Grundschüler schon per Pedes – Barbara Richter, stellvertretende Schulleiterin Am Weinberg, sind auf Anhieb zwei Beispiele eingefallen.

Von Manuela Engelmann-Bunk