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Döbeln Krasses Foul: Ist das noch Fußball oder schon Körperverletzung?
Region Döbeln Krasses Foul: Ist das noch Fußball oder schon Körperverletzung?
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17:54 17.12.2019
Fußballschuhe können nicht nur den Rasen aufwirbeln, sondern Verletzungen verursachen. Eine Tritt-Attacke wurde jüngst vorm Döbelner Amtsgericht verhandelt. Quelle: imago images / Ulmer
Geringswalde/Döbeln

86. Minute im Kreisliga-Spiel SV 94 Geringwalde/Schweikershain gegen die Gäste vom SV Fortschritt Lunzenau, kurz vor Abpfiff. Franz Gebhart, für Lunzenau spielend, und der Geringswalder Toni Vogel gehen nach einem missglückten Kopfballduell zu Boden. Gebhart fällt auf Vogel, tritt auf ihn, als er versucht, dem Ball zu folgen. Dann geht alles ganz schnell...

Nach Freistoßentscheidung Tritt-Attacke

Schiedsrichter Haiko Stäbler gibt einen Freistoß für Geringswalde, die Spieler liegen noch am Boden, da passiert das Unfassbare: Der Geringswalder Spieler Tobias Gabriel ist in Sekundenschnelle bei den zwei Fußballern, tritt auf den Lunzenauer ein.

Tumult auf dem Rasen

Auf der Seite liegend, krümmt sich dieser zusammen, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, schützt mit angewinkelten Unterarmen seinen Kopf. Dreimal tritt Gabriel zu. Dann Tumult auf dem Rasen: Alles rennt hin zum Ort des Geschehens, vom Spielfeld und von dessen Rand. Alle wollen schlichten.

Mit roter Karten vom Platz

Schiedsrichter Stäbler schickt Gabriel nach einer roten Karte vom Platz, Gebhart sieht Gelb. Ob sich Gabriel anschließend oder überhaupt irgendwann entschuldigt, ist vor Gericht nicht rekonstruierbar. Der Angeklagte sagt: Ja. Der als Zeuge aussagende Geschädigte sagt: Nein. Dabei sei ihm vor allem das wichtig gewesen, sagt er nach der Verhandlung: „ Ich habe überlegt, ob ich das anzeige. Fußball ist nun mal Fußball. Aber das war einfach zu viel.“

>> Kommentar von Redakteurin Steffi Robak: Fußball – die andere Art Krieg“

Am Dienstag wurde vorm Amtsgericht Döbeln verhandelt. Richterin Marion Zöllner wird im Verlaufe der Verhandlung sagen: „Das ist mein erstes Fußball-Verfahren. So etwas hatte ich noch nie. Mit Fußball hat das es wenig zu tun.“

Spiel von Beginn an aggressiv

Der 21-jährige Angeklagte und der 23-jährige Geschädigte machen beide nicht den Eindruck eines Fußballrowdys, räumen trotzdem beide ein: Das ganze Spiel war von Beginn an hitzig und aggressiv. Der Angeklagte räumt auch seinen tätlichen Angriff ein.

Widersprüche in entscheidenden Details

Details, ob nun mit den Stollen der Schuhsohle zugetreten wurde, mit der Schuhspitze oder dem Spann, lassen sich nicht klären. Die Staatsanwaltschaft mildert die Anklage deshalb von gefährlicher Körperverletzung ab auf vorsätzliche Körperverletzung. Da hat die verteidigende Rechtsanwältin Mandy Schützel aus Hartha schon alles gegeben, um mit gezielten Fragen an verschiedene Zeugen wie den Schiedsrichter herauszuarbeiten: In entscheidenden Details, die den Angriff wirklich als „gefährlich“ qualifiziert hätten, sind die Aussagen widersprüchlich.

Keine Verletzungen dokumentiert

Der Angeklagte begründet die Attacke damit, dass der Lunzenauer seinerseits nach dem Geringswalder Teamkollegen getreten habe. Letztlich entschuldigt das vor Gericht nichts, doch Verletzungen sind auch nicht ärztlich dokumentiert.

Alle wollen auf Urteil verzichten

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe beantragt die Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage. Staatsanwaltschaft und Richterin schwenken darauf ein. Alle Seiten einigen sich darauf, auf eine Verurteilung zu verzichten, denn sonst hätte der noch nach Jugendstrafrecht zu Verurteilende seinen ersten Eintrag im Vorstrafenregister.

Sportgericht: Sperrung für zehn Spiele

Dabei ist der junge Mann ansonsten vollkommen unbescholten, geht einem Studium nach und arbeitet an den Wochenenden in einem Autohaus. Seine Strafe hat er bereits vom Sportgericht bekommen. Dazu gehört die Sperrung für zehn Spiele, weitere Sanktionen finanzieller Art im dreistelligen Bereich.

Viel Gelb, etwas Rot und ein heftiger Denkzettel

Eine Auflage vom Gericht zur Zahlung von weiteren 400 Euro im Rahmen der Verfahrenseinstellung treffe ihn unverhältnismäßig hart, meint die Verteidigerin, nimmt die Entscheidung aber an. Das Geld soll ans Tierheim Leisnig gehen. Die Bilanz des Spiels: vier gelbe Karten und eine rote auf Geringswalder Seite, fünf gelbe Karten und eine gelb-rote auf Lunzenauer Seite. Ein 3:1 für die Gastgeber. Und ein heftiger Denkzettel für einen ihrer Spieler.

Von Steffi Robak

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