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Döbeln Behindertenbeirat beklagt zu steile Gehwege
Region Döbeln Behindertenbeirat beklagt zu steile Gehwege
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00:37 19.04.2018
Weg damit! Gestern 10.30 Uhr ist die letzte Bake am Markt gemeinsam von Bürgermeister Veit Lindner (links) und Vertretern von Lasuv und den Baufirmen weggeräumt worden. Von nun an ist das Stadtzentrum wieder ohne Umleitungen erreichbar. Quelle: Foto: Dirk Wurzel
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Roßwein

Es hätte alles so schön sein können: Nach vier Jahren Bauzeit ist gestern in Roßwein die S34/S39 endlich komplett für den Verkehr freigegeben worden. Gemessen an der Projektgröße – acht Straßen wurden im Rahmen der Gesamtmaßnahme in Roßwein grundhaft ausgebaut, zuletzt die Döbelner Straße bis zum Markt – wäre auch eine feierliche Eröffnung denkbar gewesen. Doch angesichts des Bauverzuges von letztlich über zwei Jahren war man dazu in Roßwein wahrscheinlich nicht in der Stimmung. Aktuell, sagte Bürgermeister Veit Lindner (parteilos), sei nichts geplant, womit er auch Abstand von früheren Plänen nahm, auf dem Markt ein kleines Fest oder vielleicht ein Weißes Dinner zu veranstalten.

Und auch, wenn seine Freude über die nun endlich wieder freie Fahrt durch Roßweins Zentrum auf gut ausgebauten Straßen groß ist – „endlich kommt es nicht mehr zu Sturzgeburten zwischen Rathaus und Kreuzung – die Freigabe gestern wurde überschattet vom am Ende gar nicht mehr so stillen Protest des Roßweiner Behindertenbeirates.

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Dem ist nämlich trotz schöner neuer und vor allem glatter Straßen gar nicht zum Feiern zumute. Denn das Quergefälle des Gehweges auf der Döbelner Straße ist stellenweise für Rollstuhlfahrer und blinde Menschen nicht nur unzumutbar, sondern entspricht schlicht nicht den Normen, die in der Sächsischen Bauordnung festgehalten sind. Um darauf einmal mehr hinzuweisen – bereits im April habe man sich ohne Ergebnis mit dem Problem an den Bauträger, das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gewandt – hatten Kerstin Bauer und Peter Krause vom Vorstand Zollstock und Wasserwaage dabei, um an signifikanten Stellen den Mess-Beweis erbringen zu können. Lediglich zwei Prozent Quergefälle seien auf einem Gehweg zulässig, an der Döbelner Straße 14 sind es zehn Prozent. Noch ein Stück weiter in Richtung Kreuzung an einer Torausfahrt gibt es das selbe Problem.

„Das stellt eine Unfallgefahr nicht nur für Rollstuhlfahrer dar“, erläutert Kerstin Bauer, „sondern auch für ältere Menschen. Gerade auch im Winter wenn es glatt ist.“ Schon mit einem Elektro-Rollstuhl habe man an dieser Stelle das Gefühl umzukippen. „Einen normalen Rollstuhl hat man gar nicht mehr unter Kontrolle“, sagt sie und demonstriert selbst Bürgermeister Veit Lindner genau dies.

Der ließ sich im Anschluss an die offizielle Straßenfreigabe vor Ort noch einmal von den Vertretern des Behindertenbeirates ins Bild setzen. Die Stadt habe sich auf die Aussage des Lasuv verlassen, dass die erlaubten sechs Prozent nicht überschritten würden. Allerdings sind die erlaubten sechs Prozent nur an Ausfahrten zulässig.

Das Lasuv weist auch auf Anfrage der DAZ darauf hin, dass die für die Döbelner Straße gewählte Variante schlichtweg als Kompromisslösung verstanden werden muss. Eine durchgängige Einhaltung der maximalen Querneigung von 2 Prozent sei angesichts aller zu berücksichtigenden Zwangspunkte nicht möglich gewesen. „Es ist ein Innenstadtbereich mit historisch gewachsener Bebauung und denkmalpflegerischen Ansprüchen“, erklärt Lasuv-Pressesprecherin Isabell Siebert. „Bei diesem Straßenbauvorhaben in einer Ortsdurchfahrt mit beidseitig geschlossener Bebauung bilden die vorhandenen Höhen an den Gehwegrücklagen maßgebende Zwangspunkte. Die verfügbare Breite zwischen den Wänden der begrenzenden Gebäude ließ auch nur Mindestbreiten sowohl bei der Fahrbahn als auch bei den Gehwegen zu und somit keinen Spielraum für Höhenausgleiche über Querneigungsverwindungen.“

Die vorhandenen Höhenverhältnisse im Zuge der Döbelner Straße seien sehr unstetig. „Die geplanten Querneigungen stellen eine Kompromisslösung zwischen der Gewährleistung einer funktionierender Entwässerung aller Verkehrsflächen und einer Gehwegquerneigung, die den vorhandenen Zustand – teilweise deutlich überhöhte Querneigungen – nicht verschlechtert sondern dennoch eindeutig verbessert, dar.“

Der Behindertenbeirat will den aktuellen Zustand so allerdings nicht hinnehmen. Bürgermeister Veit Linder versprach, sich mit der Bitte um eine neue Lösung und Nachbesserung an das Lasuv zu wenden.

Von Manuela Engelmann