Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Bellmann stellt sich Leisniger und Waldheimer Oberschülern
Region Döbeln Bellmann stellt sich Leisniger und Waldheimer Oberschülern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:38 29.05.2019
Waldheim Bellmann an der Schule Quelle: Dirk Wurzel
Leisnig/Waldheim

So sind die Politiker: faul, arrogant, eitel, überbezahlt und lügen, wenn sie den Mund aufmachen. Miese Meinung geht immer. Doch was passiert, wenn eine Bundestagsabgeordnete wie Veronika Bellmann (CDU) plötzlich mitten unter Oberschülern wie den Neuntklässlern der Peter-Apian-Oberschule Leisnig oder bei den Klassensprechern der Oberschule in Waldheim steht und Fragen beantwortet? Wie das ausgeht, verrät ein Test.

So zeigt sich, dass die Christdemokratin einst in der DDR über die Umweltpolitik zur Politik kam, nämlich über eine Bürgerbewegung in ihrem Heimatort Eppendorf. Deshalb habe sie ganz früher über einen Eintritt bei den Grünen nachgedacht. Doch dann fiel die Entscheidung der Katholikin für die Christlich Demokratische Union. Wichtig sei für sie der politische Einfluss gewesen. Als Stress empfinde sie ihre Tätigkeit trotz des großen Pensums nicht, weil sie ihr Spaß macht. Und mindestens eine weitere Wahlperiode lang würde sie das schon gern noch machen, sagt die 58-Jährige. Sie könne nicht von anderen Leuten verlangen, bis 60 und darüber hinaus zu arbeiten, wenn sie vorher aufhört.

Das Urheberrecht und schlechte Wahlergebnisse

Wird es politisch, bleiben zum Bedauern der Schüler viele Fragen offen oder werden nicht tiefgründig beantwortet. Weil Veronika Bellmann eben ganz Politikerin ist: Dann wird abgeschweift und rundrum geredet und schwups ist die Zeit um. In Waldheim äußerte sie sich detaillierter zum Artikel 13 der Richtlinie des Europäischen Parlaments über das Urheberrecht. Das geriet in Leisnig zum Bedauern der Schüler ins Hintertreffen. In Waldheim sagt Bellmann dazu: „Es geht darum, Google und Facebook in die Schranken zu weisen, das analoge Urheberrecht ins digitale Zeitalter zu transformieren.“ Die Abgeordnete räumte ein, dass dabei auch Fehler passiert sind. Die CDU wolle auf der einen Seite keinen harten Upload-Filter aber auf der anderen Seite auch, dass die Rechte der Urheber wie Musiker und Schriftsteller auch im Internet gewahrt bleiben. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, die europäischen Vorgaben anzupassen, wenn wir sie in nationales Recht umwandeln.“ Zwei Jahre hat die Bundesrepublik dafür Zeit.

Auch in Waldheim schilderte Veronika Bellmann ihren Weg in die und in der Politik. Sie ließ nicht aus, wie sie 2017 beinahe den Wahlkreis an Heiko Hessenkemper von der AfD verloren hat. Für das schlechte Abschneiden der CDU und auch der SPD bei den letzten Wahlen führte sie Beispiele an. „Der Einsatz von Chrom soll verboten werden. Wenn das soweit kommt, stehen auch in Mittelsachsen Leute auf der Straße. Logisch, dass die dann nicht für Europa wählen, wenn aus Brüssel solche Entscheidungen kommen“, sagte sie und führte zwei Betriebe, einen in Halsbrücke und einen in Frankenberg, an, die beim Chromverbot wohl schließen können. Trotzdem, so die Abgeordnete, müsse man der AfD jetzt die Chance geben, zu zeigen, was sie kann. Und sie zeigte auch auf, wie Koalitionen mit rechtspopulistischen Parteien in die Brüche gingen: Auf Landesebene in Hamburg, als die CDU mit der Schill-Partei koalierte und jüngst in Österreich, wo das Bündnis aus ÖVP und FPÖ platzte. Sich Parteien mit radikalen Positionen anzuschließen, hält Veronika Bellmann für keinen guten Weg in die Politik. „Wichtig ist zunächst, einen ordentlichen Beruf zu lernen“, sagte die gelernte Krippenerzieherin, der zu DDR-Zeiten ein Studium aus politischen Gründen verwehrt blieb.

Bellmann stellt sich hinter Merkels Flüchtlingspolitik

Bei den Leisniger Schülern ging sie näher ein auf die Flüchtlingspolitik, steht nach wie vor zu Merkels Entscheidung vom Sommer 2015, in der damals punktuell angespannten Situation die Flüchtlinge nach Deutschland gelassen zu haben. Dennoch oder gerade deswegen plädiert Bellmann heute für eine gesteuerte Zuwanderung sowie geregelte Aufnahme von Flüchtlingen, mit klaren zahlenmäßigen Begrenzungen, gemäß Dubliner Übereinkommen. In Leisnig wurde neben anderen das Thema Homosexualität besprochen, was letztlich auf das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare hinauslief. In diesem Punkt ist die Auffassung der Schüler durchaus differenzierter als die der Politikerin. Diese vertritt die Ansicht: kein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare.

Das Fazit aus den Bellmann-Auftritten: Die Jugendlichen versuchten, in der Politikerin auch das zu erkennen, was sie als Mensch ausmacht. Und diese Chance hat sie den Jugendlichen gegeben.

Kommentar: Politiker und doch ein Mensch

von Steffi Robak

Faul, arrogant, eitel... Stimmt so? Die vorgefasste Meinung über Politiker fällt allgemein nicht freundlich aus. Und das ist angesichts der Tatsache, dass kaum jemand, der eine solche Auffassung vertritt, einen Politiker persönlich kennt, auf eine Art unfair, wie man selbst auch nicht gern behandelt werden will. So gehen dann also auch die Jugendlichen zumindest teils in das Gespräch mit der CDU-Bundestabgeordneten Veronika Bellmann. Zumindest mit gewissen Vorurteilen, von denen es gemeinhin heißt: Vorurteile sind auch nur Erfahrungen, bloß von anderen Leuten. Die Schüler - nicht blöd - bemerken auch gleich, was Politikern nicht selten eigen ist: Auf ihren Lieblingsthemen reiten sie herum, bis die Zeit rum ist für weitere Fragen. Das ist so ein Politiker-Ding: Um direkte Antworten bei heiklen Themen sich lieber herum drücken, ausweichen. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass Politiker sich ungern auf Aussagen von vor Jahren festnageln lassen, wenn die Welt sich weiter gedreht hat und die Umgebungsbedingungen für eine Entscheidung heute andere sind. Macht aber nichts. Letztlich kommt es darauf an, dass junge Leute bemerken: Hey, das ist ein Mensch mit einer eigenen Meinung, der dafür einsteht und manchmal ein dickes Fell haben muss, weil zumeist an seiner Arbeit rumgemäkelt wird. „Ich würd´s deshalb schon nicht machen“, war dann auch so eine Erkenntnis aus den Reihen der Schüler. Um so besser, zu erfahren, welche Beweggründe die Menschen haben, die Politiker werden und dass diese ganz menschlich sind.

s.robak@lvz.de

Von Steffi Robak & Dirk Wurzel

In einem offenen Brief stelt sich der Förderverein des Döbelner Theaters hinter den Intendanten Ralf-Peter Schulze. Der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) wirft Schulze vor, Parteiwerbung betrieben zu haben. Der Verein bezeichnet die Vorwürfe nun in einem offenen Brief als haltlos.

29.05.2019

Die Döbelner Stadtratsfraktion aus FDP und Freien Wählern wollten ein Hochwasserschutzprogramm durch das Kommunalparlament bringen. Das Konzept beinhaltet auch das Engagement von Bürgern. Die Stadtverwaltung sieht dabei rechtliche Probleme, das Projekt bekam letztlich nicht die notwendige Mehrheit.

28.05.2019

Frank Kehl eröffnet am Mittwoch im ehemaligen Fitnessstudio in der St.-Georgen-Straße seinen neuen Fahrradladen. Geboten werden edle Bikes des fränkischen Herstellers Cube. Das soll auch Kundschaft aus den sächsischen Großstädten bis nach Döbeln.

28.05.2019