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Döbeln Biogemüsebauern beeindrucken Landwirtschaftsminister
Region Döbeln Biogemüsebauern beeindrucken Landwirtschaftsminister
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19:03 15.04.2019
Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (2.v.l.) und Abteilungsleiter Daniel Gellner (r.) ließen sich von Katrin und Oliver Leipacher den Auenhof zeigen. Quelle: Foto: Gerhard Dörner
Niederlützschera

Die Bürgergespräche der sächsischen Landesregierung tragen auch in der Region Döbeln Früchte: Nachdem die Betreiber des Auenhofs Ostrau bei Niederlützschera, Katrin und Oliver Leipacher, am 8. Januar in Freiberg zufällig neben Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) gesessen hatten, entwickelte sich ein Gespräch, das am Montag in einem Vor-Ort-Besuch des Ministers mit dessen Abteilungsleiter für Land- und Forstwirtschaft, Daniel Gellner, mündete.

Fast eineinhalb Stunden nahm sich der Minister Zeit, um sich von den Leipachers über deren Biogemüsehof führen zu lassen. Erstes Fazit Schmidts: „Ich sehe hier viele Aspekte, die man auch im konventionellen Gemüse- und Ackerbau einsetzen könnte.“

Im Einklang mit der Natur

Tatsächlich hatte Oliver Leipacher den Minister und seinen Abteilungsleiter mehrfach überrascht mit seinen Ideen, die dieser aus der weltweiten Entwicklung in der ökologischen Landwirtschaft ableitet. Zum Beispiel, dass die Tomaten in den Planengewächshäusern reihenweise noch mal in Kleinsttunneln herangezogen werden. „Dadurch müssen wir das Gewächshaus nicht beheizen“, erklärte Leipacher. Oder dass Zäune zwischen den Gewächstunneln, die mit hochrankenden Pflanzen wie Zuckermais, Bohnen oder Freilandgurken bepflanzt werden, die Stürme abmildern.

Auch die große Dürre 2018 habe das Unternehmen deshalb so gut überstanden, weil man sich im Einklang mit der Natur bewegt habe. „Wir haben überlebt, weil wir dem Biber Raum gegeben haben. Er hat das Wasser in der Jahna angestaut, das wir entnehmen dürfen“, erklärte der Hofchef, den allerdings grundsätzlichere Fragen umtreiben.

Komposttee und Schwarze Erde

Wie der Boden trotz Starkregenabtrag fruchtbar bleibt, zum Beispiel. So haben es sich die Leipachers zum Ziel gesetzt, den Humusanteil auf Freiflächen auf fünf Prozent zu bringen. Damit wäre der Boden auch noch gut nutzbar, wenn die gedüngte Oberschicht davongespült wäre. Normal seien bislang nur 0,5 bis zwei Prozent. Zudem besprüht Leipacher seine Pflanzen nicht mit Pflanzenschutzmitteln, sondern mit Mikronährstoffen.

Dafür braut er einen „Komposttee“ aus Wasser und Nährstoffen, der auf die 55 Hektar Anbaufläche ausgebracht wird. „Eine gesunde Pflanze braucht kaum bis gar kein Pflanzenschutzmittel“, sagt Leipacher, der die regenerative Landwirtschaft verfolgt: Eine gesunde Pflanze sorgt für einen gesunden Boden. So habe man im letzten Jahr Erträge wie die konventionellen Kollegen erzielt, sagte Katrin Leipacher. Außerdem im Versuch: Terra Preta (portug.: Schwarze Erde). Leipacher will Ökoholzkohle aus Holzresten herstellen und diese in den Boden einbringen – ein Jahrtausende altes Verfahren aus Südamerika.

Bürokratie-Mühlen mahlen zu langsam

Leider gehört Sachsen noch nicht zu den Bundesländern, die dies zertifizieren. Wie auch an anderen Stellen das Land seinem Betrieb im Wege stehe. So bei den Bauregeln für Gewächshaustunnel. „In anderen Bundesländern lachen sie über uns. Unser Antrag hat eineinhalb Jahre gedauert, da waren fünf untere Behörden des Landkreises einbezogen, wie bei einem Tagebau“, kritisierte Leipacher. Und Förderanträge dauerten grundsätzlich zu lange. „Das Thema ist bekannt, da müssen wir an unsere sächsische Bauordnung rangehen“, sagte Schmidt.

Problematisch wird es auch bei Leipachers sorgfältig angelegtem Düngemisthaufen, der rund 10.000 Euro gekostet habe, weil er mit wertvollen Natur- und Pflanzenresten aufgefüllt ist. „Dafür müssten wir ab kommendem Jahr eine Betonplatte haben. Da versiegeln wir ja wieder Flächen. Das ist widersinnig“, meinte Leipacher.

Die Regelung soll den Nitrateintrag ins Grundwasser eindämmen. Was im Falle Auenhof unnötig wäre. „Zu starre Regeln von Flensburg bis Berchtesgaden und Görlitz bis Aachen nützen nichts“, meinte auch Schmidt, dessen Begleiter sich fleißig Notizen machte. Vielleicht landen so zumindest einige Ideen vom Auenhof in Dresdner Gesprächsrunden.

Von Sebastian Fink

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