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Döbeln Bis Jahresende soll ein Investor für Erntebrot gefunden werden
Region Döbeln Bis Jahresende soll ein Investor für Erntebrot gefunden werden
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16:28 12.09.2019
Bis Jahresende will der Insolvenzverwalter einen Investor finden, der bei Erntebrot einsteigt. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Bis zum Jahresende soll die Döbelner Bäckerei Erntebrot an einen leistungsstarken Investor verkauft werden. Die Investorengespräche haben bereits begonnen. Das kündigte Insolvenzverwalter Thomas Beck auf Nachfrage der DAZ an. Am 8. Juli hatte das Döbelner Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. Beck wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt.

Am 1. September 2019 wurde nun das Insolvenzverfahren bei der Erntebrot GmbH offiziell eröffnet. Das Amtsgericht Chemnitz bestätigte Thomas Beck von der Kanzlei Beck Rechtsanwälte als Insolvenzverwalter.

Geschäftsbetrieb läuft nahtlos weiter

Das mittelständische Döbelner Bäckereiunternehmen arbeitet seither unverändert mit seinen 180 Mitarbeitern weiter und erwirtschaftet auch Löhne und weitere Ausgaben weiter selbst. Seit Juli war es Thomas Beck und dem Team um die bisherigen Geschäftsführer Elke Lehmann und Alexander Großmann gelungen, den Geschäftsbetrieb stabil und vollumfänglich fortzuführen.

Die Produktion bei Erntebrot in Döbeln läuft weiter auf Hochtouren. Die große Mehrzahl der Belegschaft hält zur Stange. Quelle: Sven Bartsch

„Wir produzieren täglich frische Waren und verkaufen diese zu den gewohnten Öffnungszeiten in den 35 Erntebrot-Filialen sowie in der Verkaufsstelle am Produktionsstandort in Döbeln“, so Thomas Beck. „Auch die Großkunden werden weiterhin wie geplant beliefert.“ Die Erntebrot GmbH verfügt über eine Anzahl an namhaften Großkunden, die schwerpunktmäßig in den Bereichen Discount, Lebensmitteleinzelhandel und soziale Einrichtungen tätig sind. Darüber hinaus erfolgen Lieferungen an kleinere Kunden, zum Beispiel im Rahmen des Caterings oder des Direktvertriebs über die Homepage. „Wir arbeiten an einer dauerhaften Lösung zum Erhalt der Traditionsbäckerei, deren Geschichte bis in die 1920er Jahre zurückreicht“, sagt Beck und sieht für Erntebrot gute Chancen.

Hintergrund

Die Geschichte von Erntebrot reicht bis in die 1920er Jahre zurück. 1990 gründete der Konsumgenossenschaftsverband Leipzig die „Erntebrotverwaltungs-GmbH“, die Umfirmierung in die jetzige Erntebrot GmbH erfolgte im Jahr 2000. Seit 1993 ist das Unternehmen in Familienhand. Das ehemalige Kombinat mit mehr als 1500 Mitarbeitern in einen wirtschaftlichen Handwerksbetrieb gesund zu schrumpfen, war ein langer und kostenintensiver Weg. Im März 2016 hatte das Unternehmen schon einmal wegen wirtschaftlicher Probleme die Planinsolvenz beantragt. Das Planinsolvenzverfahren wurde im März 2017 beendet. Seitdem arbeitete Erntebrot an der Stabilisierung. Doch im Sommerloch 2019, als bei längerer Hitze die Umsätze an den Kuchentheken einbrachen, reichte die Liquidität nicht aus. Erneut musste Insolvenz angemeldet werden.

Die Dresdner Unternehmensberatung ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG wurde vom Insolvenzverwalter mit einem strukturierten Investorenprozess beauftragt: „Damit die Mitarbeiter nach dem Auf und Ab der letzten Jahre eine sichere Perspektive erhalten, suchen wir einen leistungsstarken Investor. Das Interesse ist hoch“, sagt Geschäftsführer Simon Leopold. „Der Betrieb hat einen positiven operativen Geschäftsbetrieb und nach wie vor eine gute Marktposition, auch wenn diese hart umkämpft ist. Wir führen derzeit Gespräche mit verschiedenen Interessenten und sind guter Dinge, dass wir bis Ende des Jahres eine Lösung für Erntebrot und die Mitarbeiter gefunden haben“, so Leopold weiter.

Mitarbeiter stehen hinter Erntebrot

Die positiven Aussichten begründet er auch damit, dass nicht nur Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner zum Unternehmen stehen, sondern ebenso die große Mehrzahl der Mitarbeiter. „Wir sind sehr froh darüber, dass die Belegschaft unseren Sanierungsweg mitgehen möchte“, bestätigt auch Insolvenzverwalter Thomas Beck.

Im Investorenprozess werden potenzielle Geldanleger sowie Unternehmen der Branche angesprochen, ob sie nicht bei Erntebrot einsteigen und investieren wollen. Sie bekommen nach Unterschrift unter eine Verschwiegenheitserklärung Einblicke ins Unternehmen, seine Abläufe und vor allem seine Zahlen und Potenziale. Bis Jahresende hofft Insolvenzverwalter Beck auf ein positives Ergebnis bei der Investorensuche.

Kommentar: Guter Plan allein reicht diesmal nicht

von Thomas Sparrer

Das wäre den Erntebrot-Mitarbeiter n und dem Management zu wünschen: Nach drei Jahren Überlebenskampf und dem nun schon zweiten Insolvenzverfahren haben alle Federn gelassen, um den traditionsreichen Betrieb zu retten. Während andere Arbeitnehmer mal auf mehr Gehalt, auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder andere Zuwächse hoffen, bangen die 180 Erntebrot-Leute nun schon wieder um ihre Jobs.

Ein guter Plan zum Neustart nach Insolvenz dürfte diesmal nicht reichen. Das hat der Insolvenzverwalter erkannt und hofft Erntebrot einen Investor zur Seite zu stellen, der mit Kapital einsteigt und durch sein Investment die ambitionierten Zukunftsstrategien auch finanziell untersetzen hilft. Damit nicht Umsatzdellen, wie im Sommer, Erntebrot bald wieder aus den Latschen hauen.

Die niedrigen Zinsen für Geldanlagen machen einerseits Mut, dass sich ein Investor findet, der sein Geld nicht auf der Bank liegen lassen will. Doch man muss auch realistisch sein: Denn mit der Radeberger Bäckereikette Eisold sucht gerade ein ähnlich großes und ein Unternehmen mit ähnlichen Problemen wie Erntebrot auch genau diesen potenten Investor.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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