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Döbeln Brücke Hochweitzschen: Arbeit auf drei Paar Schultern verteilt
Region Döbeln Brücke Hochweitzschen: Arbeit auf drei Paar Schultern verteilt
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09:37 15.12.2018
Ramona Lässig, bislang Geschäftsführerin der Brücke Wohnstätten gGmbH, übergibt diese Aufgabe an Sohn Sebastian Lässig (r.) und Lars Werner.
Ramona Lässig, bislang Geschäftsführerin der Brücke Wohnstätten gGmbH, übergibt diese Aufgabe an Sohn Sebastian Lässig (r.) und Lars Werner. Quelle: Sven Bartsch
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Hochweitzschen

Obwohl Ramona Lässig derzeit „Arbeit wie in der Ernte“ habe, wie sie angesichts des Jahresendstresses augenzwinkernd sagt, ist ihr eine gewisse Gelassenheit anzusehen. Denn nach 21 Jahren Mehrfachbelastung gibt die 52-Jährige die Geschäftsführung der gemeinnützigen Wohnstätten GmbH „Die Brücke“ zum Jahresende ab.

Den vorzeitigen Ruhstand bedeutet das allerdings noch lange nicht, betont sie. Sie bleibe an der Spitze der V&C GmbH, der das Grundstück gehört und die sich um die gesamte Finanzbuchhaltung, die Mieterverwaltung und den Dorfladen „Einkaufsoase“ kümmert. Zudem bleibe sie der Wohnstätten gGmbH als Prokuristin erhalten. „Meinen Schreibtisch behalte ich“, sagt Ramona Lässig bestimmt und lacht.

Unternehmensnachfolge geregelt

Gut lachen hat sie auch deshalb, weil die Unternehmensnachfolge geregelt ist. Ab Januar werden ihr Sohn Sebastian Lässig (30) und ihr langjähriger Assistent in der Geschäftsleitung, Lars Werner (41), die Geschäftsführung übernehmen. Durchaus keine Selbstverständlichkeit, wie Ramona Lässig weiß.

„Es gibt ganz viele Unternehmen, die kämpfen mit der Nachfolge. Und ich habe hier Zwei sitzen, die in der Lage dazu sind und es auch gern möchten. Ich habe viele Anrufe bekommen, wie sehr ich darum beneidet werde“, erzählt sie.

Lars Werner Herr der Zahlen

Auch für die beiden Nachfolger ist der Übergang mit Ramona Lässig als Beraterin an ihrer Seite ideal. „Der Weg für Nachfragen bleibt kurz. Wir haben alle drei großes Vertrauen untereinander. Ich denke, das Coaching wird weitergehen“, meint Lars Werner lächelnd.

Er ist der Herr der Zahlen im Haus, kennt sich betriebswirtschaftlich und rechtlich aus, hat ein Jurastudium absolviert. Sebastian Lässig ist dagegen der Pflegespezialist, hat bis vor kurzem noch selbst voll in der Pflege mitgearbeitet und will dies im Notfall auch künftig tun.

Sebastian Lässig der Pflegefachmann

„Wenn Not am Mann ist, bin ich mir nicht zu schade, einen Spätdienst zu übernehmen“, sagt er, der die Altenpflege von der Pike auf gelernt hat, sich zum Praxisanleiter weiterbilden ließ und nach mehr als einem Jahr Heimleiterschulung in Delitzsch, die auch Lars Werner absolviert hat, für das Pflegepersonal, die Dienstpläne und die Ausstattung der Häuser zuständig ist.

Sechs Gebäude gehören zur Brücke – fünf Wohngruppen mit 121 und ein Pflegeheim mit 39 Betten. 110 Mitarbeiter arbeiten derzeit für das Unternehmen, das Ramona Lässig von Grund auf aufgebaut hat. 1992 hatte sie in der Psychiatrieeinrichtung „Die Arche“ in Waldheim angefangen, diese nach fünf Jahren gemeinsam mit Geschäftspartnerin Gabriele Markus übernommen und ausgebaut.

Unternehmen von Null aufgebaut

2002 wurde der Heimbereich des Sächsischen Krankenhauses Hochweitzschen ausgeschrieben. „Da sind wir nochmal neu gestartet“, sagt Ramona Lässig und pustet kräftig durch. Seit 2006 leitet sie die Brücke allein, Gabriele Markus ist dafür allein in der Arche zuständig.

Im Vergleich zu den eigenen „schwierigen Anfangsjahren“ haben es ihre Nachfolge in Hochweitzschen nun wesentlich einfacher. Dafür müssten sich diese nun mit mehr Bürokratie und dem grassierenden Fachkräftemangel herumschlagen, meint Ramona Lässig.

Personalmangel spürbar

„Wir könnten noch fünf Pflegeheime aufmachen, aber das Personal fehlt“, sagt sie. Zumindest die beiden Ausbildungsplätze zum Altenpfleger im Pflegeheim seien immer besetzt. Daszu bietet die Brücke in Hochweitzschen sich auch als Praxisstation für Heilerziehungspfleger an. Derzeit wird auch eine Studentin im Dualen Studium der Sozialen Arbeit an die Praxis der Wohnstätten-Leitung herangeführt.

Immer bedeutender werde zudem die berufsbegleitende Ausbildung, wobei deren Vorzüge noch nicht überall bekannt sind. „Viele sagen, sie sind über 30 und können nicht vom Lehrlingsgehalt leben. Aber das müssen sie auch nicht. Sie bekommen das volle Gehalt bei uns, wir bilden sie aus und schicken sie zur Schule“, sagt Ramona Lässig.

Sie selbst will ab dem kommenden Jahr wenigstens ein bisschen mehr Freizeit haben – und den beiden jungen Männern den ein oder anderen Aktenordner überlassen.

Von Sebastian Fink