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Döbeln Bügelgeschichte vom Augeneisen bis zur Bugolette
Region Döbeln Bügelgeschichte vom Augeneisen bis zur Bugolette
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13:24 04.09.2018
Die kleine Bugolette ist eines von Peter Eberhardts liebsten Bügeleisen. Etwa 100 hat er in seiner Sammlung, über 60 davon sind ab Sonntag im Littdorfer Heimatmuseum zu sehen. Quelle: Fotos: M. Engelmann-Bunk
Littdorf

Mit Bügeln hat Peter Eberhardt wahrscheinlich nichts am Hut – mit Bügeleisen schon. Seit 40 Jahren sammelt der 62-Jährige Otzdorfer Plätten. Jetzt zeigt er einen Teil seiner etwa 100 Bügeleisen umfassenden Sammlung im Littdorfer Heimatmuseum. Zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag wird die kleine Ausstellung das erste Mal für die Öffentlichkeit zugängig sein.

Bis unters Dach des alten Museumshauses muss man krabbeln, wenn man einen der zuletzt für Ausstellungszwecke erschlossenen Räume besuchen will. Liebevoll hergerichtet haben Peter Eberhardt und seine Frau Dagmar in den letzten Wochen die kleine Dachstube. Beide sind Mitglied im Niederstriegiser Heimatvereins, der das Museum mit Schmiede in Littdorf aufgebaut hat und am Leben hält. „Wir sind dem Eisen ja irgendwie verpflichtet, aufgrund unserer Schmiede“, erklärt Peter Eberhardt, wie es dazu kam, dass er vorschlug, doch mal eine etwas andere Ausstellung im Museum zu zeigen. Und er bot an, seine private Sammlung dafür zur Verfügung zu stellen.

Vor 40 Jahren das erste Bügeleisen

Das große Buffet in der Otzdorfer Wohnstube ist nun erst einmal leer geräumt. Und auch auf dem Kachelofen herrscht erst einmal Bügeleisen freie Zeit. Normalerweise steht ein Teil der besonders schönen Plätten aus Peter Eberhardts Besitz dort. Seine Frau nimmt die Sammelleidenschaft ihres Mannes hin und hat Verständnis dafür. Sie hat ihn so kennengelernt – mit dem Faible für alles Alte.

Sein erstes Bügeleisen hat Peter Eberhardt vor etwa 40 Jahren geschenkt bekommen. „Bekannte wussten um meine Leidenschaft für alte Dinge und haben es mir mitgebracht.“ Das Bolzeneisen mit Delfinstützen aus Messing entstammt der Biedermeierzeit um zirka 1810. Es war die Initialzündung für Peter Eberhardt, auf Flohmärkten oder bei Haushaltsauflösungen auf die Suche nach weiteren Exemplaren zu gehen. Freunde und Bekannte lassen ihm immer mal wieder ein Eisen zukommen. Und später nutzte er auch die Internetsuche, ersteigerte bei Ebay-Auktionen das eine oder andere gute Stück. Mehr als 50 Euro wollte er dabei nie für eines der Bügeleisen ausgeben – und hat er auch nicht. Inzwischen sammelt er nicht mehr ganz so viel, was auch Platzgründe hat. Doch wenn ihm ein besonderes Exemplar über den Weg läuft, dann flammt die Sammelleidenschaft wieder auf. Gerade ist noch eine Plätte unterwegs auf dem Weg nach Otzdorf. Ein seltenes Hutmachereisen aus Amerika, aus der Zeit um 1870.

Die Bugolette ist ein Hit

Eines seiner liebsten Stücke unter den 65, die er jetzt für die Ausstellung nach Littdorf kutschiert und mit seiner Frau die schmalen Stiegen im Museum hinaufgeschleppt hat, ist ein Reisebügeleisen, die Bugolette aus Österreich, um 1910. „Das stellt man auf den Kopf, füllt in die kleine Schale Spiritus ein und zündet den an. Damit wird das Eisen erhitzt. Ohne Strom, total genial“, ist Peter Eberhardt fasziniert. Er kann zu jedem Stück etwas erzählen, hat sich das Wissen über die Jahre durch Nachlesen angeeignet. Direkt Literatur gibt es kaum dazu auf dem Markt. „Ein Buch habe ich jetzt gefunden“, sagt er. Und ersteigert. Genauso wie das Eisen, das den weitesten Weg nach Otzdorf hatte. Aus dem Hause Coleman Lamp an Stove kommt das Gasoline-Bügeleisen. Die amerikanische Firma hatte eine Niederlassung in Australien, wo Peter Eberhardt die Plätte aus blauer Keramik im Internet ersteigert hat.

Ganz anders kommen die verschiedenen Kohlebügeleisen daher. Befüllt mit glühender Holzkohle, wurde die Nutzung der schweren, zum Teil kunstvoll gefertigten Plätten aus Gußeisen für jede österreichische und ungarische Hausfrau zum ordentlichen Muskeltraining. Ordentlich Kraft brauchten auch jene, die das zehn Kilo schwere Block-Schneidereisen zu bedienen hatten. Zumeist waren das Männer in den städtischen Schneiderstuben.

Auch ordentlich Gewicht im Vergleich zu den heutigen Bügeleisen hatten die sogenannten Ochsenzungen.. In die wurde mit einem Haken ein Stein gesteckt, der zuvor im Ofen erhitzt worden war. Schicke Bügelbrettuntersetzer aus Gründerzeit und Jugendstil hat Peter Eberhardt auch in seiner Sammlung. Genauso wie verschiedene Wechseleisen, bei denen man den Griff abnehmen konnte, um für flüssiges Bügeln zwischen den heißen Unterteilen wechseln zu können. Das einzige französische Stück in der Sammlung ist ein Flacheisen. Diese sogenannten Anlegeeisen wurden an abgeschrägte, heiße Bügeleisenöfen gelehnt, um so die Hitze aufnehmen zu können.

Auch gasbetriebene Bügeleisen sind in Peter Eberhardts Sammlung zu finden, genauso wie der Favorit seiner Frau, die in dem Fall den praktischen Aspekt dem optisch spektakulären vorzieht: „Ein Krawattenbügeleisen.“ Das ist natürlich nicht ganz so alt wie der Rest der Sammlung, in der es auch Kinderbügeleisen und die ersten elektrisch betriebenen zu sehen gibt.

Bis zum frühen Sommer des nächsten Jahres werden Peter Eberhardts Bügeleisen im Museum zu sehen sein. Diesen Sonntag, wenn das Museum zum Tag des offenen Denkmals von 10 bis 17 Uhr geöffnet hat, ist er natürlich auch da, um mit den Besuchern gemeinsam einzutauchen in die Geschichte des Bügeleisens.

Von Manuela Engelmann-Bunk

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