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Döbeln Das wird teuer: Leisnigerin fälscht und fährt schwarz
Region Döbeln Das wird teuer: Leisnigerin fälscht und fährt schwarz
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15:53 10.04.2019
Ein gefälschter Studentenausweis hat eine Endzwanzigerin aus Leisnig vor Gericht gebracht. Quelle: picture alliance / dpa
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Döbeln

Studenten fahren preiswert mit Bus und Bahn. Ein Teil des Semesterbeitrags geht nämlich an die Verkehrsverbünde. Dafür gibt es das Semesterticket. Man zeigt dem Schaffner einfach den Studentenausweis.

Betrug und Urkundenfälschung

Davon wollte eine Leisnigerin profitieren – aber ohne zu studieren. Das hat sie schon hinter sich. „Die Angeklagte hatten keinen Fahrschein und legte einen von ihr total gefälschten Studentenausweis der TU Chemnitz vor“, sagte Staatsanwalt Norbert Metzger. Er legte der Frau versuchten Betrug in Tateinheit mit Urkundenfälschung jeweils in zwei tatmehrheitlichen Fällen zur Last. Denn am 22. April 2017 und drei Tage später zeigte sie den Schaffnern den falschen Studentenausweis. Einmal im Zug von Chemnitz nach Döbeln, das andere Mal in der Bahn von Leisnig nach Döbeln. Fahrkarten hätten sie jeweils 6,70 Euro und 1,90 Euro gekostet. Dafür hatte die Frau einen Strafbefehl kassiert. 90 Tagessätze zu zehn Euro Geldstrafe sah dieses schriftliche Urteil ohne Hauptverhandlung vor. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt.

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Haufenweise Rohlinge

„Die Strafe ist zu hoch“, sagte Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, der die Endzwanzigerin verteidigte. Er räumte die Taten für seine Mandantin ein. „Außerdem möchten wir, dass zwei beschlagnahmte Laptops sowie ein MP3-Player wieder herausgegeben werden. Diese Technik hat mit den Fälschungen nichts zu tun, sind keine Tatmittel“, so der Anwalt. Die Polizei stellte bei seiner Mandantin Rohlinge der Studentenausweise im Scheckkartenformat sicher.

Anwalt ist Strafe zu hoch

„Der Fund der Rohlinge belegt ein planerisches Vorgehen. Es war nicht für eine Fahrt gedacht. Das begründet die höhere Strafe“, sagte der Staatsanwalt und forderte 90 Tagessätze zu zehn Euro für die Arbeitslose. „Fest steht, dass meine Mandantin sich des zweifachen versuchten Betruges jeweils in Tateinheit mit Urkundenfälschung strafbar gemacht hat. Die Erwägungen zur Strafzumessung vermögen mich nicht zu überzeugen. Es lässt sich nicht belegen, dass dies öfter geschehen ist“, sagte der Verteidiger und forderte 40 Tagessätze zu zehn Euro.

Nicht vorbestraft

Richterin Marion Zöllner nahm in etwa die Mitte und verurteilte die Leisnigerin wegen zweifachen versuchten Betruges jeweils in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu 70 Tagessätzen á zehn Euro Geldstrafe. „Die Angeklagte ist nicht so unbedarft rangegangen. Wenn man sieht, was bei ihr zuhause für Ausweise beziehungsweise Rohlinge lagen, deutet das daraufhin, dass da mehr geplant war“, sagte die Vorsitzende weiter. Ihr Urteil ist nicht rechtskräftig. Sollte es das werden, steht es nicht im Führungszeugnis und die Frau kann sich weiter als nicht vorbestraft bezeichnen, weil die Strafe unter 90 Tagessätzen liegt.

Die Endzwanzigerin ist nicht die einzige Schwarzfahrerin in der Familie. Vor knapp einem Jahr verurteilte Jugendrichter Lutz Kermes einen Familienangehörigen der Frau wegen Leistungserschleichung und Körperverletzung zu fünf Tagessätzen Geldstrafe. Er hatte die Schaffnerin im Zug von Leisnig nach Döbeln geschubst, als sie ihn beim Schwarzfahren erwischt hatte.

Von Dirk Wurzel