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Döbeln Der Mann aus der zweiten Reihe: OBM Egerer räumt Rathausschreibtisch
Region Döbeln Der Mann aus der zweiten Reihe: OBM Egerer räumt Rathausschreibtisch
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17:06 26.07.2019
Gut gelaunt räumt Hans-Joachim Egerer sein Büro im Döbelner Rathaus. Um von seinem Job als Oberbürgermeister abzuschalten, wird er aber noch einige Zeit brauchen. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Die Glasvitrine mit dem alten Eisenbahnspielzeug liegt fein säuberlich zerlegt auf dem großen Beratungstisch, an dem sonst jeden Montag alle Amtsleiter des Rathauses zur Dienstberatung sitzen. Auch Hans-Joachim Egerers (CDU) Schreibtisch ist nahezu leer. Der Döbelner Oberbürgermeister räumt sein Büro. Zwölf Jahre hat er von diesem seiner Meinung nach viel zu großen Raum im ersten Stock des Rathauses die Geschicke der Stadt Döbeln gelenkt. Die Spielzeugvitrine neben der Tür sollte es heimeliger machen. Denn Hans-Joachim Egerer betreibt ein vielfältiges Sammlerhobby. Vor seiner Zeit als Oberbürgermeister hatte er auf der selben Etage ein etwas kleineres Büro. Er war der Verwaltungschef des Rathauses und als erster Beigeordneter damit Vizebürgermeister.

Nach 29 Jahren Lenken und Leiten und manchmal auch Leiden für seine Stadt, verlässt Hans-Joachim Egerer nun das Rathaus mit Vorfreude auf sein neues Leben als Pensionär, dem sicher nicht langweilig wird. Vermissen wird er die beiden guten Seelen, Ilona Schmieder und Kerstin Kunze, die sein Vorzimmer organisierten. „Wer bringt mir denn künftig meinen bleifreien Kaffee?“, fragt er schmunzelnd, während Ilona Schmieder einen koffeinfreien Kaffee serviert und seine Lieblingskekse. Sie ist schon 29 Jahre als Sekretärin an seiner Seite, erst im Hauptamt, dann im Vorzimmer des Oberbürgermeisters, wo sie ihm seit zwölf Jahren im Duett mit Kerstin Kunze den Rücken freihält.

1990 als Dezernent ins Rathaus

Als Matthias Girbig nach der Wende 1990 zum Bürgermeister gewählt wurde, suchte er händeringend unverbrauchte Leute für seine neue Verwaltung. „Er kam mehrfach zu mir nach Hause und fragte mich. Wir kannten uns durch die Arbeit in der CDU in der Wendezeit“, erinnert er sich. Hans-Joachim Egerer zögert zunächst. Er war zu der Zeit Mitarbeiter des Technischen Direktors bei DBM, hatte zuvor viele Jahre am Schraubstock gestanden, im Abendstudium Maschinenbau in Leipzig und später in Chemnitz Qualitätssicherung und Messtechnik studiert. Irgendwann sagte er doch zu und begann am 1. Juli 1990 als Dezernent der Hauptverwaltung im Rathaus. Als frisch gewählter Stadtrat durfte er damals nur in der Verwaltung arbeiten, wenn er als vom Rat gewählter Beigeordneter des Bürgermeisters fungierte. Zunächst für vier Jahre gewählt und 1994 für weitere sieben Jahre war Egerer so der Verwaltungsbürgermeister und wichtigster Mann der zweiten Reihe.

Sein neues Amt bescherte ihm damals vor allem die „Buhmann-Aufgaben“, wie Hans-Joachim Egerer es heute nennt. Gerade hatte die Stadt das Personal der Kitas vom Land übernehmen müssen, so fiel es dem Beigeordneten zu, nach dem dramatischen Geburteneinbruch nach der Wende Kindergärten zu schließen und das Personal zu entlassen. „Wir Döbelner waren die Ersten weit und breit, die dafür einen Sozialplan abgeschlossen hatten. Erleichtert hat das die Aufgabe aber nicht wirklich“, erinnert sich Egerer. Der Geburtenknick kam später auch bei den Schulen an. Die nächste undankbare Aufgabe für den Beigeordneten Egerer. „Der Baubereich durfte was Schönes bauen. Ich musste Leute entlassen. Ich konnte manchmal nachts nicht schlafen. Das fällt nicht von einem ab, wenn man abends das Rathaus zuschließt.“

„Ich war bestimmt nicht immer einfach. Deshalb bin dankbar, eine so gute Verwaltung zu haben und für deren Loyalität.“

Das Hochwasser 2002 und 2013 waren weitere Tiefpunkte für ihn. 2002 musste er aus der zweiten Reihe das Krisenmanagement übernehmen. 2013 sei Egerer während des Hochwassers ein nahezu perfekter Krisenmanager gewesen, loben etwa Feuerwehren und Helfer ihn noch heute. Auch der Wiederaufbau unter seiner Leitung ging zügig und dank solider Haushaltführung auch mit vorgeschossenen Eigenmitteln der Stadt schneller. Solide wirtschaften war immer Hans-Joachim Egerers Ding. Auch als er 2008 schließlich als Oberbürgermeister in die erste Reihe wechselte. Die Fördermittel für die Sanierung des Schulzentrums Döbeln-Nord heranzuschaffen und die Sanierung zu begleiten, sei eine schöne Erinnerung für ihn. Im Gegenzug zuvor die Mittelschule am Körnerplatz zu schließen, war dazu wieder eine schmerzende Entscheidung. Freud und Leid liegen eben auch in der Kommunalpolitik oft dicht beieinander.

Dass er in seiner Amtszeit als Oberbürgermeister noch den Baubeginn für die Brücke Schillerstraße vollziehen und den Grundstein für die neue Zweifeldsporthalle in Döbeln-Nord legen konnte, nennt er „Höhepunkte“. „Damit habe ich auch mein Wahlprogramm für die Bürgermeisterwahl sowohl 2008 als auch 2015 einhalten können. Darin standen die Schulen, die neue Sporthalle, die Modernisierung des Internetauftritts der Stadt mit der für alle Bürger transparenten Ratsinfo samt aller öffentlicher Vorlagen im Netz und die Erhaltung des Holländerturms. „Zugegeben, letzteres war nicht mein Verdienst, sondern allein der des privaten Eigentümers“, sagt Egerer. „Ich habe den Wechsel aus der zweiten in die erste Reihe nie bereut. Es war eine spannende Herausforderung und ich kannte die Verwaltung aus dem Effeff. So schnell hat mich keiner ausgetrickst“, sagt er und gibt dabei zu, manchmal auch etwas zu misstrauisch und vorsichtig gewesen zu sein.

Geradlinig bis zur Schmerzgrenze

So ist Hans-Joachim Egerer trotz seiner erfolgreichen Arbeit nicht nur beliebt. „Diplomat wäre nicht mein Job gewesen. Ich wollte nicht unbedingt jedermanns Liebling sein“, umschreibt er das. Geradlinig bis zur Schmerzgrenze sei er, sagen Freunde über ihn. Manchmal machte das Oberbürgermeisteramt deshalb auch einsam. Deshalb pflegt Hans-Joachim Egerer die Familie, geht mit seiner Frau Heidemarie seit der Schulzeit durch dick und dünn, plant jetzt mehr Zeit mit den beiden Töchtern und den Enkeln und pflegt nur wenige ganz enge Freundschaften. „Und meine Katzen...“ ergänzt er lachend. Denn er gewann gerade das Vertrauen einer zugelaufenen Katze, die ihm dann gleich noch einen Wurf Junge bescherte. Der Katzenfreund hat sie alle liebevoll vermittelt und die Katzenmutter adoptiert.

Ganz raus ist Hans Joachim Egerer aus der Kommunalpolitik auch nach seinem Ausscheiden als Oberbürgermeister zum 31. Juli nicht. Als gewählter Stadt- und Kreisrat will er am kommunalpolitischen Leben weiter teilnehmen. Aber im Stadtrat will er sich zurückhalten und auch nicht Mitglied eines Ausschusses werden. „Das tue ich meinem Nachfolger nicht an.“

Von Thomas Sparrer

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