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Döbeln Deutschlands älteste Briefkastenfirma steht in Döbeln
Region Döbeln Deutschlands älteste Briefkastenfirma steht in Döbeln
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16:01 08.09.2019
Thomas Kolbe gehört zur sechsten Unternehmergeneration. Quelle: (Archiv) Sven Bartsch
Döbeln

Der Begriff „Briefkastenfirma“ ist in Deutschland eigentlich negativ besetzt und umschreibt eine Firma, die aus verschiedenen, meist geldgierigen Gründen, nur einen Briefkasten statt einer Werkhalle hat, etwa um Steuern zu sparen.

Bei Deutschlands ältester Briefkastenfirma ist das anders. Seit 150 Jahren produziert die heutige Max Knobloch Nachfolge GmbH in Döbeln unter anderem Briefkästen. Das Döbelner Unternehmen ist damit Deutschlands ältester noch produzierender Briefkastenhersteller. Die heute 170 Mitarbeiter bauen im modernen Werk im Gewerbegebiet Döbeln-Ost rund 100.000 Briefkästen im Jahr. Das Sortiment reicht von Einzelbriefkästen bis zu großen Briefkastenanlagen für die Wohnungswirtschaft. Als einziger Vollsortimenter in diesem Segment bedient Knobloch als drittgrößter Hersteller von Briefkastenanlagen den gesamten deutschen und mitteleuropäischen Markt sowie 27 weitere Länder der Erde – darunter Japan und den nordamerikanischen Markt. In Japan sind Knobloch-Briefkästen aus Döbeln sehr populär und ein Luxusgut.

Interessante Produktpalette

Doch bei Knobloch in Döbeln wurden in den 150 Jahren Firmengeschichte noch weit mehr interessante Produkte neben den Briefkästen hergestellt. Im Vorfeld des Jubiläums hatte das Unternehmen extra seine Firmenchronik neu schreiben lassen. Dazu wurde im Stadtarchiv und im Sächsischen Staatsarchiv geforscht. „Den genauen Tag der Eintragung des Unternehmens im Jahre 1869 haben wir dennoch nicht herausgefunden. So feiern wir am kommenden Freitag unsere Feierstunde und laden die Bevölkerung am 28. September zum Tag der offenen Tür ein. Dann gibt es auch in einem kleinen Betriebsmuseum zu sehen, was bei uns so alles hergestellt wurde“, verrät Geschäftsführer Thomas Kolbe.

Tag der offenen Tür

Tag der offenen Tür zum 150. Jubiläum der Firma Knobloch am 28. September von 10 bis 14 Uhr am Standort im Gewerbegebiet Döbeln-Ost mit Betriebsführungen und einem kleinen Museum mit früheren Produkten.

Sechs Generationen haben seit der Gründung des Betriebes im Jahre 1869 als Handwerksbetrieb für Metallverarbeitung bis heute am Fortbestand des Unternehmens gearbeitet. Im Zuge der Industrialisierung wuchs das Unternehmen rasant. Von der Backsteinvilla an der Bahnhofstraße bis zur Waldheimer Straße dehnte sich der Betrieb mitten in der Stadt Döbeln aus. Von Haushaltwaren, vom Briefkasten bis zum Kamingeschirr, vom Kohlebehälter bis zum Kehrgeschirr reichte das Sortiment.

Im Zuge der Industrialisierung wuchs das Sortiment mit dem Unternehmen. Quelle: Max Knobloch Nachfolge GmbH

Weil bei Knobloch in Döbeln auch Maßbehälter für Petroleum und Öl sowie erste Kanister hergestellt wurden, hatte das königliche Eichamt in Döbeln damals sogar eine Außenstelle. Von den anfangs drei Gründern übernahm Max Knobloch die Fabrik schließlich allein, sein Sohn führte den Betrieb weiter und vererbte ihn später an die Großmutter des heutigen Geschäftsführers Thomas Kolbe.

Emka-Staubsauger aus Döbeln

Halbstaatlich stellte der Betrieb bis 1972 Haushaltwaren her, darunter Staubsauger. „In der Planwirtschaft der DDR hatte das Unternehmen damals wenig Einfluss auf die Produktpalette“, weiß Thomas Kolbe.

In Nachkriegszeit wurde in Döbeln ein neben den Briefkästen ziemlich bekanntes Produkt entwickelt und hergestellt. Der Emka-Staubsauger aus Döbeln war Jahrzehntelang in vielen Haushalten zu finden. Im Westen wurden sie über den Neckermann-Katalog verkauft und von Döbeln aus bis nach Kuba oder den Irak exportiert. Später kam noch ein Industriestaubsauger dazu. Der Name Emka stand einfach für die ausgesprochenen Initialen des Firmengründers MK: Max Knobloch. Innerhalb weniger Jahre hatte sich der Fokus in der Produktion von Ofenblechen und Gießkannen zur Elektroindustrie verschoben.

Der Emka-Handstaubsauger war in den 1950er- bis 1970er-Jahren ein Renner – hergestellt bei Knobloch in Döbeln. Nach der Zwangsverstaatlichung 1972 ging die Staubsaugerproduktion unter dem Namen Omega nach Altenburg. Quelle: Max Knobloch Nachfolge GmbH

Nach der Verstaatlichung des Betriebes wurde die Staubsaugerproduktion von Döbeln ins VEB Elektrowärme Altenburg verlegt. Dort wurde der Emka-Staubsauger aus Döbeln zum DDR-weit bekannten Omega-Staubsauger weiterentwickelt.

Bahnheizkörper sorgen für Wärme

Das Döbelner Unternehmen wurde ein reiner Blechverarbeitungsbetrieb, der etwa die Zifferblätter und Gehäuse für alle Bahnhofsuhren der DDR herstellte. Auch die großen schwarzen Bahnheizkörper bestimmten das Sortiment sehr lange und sind vielen Menschen noch bis heute bekannt und sorgen in einigen Bauwagen oder Kleingärten vielleicht heute noch für Wärme. Zudem wurden Gehäuse für die elektronische Geräteindustrie, etwa für Rechenmaschinen, gebaut, ebenso Kabelbäume, Relais und sogar Leiterplatten für das Büromaschinenwerk in Sömmerda oder Robotron in Karl-Marx-Stadt. Selbst für Plattenspieler und für die Glashütter Uhrenindustrie lieferte der Betrieb Teile zu.

Bahnheizkörper und der nach dem Krieg entwickelte Emka-Handstaubsauger machten das Döbelner Unternehmen neben den Briefkästen bekannt. Quelle: Max Knobloch Nachfolge GmbH

1971 stiegen Thomas Kolbes Eltern Reinhard und Erika in die Firma ein. 1972 wurde der Betrieb dann aber zwangsverstaatlicht zum VEB Gerätebau Döbeln, später dem VEB Elektrowärme Döbeln angegliedert. Mit der Bildung der Kombinate ab 1978 gehörte Knobloch als Betriebsteil der Elektrowärme Döbeln zum Kombinat Wohn- und Freizeitbedarf Leipzig. Als Absatzleiter und Hauptbuchhalterin blieb das Ehepaar Kolbe aber bis zur Wende im Unternehmen. Danach gründeten beide die Max Knobloch Nachfolge GmbH. Mit Heizstrahlern und Briefkästen hielt sich der Betrieb über Wasser.

West-Erben wollten Betrieb nicht

Weil ein Familienzweig nach dem Krieg in den Westen gezogen war, lagen 75 Prozent der Firmenanteile für eine Rückübertragung bei einer großen Erbengemeinschaft, die aber am eigentlichen Betrieb kein Interesse hatte. Die Treuhandanstalt übergab den Erben die Villa an der Bahnhofstraße, die zu DDR-Zeiten als Kindergarten genutzt wurde.

Der heutige Geschäftsführer Thomas Kolbe mit Vater Reinhard und Mutter Erika. Quelle: Max Knobloch Nachfolge GmbH

Erika und Reinhard Kolbe kauften den Rest des Unternehmens von der Treuhand mit dem Versprechen zurück, Arbeitsplätze zu schaffen. Erst mit der endgültigen Eigentumsklärung konnte in moderne Maschinen investiert werden. „Mit viel Talent baute meine Mutter einen sehr persönlichen Vertrieb auf, und es ging voran“, sagt Thomas Kolbe.

Hochwasser 2002 zwingt zum Neustart

Die Flut 2002 und die Zwangspause danach wurde schließlich zur Neugeburt des Unternehmens mit neuer Strategie. Der moderne Neubau im Gewerbegebiet, der Ausbau des Vertriebes mit eigenem Außendienst und die Sortimentserweiterung auf Briefkastensysteme sorgte für Wachstum. Mit 35 Leuten wurde 2003 der Neubau bezogen und die Zahl der Mitarbeiter bis heute auf 170 ausgebaut. Perspektivisch soll das Unternehmen dort noch etwas wachsen. Platz bietet das vor zwei Jahren erworbene Nachbargrundstück, das ehemals der Firma Sachsen-Caravan gehörte.

Das Hochwasser 2002 zwang zu einer Neuausrichtung des Betriebes. Quelle: Max Knobloch Nachfolge GmbH

Neben Briefkästen entwickelt Knobloch gerade das Thema Paketempfang mit Lösungen für Eigenheime und Mehrfamilienhäuser weiter. „Wir wollen aber auch langfristig als flexibles Familienunternehmen am Markt agieren und gern noch ein bisschen wachsen“, sagt Thomas Kolbe.

Übrigens werden die Knobloch Heizstrahler heute noch immer verkauft. Sie machen aber am Unternehmensumsatz weniger als ein Prozent aus. Der Vertrieb läuft über Elektrogroßhändler. Sie werden noch immer in den DDR-Plattenbauten vom Typ WBS 70 als Ersatz für ältere Strahler nachgefragt. In die Herstellung hat Knobloch dabei die Roßweiner Werkstätten für Behinderte eingebunden.

Von Thomas Sparrer

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