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Döbeln Döbeln: Fingerabdrücke überführen Hecktürendieb
Region Döbeln Döbeln: Fingerabdrücke überführen Hecktürendieb
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15:28 23.10.2018
Außenansicht Quelle: Wolfgang Sens (LVZ/DAZ)
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Döbeln

Scheint ja ganz schön national unterwegs zu sein, dieser junge Mann. Vor der Verhandlung zeigte er seiner Betreuerin die Uhrzeit auf seinem Mobiltelefon. Und damit auch die Symbolik der Nazidiktatur. Reichsadler mit Hakenkreuz hat der 24-jährige Vorbestrafte als Bildschirmschoner eingestellt. Die Gerichte beschäftigt er seit seinem 15. Lebensjahr, fiel als Jugendlicher mit Diebstählen auf und kassierte als Heranwachsender anderthalb Jahre Jugendhaft wegen gefährlicher Körperverletzung. Zuletzt erhielt er 2016 eine Geldstrafe für Beleidigung und Bedrohung.

Die gute alte Daktyloskopie

Nun hatte ihn die Staatsanwaltschaft des Diebstahls der Hecktür eines VW-Busses angeklagt. Anfang Oktober vergangenes Jahr soll er dies getan haben. Auf die Spur kamen die Kriminalisten Fabian M. mit der guten alten Daktyloskopie, der Lehre von den Fingerabdrücken. Dem Engländer Francis Galton ist es zu verdanken, dass diese Methode der Spurenanalyse seit Ende des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug in der Kriminalistik antreten konnte.

Alte Tür kaputt –neue geklaut?

Von der lehre über die Fingerspuren wollte der Chemnitzer nichts wissen. „Ich war Zuhause. Mein Uropa war gestorben. Da gehe ich nicht irgendwas klauen“, sagte der Angeklagte. An zwei Prozesstagen klärte Strafrichterin Christa Weik den Sachverhalt auf, der dem 24-Jährigen zur Last lag. Es ging wohl darum, dass ein Bekannter des Angeklagten einen VW-Bus hatte, bei dem die Hecktür kaputt war. Naheliegendes Motiv: Wir klauen einfach eine intakte. Daran soll der Angeklagte beteiligt gewesen sein. Die Kriminaltechniker sicherten seinen Fingerabdruck an einer abgerissenen Innen-Verkleidung im Fahrzeug. Es ist nahezu unwahrscheinlich, dass diese Spur zufällig dorthin gelangt ist. Das entsprechende Gutachten des LKA fällt recht eindeutig aus: Zu 99,9 Prozent stammt der Fingerabdruck von Fabian M..

Dieb will Geldstrafe absitzen

„Das ist ein sicheres und objektives Indiz. Etwas besseres gibt es nicht“, sagte Richterin Christa Weik auf diesen Fall bezogen, als sie den 24-Jährigen wegen Diebstahls zu 60 Tagessätzen á zehn Euro Geldstrafe verurteilte. Außerdem ordnete die Richterin 200 Euro Wertersatz an, den der Mann zu zahlen hat. „Ich konnte aber nicht feststellen, dass irgendetwas aufgebrochen wurde“, begründete Richterin Weik, weshalb sie nicht Staatsanwalt Detlef Zehrfeld folgte, der den Chemnitzer wegen besonders schweren Diebstahls verurteilt sehen wollte und 100 Tagessätze zu zehn Euro Geldstrafe beantragt hatte. Ob 100 oder 60 – für Fabian M. sind es 40 Tage weniger im Gefängnis. Denn er kündigte bereits im Gerichtssaal an, die Geldstrafe abzusitzen. Rechtskräftig ist das Urteil auch schon.

Von diw