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Region Döbeln Döbeln: Telefon-Sittenstrolch soll gesiebte Luft atmen
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14:59 29.07.2019
Wegen obszöner Anrufe soll ein Döbelner ins Gefängnis. Quelle: dpa
Döbeln

Er war der Schrecken des Nachtdienstes. Ein Döbelner rief mehrfach mitten in der Nacht bei Apotheken an, die gerade Bereitschaft hatten. So zum Beispiel in Wilsdruff, Riesa, Meißen und Colditz. Die Mitarbeiterinnen am anderen Ende der Leitung bekamen ganz üble Obszönitäten zu hören, Drohungen mit sexuellen Handlungen, auch an Kindern. Eine Frau hat den Anruf seelisch schlecht verkraftet, musste sich in psychologische Behandlung begeben. Am Montag stand der 38-Jährige vorm Schöffengericht, war der 23-fachen Beleidigung angeklagt, in drei Fällen tateinheitlich mit Bedrohung.

„nullum crimen sine lege“

„Er hat über sein Mobiltelefon die Notrufnummern angerufen, was er gesagt hat, weiß er aber nicht mehr so genau. Aber was in der Anklage steht, stimmt. Jedoch hat er zu keiner Zeit Gewalt angedroht“, räumte Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich die Tatvorwürfe im Namen seines Mandanten ein. Der Verteidiger sah allerdings nur vier Taten als Beleidigung, als Bedrohung ließen sich die Ankündigungen, vorbei kommen zu wollen um sexuelle Handlungen vorzunehmen, nicht werten. „Es sind zwar massive Belästigungen aber für diese gibt es keinen Straftatbestand“, sprach der Verteidiger den Rechtsgrundsatz „nullum crimen sine lege“ (keine Straftat ohne Gesetz) an. Er beantragte 60 Tagessätze Gesamtgeldstrafe.

Staatsanwältin fordert zwei Jahre

Ganz anders Staatsanwältin Angelika Rickert. Sie sah 20 Anrufe als Beleidigung, drei davon auch als Bedrohung. „Ich sehe nichts, was eine Bewährung rechtfertigen würde“, sagte die Staatsanwältin und beantragte zwei Jahre Haft als Gesamtstrafe.

Täter ist polizeibekannt

Der Döbelner fällt bereits seit mehr als 20 Jahren mit Beleidigungen auf, ist wegen Exhibitionismus vorbestraft, saß auch schon im Gefängnis. „Vor zehn Jahren wurde das gleiche bekannt mit demselben Beschuldigten“, sagte ein Kriminalbeamter des Polizeireviers Döbeln aus. Er schilderte als Zeuge dem Gericht, wie der 38-Jährige nun ins Visier der Ermittler geriet, denn angerufen hatte er immer mit unterdrückter Rufnummer. „Geschädigte haben gerichtlich erwirkt, die Rufnummer festzustellen. Sie führte zu einer Frau und die wiederum sagte mir, dass sie die SIM-Karte dem Angeklagten gegeben hatte.“ Bekannte des Mannes hätten dem Ermittler dann bestätigt, dass der Angeklagte mit der Nummer anrufe.

Bewährung gebrochen

Die jetzt angeklagten Taten beging der Telefon-Sittenstrolch unter laufender Bewährung. Zuletzt stand er in Döbeln vor Gericht, weil er auf Ebay-Kleinanzeigen anrief. Vor allem, wenn Eltern Kindersachen, wie etwa Kommunionskleider, verkauften. Dann kündigte er den Müttern an, wie er vorbei kommen werde, um sich an den Kindern zu vergehen. Ein Jahr und zehn Monate Haft verhängte das Jugendschöffengericht im August 2018. Dieses Urteil ist nicht rechtskräftig.

14 Monate Haft

Wenn es das wird, könnte der Knastaufenthalt des 38-Jährigen aber noch länger dauern. Vorausgesetzt, das am Montag gefallene Urteil wird rechtskräftig. 14 Monate Haft Gesamtstrafe verhängte das Schöffengericht nun. Es sah zwölf Beleidigungen als erweisen an, drei davon in Tateinheit mit Bedrohung. Eine solche begeht, wer einem anderen damit droht, ein Verbrechen an ihm oder einem Angehörigen zu begehen. Verbrechen sind alle Straftaten, auf die mindestens ein Jahr Haft steht.

Mit derben Worten Verbrechen angekündigt

„Bei dem, was Sie den Frauen angekündigt haben, geht es nicht darum, ob sie was Schönes miteinander machen werden, sondern um sexuelle Handlungen, ob die Frau das möchte, oder nicht. Das ist die Ankündigung eines Verbrechens“, sagte Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichtes, als sie dessen Urteil begründete. Auch die Drohung, sich an Kindern zu vergehen, ist für das Gericht die Ankündigung eines Verbrechens – das, des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Durch seine derbe Wortwahl ließ der Angeklagte keinen Zweifel, dass diese Handlungen schwere Straftaten sein werden. „Sie wollten gegenüber Frauen Macht ausüben und sie klein machen. Das ist kein Spaß, da sind Leute nachhaltig beeinträchtigt“, sagte die Richterin.

Auch Prügel gab es schon

Zum ersten Verhandlungstag war der 38-Jährige nicht erscheinen. Zunächst dachte das Gericht, er schwänzt und plante, einen Sitzungshaftbefehl zu erlassen. Aber er war tatsächlich verhindert, weshalb es dann doch keinen Haftbefehl gab. Nach Informationen der DAZ hatte ihn jemand verprügelt und er war zum Zeitpunkt der Verhandlung im Krankenhaus. Dass er den Frack wegen seines Sex-Telefonterrors voll bekam, ist nicht bekannt.

Von Dirk Wurzel

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