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Döbeln Döbelner Cannabis wird bei Moritzburg zu Medizin
Region Döbeln Döbelner Cannabis wird bei Moritzburg zu Medizin
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17:59 19.09.2018
Auf rund 165 Hektar Flächen in Limmritz, Gadewitz, Saalbach sowie zwischen Hof und Reitzen, unweit von Stauchitz, hat der Littdorfer Landwirt, Heinz-Friedrich Schönleber, acht verschiedene Sorten Hanf angebaut. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Zum ersten Mal in Deutschland werden Cannabispflanzen mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD) in der Region Döbeln für die Weiterverarbeitung zu Nahrungsergänzungsmitteln geerntet. Auf rund 165 Hektar Flächen in Limmritz, Gadewitz, Saalbach und zwischen Hof und Reitzen unweit von Stauchitz hat der Littdorfer Landwirt, Dr. Heinz-Friedrich Schönleber, acht verschiedene Sorten Hanf angebaut. Die Firma Mariplant, Tochtergesellschaft von Maricann, einem kanadischen Hersteller von medizinischem Cannabis, sprach den Landwirt aus der Döbelner Region direkt an und startete einen Anbautest.

Mit umgebauter Erntetechnik werden die Cannabis-Blüten abgeschnitten. In der Fabrik bei Moritzburg können drei Tonnen der Blüten pro Stunde getrocknet werden. Quelle: Bartsch

Am Mittwoch begann medienwirksam die Ernte auf einem 56 Hektar (560 000 Quadratmeter) großen Feld, unweit von Stauchitz. Die bis zu fünf Meter hohen Cannabispflanzen stellen besondere Anforderungen an die Erntetechnik. Dafür adaptierte das Unternehmen gemeinsam mit dem Landwirt und dem Grünlichtenberger Lohnunternehmen Teichmann die Methoden aus der Maisernte und richtete diese auf die speziellen Erfordernisse der faserigen Cannabispflanze aus. „Die Maispflanzen, die seit April in der Region wachsen, haben die Trockenheit bestens vertragen und sind durchschnittlich 3,50 Meter hoch. An einigen feuchteren Lagen sind sie über 4,50 Meter hoch“, erklärt Landwirt Schönleber. Die meist gestellte Frage gestern von den zahlreichen Fernsehteams am Feldrand: Wieviele junge Leute schleichen denn so in ihr Hanffeld? Landwirt Heinz-Friedrich Schönleber schmunzelt: „Ich stehe nicht am Feldrand. Aber ich vermute mal, dass es schon hier und da mal jemand probiert hat.“ Doch die in der EU für den Freilandanbau zugelassenen Hanfsorten haben einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent. „Da müsste man schon einen ganzen Ballen rauchen, um etwas zu spüren“, lacht Joseph Späth, Prokurist von Maricann.

Die in der EU für den Freilandanbau zugelassenen Hanfsorten haben einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent. „Da müsste man schon einen ganzen Ballen rauchen, um etwas zu spüren“, lacht Joseph Späth, Prokurist von Maricann. Quelle: Bartsch

Maricann verarbeitet die Cannabisblüten auf dem erst kürzlich erworbenen Firmengelände in Ebersbach bei Moritzburg zu frei verkäuflichen CBD-Produkten weiter. Cannabidiol (CBD) ist ein kaum psychoaktives Cannabinoid aus dem weiblichen Hanf. Medizinisch wirkt es entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit. „Im nächsten Jahr soll der Hanfanbau verdoppelt und in naher Zukunft in der Region auf etwa 1000 Hektar ausgebaut werden. Angedacht ist es künftig neben den Blüten auch die Fasern der Hanfpflanze zu nutzen“, sagt Joseph Späth. Ob als Dämmstoff, in der Auto- oder in der Textilindustrie sind die festen Fasern interessant. „Die erste Levis-Jeans war übrigens aus Hanf. Wir haben in Deutschland die Pflanze in den letzten 80 Jahren allerdings wegen der berauschenden Wirkung des THC geächtet“, sagt Landwirt Heinz-Friedrich Schönleber.

Sonst häckseln Nico Köberle (20) und Felix Morgner (30) Mais. Mit dem Prototyp eines umgebauten Maishäckslers ernten sie Cannabis. Doch die starken Fasern sind eine technische Herausforderung. Sie verstopfen etwa aller zwei Stunden das Schneidwerkzeug. e Quelle: Sven Bartsch

Maricann investiert künftig in neue Anbaumethoden und in die Entwicklung neuer Cannabissorten mit einem möglichst hohen Cannabidiol-Gehalt. Zudem plant das Unternehmen getrocknete Cannabisblüten aus Kanada zu importieren und medizinisches Cannabis herzustellen. Auch um eine Lizenz für den Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke bewirbt sich das Unternehmen mit mehreren Joint-Venture-Partnern. Sollte es die Lizenz bekommen, wird auf dem einstigen Schlachthofgelände in Ebersbach bei Moritzburg auch THC-haltiges Cannabis in Gewächshäusern angebaut. Maricann investiert bis 2020 in Ebersbach 25 Millionen Euro in Pflanz- und Weiterverarbeitungsanlagen für Cannabis und schafft 100 bis 200 Jobs.

Von Thomas Sparrer

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