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Döbeln Döbelner Messerfrau bittet Opfer um Verzeihung und bleibt frei
Region Döbeln Döbelner Messerfrau bittet Opfer um Verzeihung und bleibt frei
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18:18 28.05.2019
Für eine Blutspur durch Döbeln soll eine 61-Jährige verantwortlich sein. Das Landgericht Chemnitz verhandelt die Berufung einer Döbelnerin, die das Amtsgericht zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt hatte. Quelle: dpa
Döbeln/Chemnitz

Erst holte er die Kohlen aus dem Keller, dann bekam er ein Messer in den Hals. Diese Bluttat vom 14. Dezember 2017 beschäftigte die Justiz nun in zweiter Instanz. Die 8. Kleine Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz verhandelt nun die Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichtes Döbeln. Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Karin Troxler verurteilte die Frau nun zu einer Bewährungsstrafe.

Goldkrone und drei Promille

Das war im Amtsgericht Döbeln anders. Vor knapp einem Jahr verurteilte dort Strafrichter Janko Ehrlich die damals 60-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und zehn Monaten Haft. Bewährung gab es nicht für die nicht Vorbestrafte . „Ich muss dazu sagen, dass ich erheblich alkoholisiert war“, sagte die Frau damals im Prozess. Mindestens eine Flasche Goldkrone will sie über Nacht gekippt haben. Zur Tatzeit hatte sie fast drei Promille Alkohol im Blut. Offenbar war der Streit ums Brötchengeld eskaliert. Ein 55- jähriger war oft bei der Frau zum gemeinsamen Frühstück und hatte sich wohl nicht so an den Kosten beteiligt, wie die Frührentnerin sich das gewünscht hatte. Nach der Tat hatte sich der Mann zur Polizei geschleppt und dabei eine Blutspur hinter sich hergezogen.

Vermindert schuldfähig?

Anderthalb Zentimeter tief war die Stichwunde, wie der gerichtsmedizinische Sachverständige Dr. Christian König rekonstruiert hat. „Das war eine potenziell lebensgefährliche Verletzung“, sagte der Mediziner nun im Berufungsprozess. Nur schnelle medizinische Hilfe verhinderte Schlimmeres. Er hielt die Frau für vermindert schuldfähig. Sie hatte zur Tatzeit 2,8 Promille Alkohol im Blut und zudem Faustan genommen. Schon seit längerer Zeit nehme sie Psychopharmaka, neben dem Diazepam, so der Wirkstoff des Faustans, auch Risperidon, ein Medikament gegen Schizophrenie. „Mich hat 2005 ein Rottweiler skalpiert. Der Arzt hat eine Hirnschwellung festgestellt“, sagte die Frau. Seitdem dem Vorfall mit dem Hund habe sie sich nicht mehr auf die Straße getraut, habe Paranoia gehabt. Wissen wollte das Dr. König.

Polizeibekannt

Im Landgericht zeigte sich die Messerstecherin nun reuig. Es ging ihr in der Berufung um Bewährung, dem Staatsanwalt um eine höhere Strafe. „Ich bitte Dich um eines, versuche mir zu verzeihen“, sagte sie zum Geschädigten. „Jeder hat eine zweite Chance verdient. Ich nehme die Entschuldigung an, will aber trotzdem keinen Kontakt mehr zu Dir“, sagte der Mann. Er leide seit dem Angriff unter Angstzuständen. Zuvor war ein guter Bekannter der Angeklagten, half ihr zum Beispiel die Kohlen herauf zu tragen und war fast täglich bei ihr zu Gast. „Er war meine einzige Bezugsperson, der einzige, zu dem ich Kontakt hatte“, schilderte sie dem Gericht. So richtig stimmen kann das nicht. Als die Polizei fünf Tage nach der Tat noch etwas von der 61-Jährigen wissen wollte, trafen sie die Beamten bei einem Herrn an, der auch an der Burgstraße wohnte. Den Polizisten war schon bekannt, wo sie die Frau finden, wenn sie nicht zu Hause ist.

Urteil nicht rechtskräftig

„Sie haben uns nicht alles erzählt, wie uns auch der Geschädigte nicht alles erzählt hat, aus was für einer Motivation auch immer. Wir sind aber überzeugt, dass es eine Auseinandersetzung um Geld gab“, sagte Richterin Troxler, als sie das Urteil der Kammer begründete. Diese änderte auf die Berufung der Angeklagten hin Richter Ehrlichs Urteil im Rechtsfolgenausspruch und verhängte anderthalb Jahre Haft mit Bewährung. Die Berufung der Staatsanwaltschaft verwarf die Kammer. Die Kammer sah die 61-Jährige zudem als vermindert schuldfähig an, weil sie zur Tatzeit Alkohol und Faustan intus hatte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Staatsanwaltschaft und Verteidigung können dagegen Revision einlegen.

Von Dirk Wurzel

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