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Döbeln Döbelner Rathaus zeigt Ausstellung mit Werken Otto Rosts
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Döbelner Rathaus zeigt Ausstellung mit Werken Otto Rosts

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09:04 28.10.2020
Der große sitzende Akt stammt aus der Zeit Anfang der 1940-er Jahre, als Rost noch Otto Rost heroisch gestählte Körper darstellte, die in diese Zeit passten. Quelle: Foto: Sven Bartsch
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Döbeln

Es sind in Stein gemeißelte, in Gips geformte und in Bronze gegossene Meisterstücke, die man derzeit noch im Stadtmuseum Döbeln bewundern kann. Denn anlässlich seines fünfzigsten Todestages hat die Stadt Döbeln eine Ausstellung mit Werken des Künstlers und Bildhauers Otto Rost organisiert.

Der Künstler, dessen Werke im Döbelner Rahthaus ausgestellt sind, erblickte am 16. Juni 1887 in Keuern das Licht der Welt. Als Kind einer Zigarrendreherin und eines Mühlenarbeiters war seine Kindheit sowohl von großer Armut als auch von großer Liebe seitens seiner Eltern geprägt. Nach dem Besuch der Döbelner Schlossbergschule und einer Ausbildung zum Gürtler und Ziseleur (Metallbearbeiter) bei der Döbelner Firma Bühnert, leistete er wie jeder männliche Bürger zu jener Zeit seinen Dienst im Militär ab. 1909 verließ er seine Heimatstadt gen Dresden, um dort ein Studium an der Kunstgewerbeschule aufzunehmen.

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Diese Skulptur kennen die Döbelner in Stein auch aus dem Freibad, wo sie die Badegäste begrüßt. Im Stadtmuseum ist der Originalentwurf zu sehen. Quelle: Sven Bartsch

Nachdem seine Ausbildung dort durch den Ersten Weltkrieg, auf den eine zweijährige Kriegsgefangenschaft in Frankreich folgte, unterbrochen worden war, nahm er sie 1920 wieder auf und avancierte unter der Anleitung seines Mentors und Förderers Professor Wrba in der Dresdner Akademie der bildenden Künste zum Meisterschüler. In der darauf folgenden Schaffensphase als freier Künstler beteiligte er sich immer wieder an einer großen Reihen von Ausstellungen und gewann 1936 den „Olympischen Kunstpreis“ in Berlin für das Relief „Rugby-Kampf“. Nachdem er die Nachfolge seines ehemaligen Mentors in Dresden angetreten hatte, heiratete er 1938 Klara Martha Schröder. Nach einem langen, von zwei Weltkriegen und vier politischen Systemen geprägten Leben starb Otto Rost im Alter von 83 Jahren am 26. Juni 1970.

Der heimkehrende Soldat stammt aus dem Jahr 1947. Quelle: Sven Bartsch

Die Skulpturen der Ausstellung stammen ausschließlich dem Depot städtischen Kunstsammlung und werden nach Ende der Ausstellung auch wieder dorthin zurückgebracht. Wohl auch aus diesem Grund kann die Ausstellung mit äußerst erschwinglichen Eintrittspreisen locken. Aber dieser Umstand ist wahrscheinlich nur ein Grund für den unerwartet großen Ansturm, weswegen die Ausstellung um einen Monat verlängert wurde. Denn während des Rundgangs durch die sich über zwei Etagen erststreckende Ausstellung, fällt immer wieder auf, mit welcher Hingabe zum Detail Otto Rost seine Werke in Szene gesetzt hat. Nicht zuletzt bei der Skulptur welche seine Mutter darstellt, fällt auf, mit wie viel Feingefühl es ihm gelang das Wesen einer Person in seinen Werken einzufangen. So lässt sich aus der rauen Bearbeitungsform und den zerfurchten Gesichtszügen erahnen, was für ein Mensch seine Mutter, welcher schwere Zeiten sicher nicht fremd waren, gewesen sein muss. „Otto Rost gelang es bei Porträts von Persönlichkeiten, zu denen er eine persönliche Beziehung hatte, diese nicht idealisiert darzustellen, sondern so wie sie sind. Auf diese Weise ist es für den Betrachter möglich, sich ein sehr persönliches Bild von dem Menschen zu machen, dessen Abbild er vor sich sieht“, erklärt die Initiatorin der Ausstellung Kathrin Fuchs. „Ich glaube das ist es, was die Besucher unserer Ausstellung zum einen überrascht und auch fasziniert.“

Die Initiatorin der Ausstellung Kathrin Fuchs vor der Skulptur, die die Mutter des Künstlers Otto Rost darstellt. Quelle: Sven Bartsch

Ein Beispiel, an dem sich dieser Aspekt verdeutlichen lässt, ist wohl das „Grabmal Gleisberg“, welches noch heute auf dem Döbelner Niederfriedhof zu finden ist. Es stellt zwei Soldaten dar, von denen der eine offensichtlich verwundet am Boden liegt, während sich der Zweite über ihn beugt, um ihm zu helfen. Bei dem am Boden liegenden Soldaten handelt es sich um den ehemaligen Leutnant Felix Gleisberg, welcher im Ersten Weltkrieg an einem Lungendurchschuss starb. Als sein Bursche sich über ihn beugte, traf auch diesen ein tödlicher Schuss, wodurch beide an Ort und Stelle starben. Die ausgehängte Bildinformation beschreibt weiter, dass der Vater von Felix Gleisberg, ein Döbelner Fabrikant, der gerade auf dem Weg an die Ostfront war um seinen Sohn zu besuchen, nur noch die Leiche seines Sohnes vorfand. Daraufhin veranlasste er die Überführung der beiden Kameraden zurück nach Döbeln und beauftragte Otto Rost mit der Arbeit an dem Grab, in dem beide noch heute bestattet liegen. Es sind wohl solche Werke, die Geschichte mit der Gegenwart verbinden und sie für den Betrachter noch heute greifbar machen.

Denkmal für den gefallenen Sohn: Das „Grabmal Gleisberg“ auf dem Döbelner Niederfriedhof, gestaltete Otto Rost im Auftrag eines Döbelner Fabrikanten. Es erzählt die traurige Geschichte zweier junger Männer, die im ersten Weltkrieg starben. Quelle: Sven Bartsch

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober geöffnet. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt zwei Euro, der für Ermäßigte nur einen.

Von Johann-Christoph Landgraf