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Döbeln Döbelner Stadtrat streitet um Treibhaus-Förderung
Region Döbeln Döbelner Stadtrat streitet um Treibhaus-Förderung
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22:27 26.09.2019
2018 übernahm der Treibhaus e.V. die Räume des ehemaligen Frauenzentrums in der Zwingerstraße, um einige der Projekte für Frauen und Senioren weiterzuführen und anderen Vereinen und Initiativen Raum zu bieten. Quelle: Manuela Engelmann
Döbeln

Der Treibhausverein bekommt von der Stadt Döbeln auch 2020 wieder einen finanziellen Zuschuss für seine Arbeit. Aber der liegt mit 9500 Euro deutlich unter dem sechsprozentigen Sitzgemeindeanteil, der für die Kulturraum-Förderung nötig ist. Diese beträgt 107 000 Euro.

Ferienprojekt des Treibhausvereins für Schlossbergschüler.

Besonders die AfD versuchte in der harten Diskussion dem 1997 gegründeten soziokulturellen Verein den Geldhahn komplettzuzudrehen. Dem hielt Sven Weißflog (Freie Wähler) entgegen: „In einer Zeit, in der die Menschen auseinanderdriften, sind wir auf die Arbeit der Vereine angewiesen. Der Treibhausverein leistet für unsere Stadt wichtige gesellschaftliche Arbeit aus der Mitte der Bevölkerung und ist Bindeglied zwischen Alt und Jung.“ Nicht nur er kämpfte am Donnerstagabend für den Verein. Auch sein FDP-Fraktionskollege Peter Draßdo sowie die Fraktion SPD, Linke und Grüne und „Wir für Döbeln“ wollten, dass der Verein 2020 von der Stadt den vollen Sitzgemeindeanteil in Höhe von 14 000 Euro bekommt. Damit bezahlt der Verein seine Sachkosten und seine professionellen Mitarbeiter, allesamt studierte Fachkräfte. Sie machen dann aus dem Fördergeld Kulturangebote und Projekte: Jugendbegegnungen, Bildung, Beratung, Siebdruckwerkstatt, Fahrradwerkstatt, Angeboten für Jugendliche,Frauen, Seniorenund Migranten für etwa 400 000 Euro im Jahr.

Zum Treibhaus-Projekt aus alt mach neu gehörten die Fahrradwerkstatt und das Nähcafé. Quelle: Sven Bartsch Sven Bartsch

Annemarie Reiche von der AfD: „Man sollte überlegen, wem man Steuergelder gibt. Die machen da Politik gegen die AfD. Die Veranstaltungen des Treibhaus braucht niemand. Ich war jedenfalls noch nie da“, so die AfD-Stadträtin. Statt zu sparen, lege der Verein immer neue Projekte auf, sagte CDU-Fraktionschef Ulrich Kuhn. Der Treibhaus hatte das einstige Frauenzentrum in der Zwingerstraße mit Projekten für Frauen und Senioren übernommen.

Gedenken für die Döbelner Opfer des Holocaust, jährlich organisiert durch den Treibhausverein. Quelle: Sven Bartsch

In geheimer Abstimmung fiel der Antrag der AfD durch, den Geldhahn zuzudrehen. Die 14 500 Euro-Förderung bekam auch keine Mehrheit. So gibt es nun nur 9500 Euro. Jetzt muss der Verein mit dem Kulturraum über dessen Zuschuss verhandeln. Andernfalls kreist der Rotstift.

Kommentar: Fatales Signal

Von Thomas Sparrer

Zweite Stadtratssitzung in Döbeln und die AfD zeigt ihr Gesicht. Ginge es nach ihr, würde der 22 Jahre bestehende Treibhausverein und alle Jugend- und Soziokultur in der Stadt platt gemacht. „Braucht kein Mensch“, „War ich noch nie“, „Die sind gegen die AfD“, wurde argumentiert. „Treibhaus gleich Antifa. Das sind doch die vom G20-Gipfel, also Linksextremisten.“ Das war selbst OBM Liebhauser zu dumm und er stellte klar, dass man bei der Stadtverwaltung sicher weiß, dass das Extremistengeschwafel der AfD in Verbindung mit dem Treibhaus Schwachfug sei.

Dennoch machte auch die CDU bei der Diskussion um den Zuschuss für den Treibhausverein keine gute Figur. Sie hinterließ das Gefühl, sich bei der AfD anzubiedern. Statt sich klar hinter den in der breiten Mitte der Bevölkerung verankerten Verein zu stellen, bekamen die Macher einen Tritt. Nach Auflösung des Frauenzentrums führt der Treibhaus deren Angebote für Frauen und Senioren weiter. Darum braucht er mehr Geld. Nun erschüttert der zu knappe städtische Zuschuss die Finanzen des Vereins. Ein fatales Signal. Vor allem an jene engagierten, gut ausgebildeten jungen Leute, die bewusst in ihrer Stadt bleiben und sich seit Jahren für die Zivilgesellschaft engagieren.

Ferienprogramm des Treibhausvereins im Haus der Demokratie an der Bahnhofstraße Quelle: Wolfgang Sens
Zum 20-jährigen Bestehen des Treibhausvereins vor zwei Jahren gratulierte auch Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (m). Quelle: Sven Bartsch

Von Thomas Sparrer

Es ist beileibe keine leichte Kost, die der Treibhaus-Verein gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde in der Döbelner Nikolaikirche präsentiert. Ein Theaterstück und eine Ausstellung befassen sich mit rechtsextremer Gewalt und deren Folgen.

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