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Döbeln Döbelns bürgerliche Mitte macht sich für Treibhaus stark
Region Döbeln Döbelns bürgerliche Mitte macht sich für Treibhaus stark
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19:31 20.01.2020
2017 feierte der Treibhausverein im Döbelner Rathaussaal sein 20-jähriges Bestehen, gewürdigt von der damaligen Kultur-Staatsministerin Eva Maria Stange (3.v.l.). Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Mit einem offenen Brief an die Landräte von Mittelsachsen und Erzgebirge sowie die Mitglieder des Kulturkonvents des Kulturraumes Mittelsachsen-Erzgebirge machen sich 244 Bürger aus der Mitte der Döbelner Gesellschaft für den Treibhausverein Döbeln stark. Der Brief samt der Unterschriftenliste wurde am Montag an die Landräte und das Kulturrumsekretariat gesandt.

Namhafte Bürger für den Verein

Unterschrieben haben Menschen aus allen Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten. Unter ihnen sind Persönlichkeiten wie IHK-Präsident Thomas Kolbe, der Döbelner Kinderarzt Dr. Eckehart Erdmann, Torsten Bruß, Vorstand der Raiffeisenbank Mittelsachsen, Kinderärztin Ute Haase, die Zahnärzte Matthias Clausner und Manuela Luci, Rechtsanwalt Carsten Forberger, Sportlehrer Uwe Schmidt, Ute Behrisch, Leiterin des Evangelischen Kindergartens, Pastor Rolf Wittrin, Maik Schrader für den Christlichen Schulverein Technitz, Sporthauschef Holger Schmidt, Döbelns Kantor Markus Häntzschel, Bauhandwerker Jens Koßack, Revierförster Dirk Tentzler oder Kfz-Meister Daniel Winkler.

Februar 2007: Gäste und Sanitäter vom Rettungsdienst kümmern sich nach einem rechtsradikalen Überfall um eine Besucherin eines Kabarettabends, die durch einen der Gegenstände getroffen wurde, welche die rechten Angreifer in ihrer blinden Zerstörungswut durch den Raum des Café Courage warfen. Das Café ist ein Projekt des Treibhausvereins. Insgesamt mussten zwei Gäste des Abends ambulant behandelt werden. Technik, Tische, Stühle wurden von dem braunen Rollkommando zerschlagen. Der Überfall auf die vor allem mit der Generation Ü30 und Ü40 voll besetzte Kulturveranstaltung mit dem bekannten Kabarettisten Nils Heinrich wird der rechtsextremen Neonazigruppe Sturm 34 aus dem Raum Mittweida zugeschrieben. Der Rädelsführer steht ab August 2007 vor Gericht. Der Überfall ist einer der Gründe, warum der Verein von seinem Hausrecht Gebrauch macht und Rechtsextremen zu seinen Veranstaltungen keinen Zutritt gewährt. Quelle: Thomas Sparrer

„Wir hatten über Weihnachten die Idee zu dem offenen Brief, weil wir einfach traurig darüber sind, wie ein gestandener Döbelner Verein aus der Mitte der Gesellschaft so ins Kreuzfeuer geraten konnte“, sagen Andreas und Donata Porstmann. Anfang Januar sammeln der Berufsbetreuer und die Physiotherapeutin weitere Döbelner um sich und formulieren das Schreiben. Innerhalb weniger Tage rollte die Unterschriftenwelle an. Bauingenieure, Architekten, Handwerksmeister, Erzieher, Kirchenvorstände, Schüler, Studenten – 244 Menschen zwischen 16 und 78 machen sich mit ihrer Unterschrift für den Treibhausverein stark.

Elterngeneration macht mobil

„Wir, das sind Menschen aus der bürgerlichen Mitte, die unsere Freiheitlich-Demokratische-Grundordnung achten.

Wir, das sind Eltern von Kindern, die schon und gerade in ihrer Jugend durch die Aktivitäten des Treibhaus e.V. geprägt wurden und sich auch durch die dort erfahrene Bildung zu toleranten und bewusst kritisch denkenden Menschen entwickeln konnten.

Wir, das sind Menschen unterschiedlicher Generationen, die die Veranstaltungen und Angebote des Treibhaus e.V. schätzen und als Bereicherung für unseren Alltag und unsere Lebenswelt wahrnehmen“, schreiben die Unterzeichner.

Darum geht es im Kulturraum

Am 29. Januar will der Konvent des Kulturraumes Erzgebirge-Mittelsachsen in Marienberg über den Antrag des Treibhaus e.V. auf institutionelle Förderung für 2020 entscheiden. Dieses Geld ist Grundlage für die zum Teil hauptamtlichen Strukturen des Vereins. Die Entscheidung war nach Intervention der AFD zurückgestellt worden.

Kulturraumsekretärin Manja Dahms betont, dass es gegen den Verein keine Beschuldigungen gibt. Es gebe Statements zu Fragen der Überparteilichkeit und des Hausrechts, zu denen der Verein im Dialog Stellung beziehe und Hinweise berücksichtige.

Der Treibhaus gelte in der Kulturarbeit als zuverlässiger Partner. Vieles, was der Verein leistet, sei rein ehrenamtlich nicht machbar.

Manja Dahms hofft, dass sich Gerechtigkeit und Kultur durchsetzen.

Verein leistet dankenswerte Arbeit

Über die Jahre verfolgten und unterstützten die Unterzeichner die Aktivitäten des Treibhausvereins Deshalb verwahre man sich gegen die von der AfD angeführten Vorwürfe. „Unsererseits konnten zu keiner Zeit und Stelle irgendwelche verfassungsfeindliche, undemokratische und extremistischen sowie gewaltverherrlichende Inhalte festgestellt werden. Im Gegenteil! Der Treibhaus e.V. ist eine Institution geworden, die durch die Vermittlung von Demokratie, Humanismus, Toleranz und Menschenfreundlichkeit eine dankenswerte Arbeit in unserer Gesellschaft leistet. Eine Beeinträchtigung oder gar ein Wegfall des Treibhaus e.V. würden auf Dauer den Verlust einer Einrichtung bedeuten, die in beispielloser Weise jungen Menschen die Werte von Demokratie, Menschlichkeit, politischem Verständnis und Toleranz vermittelt. Auch die interessierte ältere Generation hätte Verluste in Bezug auf Vorträge, individuelle Konzerte, Buchlesungen und vieles mehr zu beklagen.

An Landrat Damm und seinen Kollegen aus dem Erzgebirge geht die Bitte: „Wir, Menschen aus allen Altersklassen, Bildungsschichten und Traditionen, bitten Sie, die Arbeit des Treibhaus e.V. durch die Gewährung der bisher zurückgestellten Fördermittel weiterhin zu gewährleisten.“

Offener Brief an den Landrat im Wortlaut

Herrn Matthias Damm

Landrat des Landkreises Mittelsachsen

Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen

Kultursekretariat

Am Mörbitzbach 10

09557 Flöha

OFFENER BRIEF

zur institutionellen Förderung des Treibhaus e.V. Döbeln

Sehr geehrter Herr Landrat Damm,

sehr geehrter Herr Landrat Vogel,

sehr geehrte Damen und Herren des Kulturraumes Erzgebirge-Mittelsachsen,

wir,

• das sind Menschen, die in diesem Land leben und arbeiten,

• das sind Menschen aus der bürgerlichen Mitte,

• das sind Menschen, die unsere Freiheitlich-Demokratische-Grundordnung achten,

• das sind Menschen, denen Demokratie und Meinungsfreiheit ein ausgesprochen hohes Gut sind,

• das sind Menschen, die ohne Ansehen von Hautfarbe und Herkunft die Würde der Menschen achten und solidarisch zu Verfolgten und Schwachen sind,

• das sind Menschen, die extremistische Haltungen nicht teilen und das Handeln und Wirken anderer danach beurteilen.

Wir,das sind Eltern von Kindern, die schon und gerade in ihrer Jugend durch die Aktivitäten des Treibhaus e.V. geprägt wurden und sich auch durch die dort erfahrene Bildung zu toleranten und bewusst kritisch denkenden Menschen entwickeln konnten.

Wir, das sind junge Menschen, deren persönliche Entwicklung durch Bildungsveranstaltungen, den Aufenthalt in den Räumen des Treibhaus e.V. und damit verbundene Gespräche und Begegnungen derart geprägt wurden, dass sie von sich behaupten können, kritisch denkende, tolerante und solidarische handelnde Menschen zu sein.

Wir, das sind Menschen unterschiedlicher Generationen, die die Veranstaltungen und Angebote des Treibhaus e.V. schätzen und als Bereicherung für unseren Alltag und unsere Lebenswelt wahrnehmen.

Wir nehmen die Versuche der AfD, einer Partei, deren Jugendorganisation und deren parteiintern als „rechter Flügel“ bezeichneter Teil als rechtsextremistisch vom Bundesamt für Verfassungsschutz bewertet werden, die Förderung möglichst vollständig zu verwehren, durchaus wahr und ernst.

Diese Versuche auf Basis von Behauptungen, den Verein zu diskreditieren, sind eine für die AfD durchaus übliche Verfahrensweise. Dem Verein wird von der AfD in einer Abhandlung mit dem Titel „Unterwanderung der FDGO unter dem Deckmantel politischer Bildungs- und Sozialarbeit“ vorgeworfen, infolge vorhandener Aufkleber und Plakate in den Räumen des Vereins „…zur Gewalt aufzurufen, zum Diebstahl aufzurufen, zur Bildung autonomer, gewalttätiger Terrorgruppen aufzurufen.

Es ist folgerichtig, dass eine Förderung für Vereine, die sich gegen die freiheitlich- demokratische Grundordnung richten, zu verwehren ist. Allerdings hat die Überprüfung des Vereins, die auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Rolf Weigand (AfD) durch das Staatsministerium für Gleichstellung und Integration erfolgte, nach unserem Kenntnisstand ergeben, dass „die mit der Kleinen Anfrage übermittelten Kennzeichen nicht strafbewährt sind. Insoweit bieten diese keinen Anlass für Maßnahmen der Strafverfolgung.“

Wir sind der Überzeugung, dass die Mitarbeitenden und Vorstände des Vereins verantwortungsvoll mit verbreiteten Inhalten umgehen und eine entsprechende Prüfung stattfinden wird. Hier gilt es, dem Treibhaus e.V. das nötige Vertrauen entgegen zu bringen, statt sich von einer Hetzkampagne der AfD treiben zu lassen.

Wir, die über Jahre die Aktivitäten des Treibhaus e.V. verfolgt und unterstützt haben, verwahren uns gegen die oben angeführten Vorwürfe. Unsererseits konnten zu keiner Zeit und Stelle irgendwelche verfassungsfeindliche, undemokratische und extremistischen sowie gewaltverherrlichende Inhalte festgestellt werden. Im Gegenteil! Der Treibhaus e.V. ist eine Institution geworden, die durch die Vermittlung von Demokratie, Humanismus, Toleranz und Menschenfreundlichkeit eine dankenswerte Arbeit in unserer Gesellschaft leistet. Eine Beeinträchtigung oder gar ein Wegfall des Treibhaus e.V. würden auf Dauer den Verlust einer Einrichtung bedeuten, die in beispielloser Weise jungen Menschen die Werte von Demokratie, Menschlichkeit, politischem Verständnis und Toleranz vermittelt. Auch die interessierte ältere Generation hätte Verluste in Bezug auf Vorträge, individuelle Konzerte, Buchlesungen und vieles mehr zu beklagen.

Wir, Menschen aus allen Altersklassen, Bildungsschichten und Traditionen, bitten Sie, die Arbeit des Treibhaus e.V. durch die Gewährung der bisher zurückgestellten Fördermittel weiterhin zu gewährleisten.

Mit freundlichen Grüßen

Die Unterzeichner dieses Offenen Briefes

Anlage: 244 Unterschriften

Von Thomas Sparrer

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