Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Ein Anbau für den Anbau: Waldheim will Stadt- und Museumshaus erweitern
Region Döbeln Ein Anbau für den Anbau: Waldheim will Stadt- und Museumshaus erweitern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Kaum fertig, plant die Stadt Waldheim schon einen Anbau ans Stadt- und Museumshaus. Quelle: Dirk Wurzel
Anzeige
Waldheim

Das Stadt- und Museumshaus soll noch einen Anbau bekommen. Grund: Der Platz im Gebäude kann knapp werden. „Wir haben uns überlegt, dass der Platz für eine Ausstellungseröffnung nicht ausreicht. Darum haben wir darüber nachgedacht, einen Wintergarten anzubauen“, sagt Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Und so ist nun der Plan gewachsen, an das bereits angebaute Funktionsgebäude einen Glaspavillon mit bis zu 45 Plätzen dranzusetzen. Dieser soll sich weitgehend öffnen lasen und schräg in den Hof zur Zschopau ragen. Auch eine Tasse Kaffee soll es hier geben und die Besucher können diese mit „Blick auf den Ziegelbau“ auf der anderen Zschopauseite genießen, wie Steffen Ernst scherzhaft sagt. Der Ziegelbau ist die Spindelfabrik. Aber die kommt ja schließlich bald weg.

Kommentar: Glasanbau ist eine feine Sache

Mal ehrlich: Bei geplanten Gesamtbaukosten von 1,7 Millionen Euro ist ein Anbau ans Waldheimer Napoleonhaus für weniger als 100 000 Euro in etwa so, als würde man an ein Eigenheim einen besseren Carport anbauen. Insofern ist das Vorhaben der Stadt der Waldheim, die Nutzfläche des künftigen Stadt- und Museumshauses zu erweitern keine große, aber eine gute Sache. Architektonisch kann der Glaspavillon das denkmalgerecht sanierte und umgebaute Gebäudeensemble enorm aufwerten, den Kontrast zwischen historischer beziehungsweise auf historische getrimmter Bausubstanz und moderner deutlich hervortreten lassen. Wichtiger ist aber die künftige Nutzung. Es hat enorm viel Charme, eine Ausstellung in einem gläsernen Anbau zu eröffnen. Und wenn es dort für die künftigen Besucher des Waldheimer Stadt- und Museumshauses auch noch eine Tasse gibt, ist das umso besser. Sinnvoll ist es ebenfalls, das Vorhaben jetzt zu realisieren, wo das Gebäude-Ensemble aus historischem Bestand und im historischen Gewand errichteten Funktionsanbau sowieso noch eine Baustelle ist. Man reißt eben nicht zweimal rein, wenn man das jetzt macht. Dass die Stadtverwaltung die Angelegenheit jetzt vom Stadtrat auf einer Sondersitzung entscheiden lässt, ist richtig und erspart berechtigte Kritik, dass nicht alle Stadträte an der Entscheidung beteiligt gewesen seien. Das wäre nämlich der Fall gewesen, wenn diese Entscheidung lediglich im Verwaltungsausschuss gefallen wäre. Der Anbau an den Anbau ist eine feine Sache. Darüber sollten möglichst alle abstimmen können, die die Waldheimer dafür gewählt haben. Dirk Wurzel

Die Pläne für den Anbau an den Anbau sind bereits soweit fortgeschritten, dass die Stadt den Auftrag ausschreiben kann, ja sogar muss, wenn sie den Termin zur endgültigen Fertigstellung des Stadt- und Museumshauses halten will. Das soll am 17. November sein. Darum hat der Bürgermeister jetzt einen Sonderstadtrat einberufen, der am 18. Mai über das Thema Glaspavillon für das Napoleonhaus beraten soll. Der Stadtrat soll beschließen, dass Waldheim das Geld für den Anbau bereitstellt und in den Haushalt einstellt. Man rechnet derzeit mit Baukosten, die die Grenze von 100 000 Euro nicht überschreiten. Zunächst war geplant, über das Vorhaben den Verwaltungsausschuss beraten und beschließen zu lassen. Aber in diesem Gremium des Stadtrates sind nicht alle Fraktionen vertreten. So tagt nun der Sonderstadtrat. Denn die Stadt will zu Potte kommen. „Wir müssen ausschreiben“, sagt Steffen Ernst. Die Stadt rechnet damit, für den Anbau Fördergeld zu bekommen.

Anzeige

Steffen Ernst sieht Vorteile, den Pavillon jetzt zu bauen, da die Außenanlagen des Stadt- und Museumshauses noch nicht fertig sind und das Gebäude eh eine Baustelle ist. So gibt es alles aus einem Guss. Andernfalls müsste man in ein bereits fertiges Ensemble reinreißen, wenn man den Anbau später errichten würde.

Von Dirk Wurzel