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Döbeln Entschleunigung auf Hof, Wiese und bei altem Handwerk
Region Döbeln Entschleunigung auf Hof, Wiese und bei altem Handwerk
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12:03 29.04.2019
Claudia Eberlein, Corinna Henneriki und Mathias Lingott backen im Backhaus des Lindenhofes gemeinsam Brot für die Besucher des Hoffestes. Quelle: Sven Bartsch
Auterwitz

Zum fünften Mal luden am Sonnabend Claudia Eberlein und weitere Dorfbewohner und Mitstreiter zum Hoffest auf dem Lindenhof in Auterwitz ein.

Eine Art Frühlingserwachen wurde schon im einstigen Umweltzentrum Ökohof Auterwitz gefeiert. Darin knüpft Claudia Eberlein mit ihrem Hoffest an.

Neben Reitpferden, auf denen Kinder reiten dürfen und fantasievollen Gesichtsbemalungen, legt das Hoffest einen Fokus auf altes Handwerk. „Wir wollen den Gästen nicht einen weiteren Kunsthandwerkermarkt anbieten. Hier sollen sich die Besucher selbst ausprobieren können“, sagt Claudia Eberlein. Mit ihrem Webstuhl war etwa Anna-Maria Martini aus Chemnitz gekommen, um die Besucher für ihre Handwerkskunst zu begeistern. Sie selbst hat den Beruf Handweberin von der Pike auf gelernt. Jetzt entdeckt sie gerade ihr einstiges Handwerk wieder für sich und bemerkt auch bei den Leuten Interesse, etwa für Kurse.

Kunsthandwerkerin Claudia Rückert hilft Jacqueline Bochert beim Töpfern. Quelle: Thomas Sparrer

Nebenan schnitzt Holger Vogel Tiere und es werden Heukränze gebunden, es entstehen Honigbienen aus Holz und Draht und es wird Speckstein verziert. Claudia Rückert hilft Hofbesuchern wie Jacqueline Bochert aus Waldheim beim Töpfern. Die Kunsthandwerkerin aus Großpelsen stellt gerade ihre Keramikkunst in der Schaddelmühle bei Grimma aus. Gegenüber drechselt Ringo aus Traunstein an seiner Drechselbank Schalen mit interessanter Holzmaserung und erklärt Interessierten seine Technik. Die Kinder hingegen haben sich längst hinter einen Holzstapel verzogen. Hier hat Volker Herold seine selbst gebauten Bögen, Köcher mit Pfeilen und eine Zielscheibe aus Stroh aufgebaut, um mit den Kindern Bogenschießen zu üben. „Das ist für mich ein Hobby zum Herunterkommen vom Arbeitsalltag.“ Unterdessen wird im Backhaus frisches Brot gebacken, wird Kräuterlimo und Gerstensaft angeboten und lauschen Kinder und Erwachsene unten auf der Wiese dem Geschichtenerzähler Jan Deicke.

Kommentar: Sehnsucht nach Entschleunigung

Es sind vor allem Auto-Kennzeichen aus den Ballungsräumen, die bei Hoffesten und Märkten in der ländlichen Region auftauchen. Und es sind oft Leute, die auf dem Lande, auf weiten Wiesen, unter Bäumen, am Backhaus oder im Bauerngarten dem Alltagsstress entfliehen wollen und nach Entschleunigung suchen.

Denn gerade das Großstadtleben im Takt der Straßenbahn, das Zusammenleben mit vielen Menschen, Großstadthektik, Lärm und viel Verkehr schaffen Sehnsucht nach Ruhe, nach ländlicher Weite, nach Abspannen vom Alltagsstress und danach, dabei vielleicht ein neues Hobby im Kräutergarten, am Webstuhl, der Töpferscheibe oder mit Pfeil und Bogen zu entdecken, das beim Runterkommen auf normale Betriebstemperatur hilft. Viele dieser Dinge, die Menschen aus urbanen Zentren auf dem Lande so anziehend finden, bemerken Menschen in unseren Breiten vielleicht gar nicht, weil sie täglich zwischen weiten Feldern zur Arbeit fahren und sich vielleicht danach sehnen, das Auto mal stehen lassen zu können und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit oder ins Konzert zu fahren.

Das Wohltuende an diesen Unterschieden zwischen Stadt und Land ist, dass die Menschen in großen Städten und kleinen Dörfern irgendwie miteinander verbunden sind – und sei es durch die Sehnsucht nach dem, was man in seinem Lebensumfeld gerade nicht hat.

Entschleunigung auf...“, Seite 14

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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