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Döbeln FDP/Freie Wähler drücken bei der Döbelner Förderschule aufs Tempo
Region Döbeln FDP/Freie Wähler drücken bei der Döbelner Förderschule aufs Tempo
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12:26 19.03.2019
Die baulichen Zustände der Turnhalle auf dem Schlossberg sind alles andere als zeitgemäß. Blümchen wachsen im Parkett. Geheizt wird mit uralten Strom-Heizgeräten. Die Fenster sind hornalt und einfach verglast. Prallwände fehlen. Quelle: Sven Weißflog
Döbeln

Die Fraktion FDP/Freie Wähler im Döbelner Stadtrat will für die Förderschule auf dem Schlossberg den Turbogang einlegen. In einem Antrag für den Döbelner Stadtrat fordern die Fraktionsmitglieder den Oberbürgermeister auf, die Raum- und Nutzungsplanung für die Schule vorzuziehen und dabei die Schulleitung einzubeziehen. Die Antragsteller wollen bis Ende dieses Jahres klare Planungen, damit eine Lösung für die räumlich beengte und baulich unzureichende Schlossbergschule spätestens bis 2025 ungesetzt werden kann.

So fanden die Handwerker die Baulichkeit vor dem Einbau der neuen Toiletten vor.

„Die derzeitigen Bedingungen an der Schlossbergschule sind so nicht mehr zumutbar. Wir investieren zwar, wie zuletzt in die neuen Toiletten an der Mehrzweckhalle rund 75 000 Euro. Aber nachhaltig ist das nicht. Denn wir wissen, dass die Förderschule auf dem Schlossberg baulich keine Zukunft hat“, begründet Stadtrat Sven Weißflog.

Die Situation sei für Kinder, Lehrer und Eltern langfristig perspektivlos und nicht zumutbar. „Die schlechten Verhältnisse an der Förderschule bedeuten für die künftigen heranwachsenden Bürger unserer Stadt eine nicht optimale Bildungs- und Persönlichkeitsentwicklung. Das hat später auch Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt, die soziale und wirtschaftliche Bevölkerungsstruktur und beeinträchtigt somit letztendlich langfristig die Zukunft unserer Stadt Döbeln“, so Weißflog weiter. Denn während Gymnasiasten überwiegend ihre Heimatstadt zum Studium und Arbeiten verlassen, bleibe ein Großteil der Förderschüler später in Döbeln.

Auch der Elternrat beklagte sich zuletzt im Frühjahr 2018 per Petition an den Sächsischen Landtag.

Aktuell lernen an der Förderschule für Lernbehinderte auf dem Schlossberg 185 Jungen und Mädchen in 13 Klassen. Von 21 Pädagogen werden sie unterrichtet. Die Räume des alten Schulgebäudes sind damit bis auf den letzten Raum ausgelastet. Die Schule ist überbelegt. Schüler müssen an andere Förderschulen abgewiesen werden. Weil aber auch dort schon im Grundschulbereich Kapazitätsgrenzen erreicht sind, treibt das Blüten. So wird ein Döbelner Förderschüler im Grundschulalter mittlerweile täglich per Taxi nach Burgstädt befördert, weil hier kein Platz für ihn da ist.

Es gibt bei der Stadt mittlerweile durchaus recht konkrete Lösungsansätze: Anstelle der sanierungsbedürftigen Grundschule in Döbeln-Ost soll in wenigen Jahren ein moderner Schulcampus für geschätzte 20 Millionen Euro entstehen. Ein Grundschulneubau, die Sanierung der bisherigen Schule in Ost als neuer Förderschulstandort und eine Erweiterung der vorhandenen Turnhalle oder ein Sporthallenneubau sind die Säulen dieses Konzeptes von Stadtverwaltung und Stadtrat.

„Das Problem ist, hierfür gehen noch zehn Jahre ins Land. Zehn Jahre ohne neue Computer, neue Räume, einen erweiterten Hort sind für die Förderschule zu lang. Unser Antrag soll aus zehn Jahren für eine Lösung möglichst fünf machen“, sagt FDP-Fraktionschef Rocco Werner.

Und selbst das ist noch lange: Aktuell marschieren die Förderschüler zum Werken und für den Hauswirtschaftsunterricht zur Körnerplatzschule und ans Berufsschulzentrum Döbeln. Die größeren müssen für den Sportunterricht zum Gymnasium. „Die Förderschule ist eine Reiseschule geworden“, sagt Rocco Werner.

Der Antrag muss nun in einer der nächsten Ratssitzungen behandelt werden.

Kommentar: Zehn Jahre darf es nicht mehr dauern

Die neu eingebauten Toiletten in der Mehrzweckhalle der Förderschule auf dem Döbelner Schlossberg sind schön. Sie lösen aber das Problem dieses völlig überfüllten Schulstandortes nicht. Sie sind nur ein Flicken auf einem löchrigen Teppich.

Jahrelang waren der Stadt Döbeln tatsächlich die Hände gebunden, denn der Landkreis hatte in Sachen Förderschulen seine Schulnetzplanung nicht fertig. Lange stand die Frage im Raum, dass eine der drei Grundschulen im Altkreis Döbeln sogar zu schließen sei. Während das Thema zu Lasten der schwächsten Schüler ausgesessen wurde, überholte die Wirklichkeit den Landkreis als zuständigen Schulnetzplaner und die Stadt Döbeln als Schulträger der Förderschule.

Speiseraum, Werkraum, der frühere Schulclub „Schuloase“ – all das wird heute für den regulären Unterricht an der völlig überfüllten Schule gebraucht. Und weil das noch nicht reicht, gehen die Schüler in der ganzen Stadt auf Reisen, um Werken, Hauswirtschaft, Sportunterricht zu absolvieren.

Die Stadtverwaltung und die Ratsfraktionen haben das Problem erkannt und arbeiten an einem groben Fahrplan. Dass die FDP/Freie Wähler-Fraktion nun aber auf die Tube drückt, ist gut und richtig. Zehn Jahre darf die Lösung tatsächlich nicht mehr dauern.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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