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Döbeln Wo heute ein Damm steht, wütete einst die Mulde – Fotogalerie
Region Döbeln Wo heute ein Damm steht, wütete einst die Mulde – Fotogalerie
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14:08 25.04.2019
Klosterbuch heute mit neuem Deich, aus der Luft fotografiert. Quelle: Sächsisches Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft
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Klosterbuch

Ab jetzt läuft alles ganz anders mit dem Mulde-Wasser: Strömt es in bedrohlichen Mengen auf Klosterbuch zu, sind die Dorfbewohner der drohenden Überflutung nicht mehr hilflos ausgesetzt. Eine Hochwasserschutzanlage umgibt den Ort. Vier Millionen Euro flossen in deren Bau. Gestern wurde sie offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Wie die Mulde hier bei vorangegangenen Hochwässern wütete, zeigen diese Bilder:

Bilder vom 2002. Da versank das Dorf Klosterbuch erstmals in den Muldefluten, 2013 erneut. Da waren die neuen Dämme zwar schon geplant, aber noch nicht gebaut. Der Fluss zerstört, was ihm im Weg steht. Der Deich schützt ab jetzt Mensch und Tier.

Was heute vor allem anders läuft: Sobald der Wassertand kritische Werte erreicht, reagiert die Anlage. Denn diese besteht nicht allein aus einem etwa tausend Meter langen Deichbauwerk mit bis zu 3,10 Metern Höhe, plus 370 Metern Hochwasserschutzmauer. Zum Schutzsystem zählt ein Schöpfwerk mit Notstromversorgung. Während Deich und Mauer das Muldewasser daran hindern, von außen in das Dorf einzudringen, ist das Schöpfwerk das Herzstück der Binnen-Entwässerung.

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Schwimmer-Einrichtung gibt Signal

Steigt das Wasser außerhalb der „Schüssel“, zieht es gemäß den Gesetzen der Physik den Grundwasserspiegel mit in die Höhe. Sowohl Schöpfwerk als auch das zugehörige Notstromaggregat laufen automatisch an, wenn eine damit gekoppelte Schwimmer-Einrichtung den Befehl auslösen. Generell unterliegen derartige Anlagen einer regelmäßigen Funkions-Überwachung seitens der Flussmeisterei mit engen Intervallen. Wolfgang Stützer, der das Projekt Klosterbuch für die Sächsische Landestalsperrenverwaltung (LTV) begleitete, sagt über das Schöpfwerk: „Es kann 57 Kubikmeter Wasser pro Stunde aus dem eingedeichten Ort abpumpen. Ziel ist es, das Grundwasser niedrig zu halten, dennoch steht fest: Führt die Mulde Hochwasser, haben die Klosterbucher nasse Keller.“

Auf Deichscharten, die aufgeschnitten werden können, wurde verzichtet. Axel Bobbe Betriebsleiter des LTV-Bereichs Elbaue / Mulde / Untere Weiße Elster, erläutert den Grund: „Die Mulde gehört zu den schnellsten Flüssen in unserem Bereich mit. Die Vorwarnzeit vom Einsetzen eines Unwetters bis zum Hochwassers liegt bei lediglich vier Stunden.“

So schnell könne niemand schweres Gerät koordiniert vor Ort bringen, um mit einem Eingriff in den Deich die gewünschte Entlastung herbeizuführen. Die Entscheidung fiel für Deichüberfahrten, eine für die durch den Ort führende Kreisstraße, eine zweite an der Hochwasserschutzmauer im Bereich der Wasserkraftanlage. Droht Hochwasser, können Dorfbewohner sich und ihre wichtigste in Sicherheit bringen. So viel zum Falle „Was wäre wenn“, der möglichst nicht oder mindestens nicht so bald wieder eintreten solle. Darüber waren sich die Gäste bei der offiziellen Freigabe einig, die sich mit Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) in Klosterbuch versammelten.

Kein Flutschutz für das Kloster

„Erstmals in seiner 800-jährigen Geschichte kann Klosterbuch vor einem Hochwasserereignis der Freiberger Mulde geschützt werden, wie es statistisch bisher einmal in hundert Jahren eintreten und bis zu zwei Meter hohe Überschwemmungen verursachen kann“, heißt es in der Pressemitteilung vom Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Das Kloster ist aus Gründen des Denkmalschutzes sowie archäologischer Relevanz jedoch nicht in den Überschwemmungsschutz inbegriffen. Minister Thomas Schmidt vergaß nicht, sich bei der Bürgerinitiative sowie dem Förderverein Kloster Buch zu bedanken, die sich für den Hochwasserschutz engagierten beziehungsweise in vielfältiger Weise für die Entwicklung des Ortes einsetzen. Begrünt wurden die Deiche mit einer speziellen, in Klosterbuch entwickelten beziehungsweise gesammelten Grassamenmischung

Von Steffi Robak

25.04.2019
25.04.2019
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