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Döbeln Fünf Straftaten an einem Tag – Harthaer kommt mit blauem Auge davon
Region Döbeln Fünf Straftaten an einem Tag – Harthaer kommt mit blauem Auge davon
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17:05 25.03.2019
Verhandlung am Döbelner Amtsgericht
Verhandlung am Döbelner Amtsgericht Quelle: (Archiv) Wolfgang Sens
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Hartha

Das Verlesen der Anklageschrift dauert an diesem Montagmittag lange. Der Staatsanwalt mühte sich durch eine lange Liste von Vergehen, die der Angeklagte auf dem Kerbholz haben soll. Ein wenig belustigt und zur selben Zeit verlegen, hört der junge Wendishainer zu, als ihm das Fahren ohne Fahrerlaubnis, Kennzeichenmissbrauch, die unerlaubte Nutzung eines Fahrzeuges ohne Haftpflichtversicherung, Urkundenfälschung und zu guter Letzt die Zulassens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis vorgeworfen wurden. Verstöße in Serie, für die der damals 19-Jährige lediglich einen einzigen Sommertag brauchte. Eigentlich, beteuerte er im Laufe der Verhandlung, wollte er an dem Fahrzeug nur herumbasteln und es fit fürs Stock-Car-Rennen machen. Es kam anders.

Nummernschild aus Pappe

50 Euro blechte der Wendishainer am 22. Juni 2018 für den VW Polo. Zusammen mit einem Kumpel holte er das Auto aus Wallbach. Dass er keine Fahrerlaubnis hatte, schmälerte offenbar nicht seine Auffassung, Herr über das Lenkrad zu sein. Zuvor montierte er noch ein Nummernschild Marke Eigenbau an das nicht versicherte Modell. Auf die Richter-Schelte, dass schon auf dieser kurzen Strecke etwas hätte passieren können, antwortete er schmallippig: „Ist ja alles gut gegangen.“ Des öfteren wirkt der Angeklagte in der Verhandlung so, als wäre er kaum da, als wüsste er nicht so recht, was er da eigentlich angestellt hat. Mit ein Grund dafür, warum er am Ende nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wurde.

„Dachte, dass sie 18 ist“

Später traf sich der Wendishainer mit einer jungen Frau in Hartha. Dort ging das Gesetze brechen munter weiter. Sie, dem Gericht nicht unbekannt, fuhr mit dem Angeklagten Richtung Mügeln. Er auf dem Beifahrersitz. Dass die junge Frau, die für diesen Strafbestand bereits gesondert verfolgt wird, selbst keine Fahrerlaubnis hat, wäre ihm nicht klar gewesen. „Ich dachte, dass sie 18 ist.“ Gefragt habe er nicht. Vor Ort schraubte er kurzerhand das Kennzeichen von einem Suzuki und montierte es am Polo. Die selbstgebastelte Kennung lag derweil schon wieder daheim. Von Mügeln setzte sich die Fahrt in Richtung Döbeln fort, die gesondert verfolgte junge Frau immer noch hinterm Steuer. Und dann passierte es. Sie baute einen Unfall. Der Richter zeigte zum Schluss Bilder des derangierten Fahrzeugs. Als es die Polizei fand, stand es mitten im Wald – ohne Kennzeichen.

Verkehrserziehung und Arbeitsstunden

Ein Tag, fünf Vergehen. „Wie kommt man dazu, vor allem wenn man vorher nie auffällig geworden ist?“, fragte Richter Lutz Kermes. „Sie haben es bisher so gut geschafft, trotz ihrer Brüche in der Biografie.“ Der Wendishainer hat einen Förderschulabschluss, war für einige Zeit in einer Leiharbeitsfirma und ist jetzt arbeitslos. Bekommt keine staatliche Hilfe und lebt seit kurzem wieder bei seinem Eltern. Dass er von Anfang an geständig war und nicht vorbestraft, berücksichtigte der Richter in seinem Urteil. 50 Stunden gemeinnützige Arbeit in drei Monaten. Dazu noch eine Maßnahme zur Verkehrserziehung „Damit sie auch wirklich verstehen, wofür all diese Regeln gut sind, die Sie so leichtfertig gebrochen haben“, endete der Richter.

Von Lisa Schliep