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Döbeln Galerie für Resozialisierung durch Kunst und Kultur eröffnet
Region Döbeln Galerie für Resozialisierung durch Kunst und Kultur eröffnet
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16:39 19.09.2018
Ingo Ließke, Klarinettistin Anja Bachmann, François Maher Presley und Sachsens Linken-Vize Dr. Jana Pinka (v.l.) neben dem detaillierten Dampfbus-Modell.
Ingo Ließke, Klarinettistin Anja Bachmann, François Maher Presley und Sachsens Linken-Vize Dr. Jana Pinka (v.l.) neben dem detaillierten Dampfbus-Modell. Quelle: Sven Bartsch
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Waldheim

Die François Maher Presley Stiftung für Kunst und Kultur befindet sich in Waldheim gewissermaßen auf Expansionskurs. Denn seit dieser Woche gibt es in der Schlossstraße eine zweite Stiftungsgalerie neben den bereits etablierten Räumen.

Kunst von Inhaftierten

„Das ist die erste Galerie in der Bundesrepublik Deutschland, die sich ausschließlich der Kunst und den Modellen von Inhaftierten widmet“, betonte Stiftungsgründer François Maher Presley zur Eröffnungsveranstaltung am Dienstagabend. „Resozialisierung durch Kunst und Kultur“ lautet das Oberthema der neuen Galerie. Gefüllt sind die neuen Räume ab sofort unter anderem mit Gedichten und Gemälden, die allesamt im Rahmen von Resozialisierungsmaßnahmen und Therapien im Strafvollzug entstanden sind. Besondere Blickfänge sind die beeindruckenden Modelle, die unweit der Schlossstraße unter der ehrenamtlichen Regie von Ingo Ließke, der in Waldheim die Stiftungsgalerien betreut, in der Modellbaugruppe der Justizvollzugsanstalt Waldheim entstanden sind – vom tatsächlich funktionierenden Dampfbus über eine Feldschmiede mit Pferdegespann bis hin zur französischen Feldkanone sowie einer Waldeisenbahn.

Flucht aus dem Gefängnisalltag

„Diese Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil, um die Gefangenen auf einen besseren Weg zu bringen“, unterstrich Ingo Ließke zur Eröffnung. Angebote wie die Modellbaugruppe seien für die Inhaftierten nicht nur eine Chance, dem Gefängnisalltag zu entfliehen, sondern auch, sich selbst zu verwirklichen. „Und in der JVA freut man sich, dass diese Arbeit nun so gewürdigt und nach außen getragen wird“, berichtete Ließke.

Verliebt in einen Dampfbus

François Maher Presley zeigte sich regelrecht verliebt – und zwar in das detailgetreue Modell des Scotte Dampfbusses, an denen die Gruppe in der JVA Waldheim mehr als drei Jahre werkelte. „So eine Handarbeit bekommt man heutzutage so bei keinem deutschen Handwerker mehr“. Unübersehbar steht der prächtige Nachbau unter Glas inmitten der neuen Räume. „Eigentlich haben wir die zweite Galerie nur gebaut, damit ich dieses Modell bekomme“, scherzte der Stiftungsgründer. Doch dem liegt ein ernster Gedanke und eine tiefe Überzeugung zugrunde. „Die Rückfallquote von Gewalttätern ist relativ gering“, erklärte Presley. „Das liegt auch zum Teil an der Kunsttherapie.“ Dadurch lernten die Inhaftierten nicht nur, aus sich herauszugehen, sondern sich auch damit auseinanderzusetzen, wer man selbst und sein Gegenüber ist.

Thema bleibt, Exponate wechseln

Die thematische Kulisse der Ausstellung wird bleiben. Angedacht ist jedoch, immer wieder neue Exponate in die Schlossstraße zu bringen. „Für die Inhaftierten ist das eine Möglichkeit nach außen zu sagen: Hier drinnen gibt es noch welche, die auch etwas schaffen wollen.“

Von André Pitz