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Döbeln Ins Atelier geschaut: Dörner und die Kunst
Region Döbeln Ins Atelier geschaut: Dörner und die Kunst
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15:03 01.12.2018
Gerhard „Vinni“ Dörner nennt die Richard-Wagner-Straße seit November letztens Jahres sein neues künstlerisches Heim. Hier verbringt er den großen Teil seines Tages. Quelle: Sven Bartsch
Hartha

 Gerhard Dörner ist Künstler. Wenn man ihn fragt, was auf dem Weg dahin alles passiert ist, lächelt er nur und sagt: „Jetzt bin ich, was ich bin. Das zählt.“ In seinen 25 Jahren als freier Kunstschaffender legte er so manches Gewand an und nicht mehr ab. Ob als Illustrator, Maler, Grafiker oder Performance-Künstler – der 64-Jährige kann sich in der Rückschau vor allem eines nicht vorwerfen: Etwas nicht ausprobiert zu haben. In seiner Heimat im Städtedreieck ist er bekannt wie ein bunter Hund. „Unseren Künstler“ nennen ihn die Harthaer liebevoll.

Kunst nach Maß

Dörner musste seinen kreativen Ankerpunkt schon des Öfteren verlassen. Ein Umzugsprofi wird aus ihm trotzdem nicht. Seit Herbst 2017 nennt er das ehemalige polytechnische Institut in der Richard-Wagner-Straße seine nicht mehr ganz so neue kreative Mitte. Noch immer schiebt er Sachen von A nach B. Nicht leicht ein ganzes halbes Künstlerleben neu zu arrangieren. Schließlich geht es auch um Atmosphäre. In seinem Atelier in den ehemaligen Hausschuhwerken hatte der Maler noch mehr Platz. Vor allem seine kleine Bühne für Performance-Kunst vermisst der Harthaer. Im neuen Domizil musste er Teile seiner Kunst den neuen Räumlichkeiten anpassen. „Die Kunst durfte nur so groß sein wie der Eingang“, erzählt Dörner während seine Hand über die Oberfläche etlicher meter hoher Leinwände streicht. Die Fünf-Meter-Kolosse waren eigentlich mal eins, auf ihnen prangern riesige bunte Chamäleons. Um die Großleinwände unter zu bekommen, musste er sie dreiteilen. Seine Werke warten darauf, einen neuen Platz in einer Ausstellung zu bekommen, solange umringen sie ihn bei der Arbeit. Eine künstlerische Atmosphäre par exellence, die sich ein Laie kaum schöner im Kopf malen könnte.

Am liebsten malt der Harthaer Künstler mit Acrylfarbe. Keine von ihnen kommt jedoch im Rohzustand auf die Leinwand –Mischen ist Ehrensache. Quelle: Lisa Schliep

Ästhetik und Philosophie

Dörner teilt sein Wirken selbst in zwei Phasen. Am Anfang standen die abstrakten Arbeiten. Hier kam es dem Tausendsassa vor allem auf die Ästhetik an – das Spiel mit Formen, Farbe und Strukturen. „Malerei als ein Aufbringen von Farbe“ resümiert er seine Gedanken mit einem beiläufigem Nicken. Das andere ist die Philosophie. Sie bestimmt Dörners späteren Werke maßgeblich. Damit meint er das Implizite, das ihn an der Kunst reizt. Die Mehrdimensionalität von Bedeutung. „Frag den Künstler nach dem Titel seines Bildes und er rollt mit den Augen“, sagt er und erklärt, dass es nicht darum ginge, etwas einen festgeschriebenen Inhalt zu geben.

Tierliebe als Inspiration

Für den 64-Jährigen bedeutet Kunst auch ein stetigen Balanceakt. Da sind die Auftragsarbeiten, jene Werke, die ihm sicher die Brötchen bringen. Er erinnert sich zum Beispiel an das große Ölbild der Harthaer Stadthorizontes im ehemaligen Flemmingener Hof, der seit Anfang diesen Jahres dicht ist. Sein eigentlicher Lohn aber seien die persönlichen Spielräume, die er dadurch schafft. „Außerdem ist es immer ein wunderbares Austesten meiner eigenen Fähigkeiten. Was kann ich alles und wo stoße ich vielleicht an Grenzen?“ Dann gibt es den Teil, über den ein jedes Künstler-Herz sich definiert und dessen Muse, die bei weitem prachtvollere und leidenschaftlichere ist: das Eigene. „Ich möchte mit meiner Kunst etwas bewegen. Einen Denkanstoß geben. Meine eigenen Träume und Visionen festhalten.“ In den letzten Jahren beschäftigte er sich viel mit dem Umgang des Menschen mit Tieren. Er und seine Frau sind seit Jahren im Tierschutz aktiv und haben schier grenzenlosen Platz für jedes tierische Geschöpf in ihrem Herzen. Ihre eigene Hündin haben sie aus Rumänien gerettet. Für ihn ist der Wert tierischen Lebens ein hohes Gut. Eines das in Zeiten von gewinnorientierter Massentierhaltung mit Füßen getreten wird. Je länger er darüber spricht, desto mehr fehlen ihm die Worte. Er wirkt nachdenklich. Über Kunst zu kommunizieren, fällt ihm leichter.

Der erste Pinselstrich ist bei jedem seiner Werke wie das erste Saiten zupfen eines Musikers. Am Anfang steht die Kontrolle. „Je mehr du im Prozess drinsteckst, desto impulsiver und freier wirst du, bis du gar nicht mehr nachdenkst.“ Das Malen ist für Dörner eine Reproduktion von Gedanken, etwas abstraktes. Einmal habe er geträumt, dass er die Gravitation außer Kraft setzt und bis über die Dächer springen könnte. Sein Werk „Sekunde der Stille“ manifestiert diesen Wunsch auf Leinwand.

Von Lisa Schliep

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