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Döbeln Geschüttelt, nicht gerührt – Roboter mischt jetzt Kläranlage Döbeln-Masten auf
Region Döbeln Geschüttelt, nicht gerührt – Roboter mischt jetzt Kläranlage Döbeln-Masten auf
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14:01 01.09.2019
Abwasseraufbereitung ist Biologie und Chemie: Fachkraft Tim Helm (l.) und Gruppenleiter Sebastian Simon entnehmen die fertig analysierten Küvetten aus dem Analyseroboter. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Der neue Kollege im erst zu Jahresbeginn neu eingerichteten Labor der Kläranlage Döbeln-Masten ist ein extrem fleißiger Laborant. Den ganzen Tag lang tröpfelt er Flüssigkeiten in kleine Röhrchen, schraubt weiße, blaue, grüne, rote oder türkisfarbene Deckelchen darauf. Er schüttelt die Röhrchen, kocht sie auf und schreibt danach Analysen. 120 bis 140 solcher Bestimmungen schafft der Kollege AP 3900, so sein Name, an einem Arbeitstag. Da können die menschlichen Kollegen des Analyseroboters nicht mithalten. So viele fehlerfreie Analysen in acht Stunden würden Abwasserfachmann Tim Helm (21) und Laborantin Kerstin Pocher (59) selbst in der doppelten Arbeitszeit nur schwer per Hand bewältigen. Beide können sich nun um andere Laboraufgaben parallel kümmern.

Gemeinsam mit dem Roboterkollegen überprüfen sie genau, welches Abwasser auf der einen Seite in die Döbelner Kläranlage fließt und wie sauber es am Ende aus der Kläranlage in die Mulde eingeleitet wird.

Für 42.000 Einwohnerwerte ist die Kläranlage Döbeln-Masten ausgerichtet. Konkret heißt das: Die Abwasser von 35.000 bis 40.000 Einwohnerwerten fließen täglich nach Döbeln-Masten. Neben den etwa 25.000 Döbelner Einwohnern werden auch die Abwässer der Unternehmen der Region in Einwohnerwerten ausgedrückt.

„Wir haben hier in Döbeln-Masten von der Kapazität her noch ein bisschen Luft für weitere Entwicklungen in der Region Döbeln“, weiß Sebastian Simon, Gruppenleiter Abwasser bei der Veolia in Döbeln. Der 27-Jährige hat nach seiner Meisterausbildung noch eine Ausbildung zum geprüften technischen Betriebswirt angeschlossen. Mit dem Roboterkollegen im Labor ist Sebastian Simon sozusagen per Du. Kollege AP 3900 ist irgendwie auch sein Baby. Denn das neue Labor und das Einführen des Analyseroboters war das Thema seiner Facharbeit.

Der Analyseroboter misst, wertet aus und schafft 120 Proben am Tag. Quelle: Sven Bartsch

Das neue Labor befindet sich in einem Gebäude auf dem Gelände der Kläranlage. Parallel bauen der Abwasserzweckverband Döbeln-Jahnatal und die Veolia als Anlagenbetreiber gerade das benachbarte Betriebsgebäude um. Hier werden künftig alle Mitarbeiter des Abwasserbereichs der Niederlassung Döbeln ihren Sitz haben. In der Döbelner Bahnhofstraße sind dann noch die Verwaltung und der Bereich Trinkwasser ansässig. 120.000 Euro werden deshalb gerade in den Umbau und die Anschaffung des Analyseroboters investiert. Ein Viertel der Investitionen trägt der Abwasserzweckverband, den Rest die Veolia.

Doch im neuen Labor werden keineswegs nur die eingehenden Abwässer und das geklärte Abwasser der Döbelner-Kläranlage turnusmäßig untersucht. Kerstin Pocher, Tim Helm und ihr elektronischer Kollege bekommen täglich Proben aus 49 Kläranlagen des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain, aus zehn Kläranlagen der Abwasserzweckverbandes Döbeln-Jahnatal, aus 14 Anlagen im Oberen Döllnitztal aus Mügeln und Wermsdorf sowie aus dem an Nordsachsen angrenzenden Teil Brandenburgs.

Kerstin Pocher und Tim Helm bereiten die Proben aus den Kläranlagen für die Analyse vor. Quelle: Sven Bartsch

In Kunststoffflaschen kommen die nummerierten Proben an, werden in kleinen Röhrchen aufgemischt. Der Analyseroboter ist dann mit sogenannten Küvetten mit farbigen Verschlüssen bestückt. Diese kleinen Reagenzgläschen enthalten verschiedene Reaktionslösungen. Der Roboter bestückt sie mit Tröpfchen aus dem Kläranlagenwasser, schraubt diese Küvetten zu, schüttelt diese und wertet die Verfärbung der Flüssigkeit mit Hilfe von Lichtwellen aus, um die Konzentration verschiedener Stoffe zu messen. Diese Anteile an Ammonium, Nitrat, Nitrit und der Chemische Sauerstoffbedarf geben letztlich Auskunft über die Qualität der Abwasserreinigung und liefern die Daten für das Regeln der Anlage durch den Klärwärter. Chemischer Sauerstoffbedarf ist eine Art Maßeinheit für die Schadstoffbelastung des Abwassers.

4.500 Kubikmeter Abwasser kommen an einem durchschnittlichen Sommertag an der Kläranlage Döbeln-Masten an. Das Döbelner Netz ist ein Mischwasserkanalnetz. Das heißt bei Regen oder der Schneeschmelze kommt mehr Wasser an. Mit einer mechanischen Reinigung werden zunächst feste Bestandteile vorgeklärt. An dieser Stelle wettert Gruppenleiter Sebastian Simon über feuchte Toilettentücher. „Die gehören wie Kosmetiktücher in den Mülleimer nicht in die Kloschüssel. Denn sie zerfallen nicht wie normales Toilettenpapier, sondern verfitzen sich zu meterlangen Zöpfen die dann unsere Pumpen beschädigen“, sagt er. Feste Anteile des Abwassers werden ansonsten nach einer Probennahme durch externe Labors später als Klärschlamm verheizt.

Frisch geschüttelt, nicht gerührt. Die Eingangsproben aus den Kläranlagen in Bad Lausick, Mügeln oder Ostrau. Quelle: Sven Bartsch

Das Abwasser selbst landet im Reaktorbehälter. „Hier werden wir Abwasserspezialisten zu Kleintierpflegern“, sagt Tim Helm und man merkt, dass er die Fächer Bio und Chemie in der Schule mochte. Durch die Zugabe von Sauerstoff werden im Reaktor kleine Mikroorganismen wachgeküsst. Die fressen die Schadstoffe und wandeln Ammonium zu Nitrat und Nitrit um. In einer zweiten Phase wird der Sauerstoff im Reaktor entzogen und die Tierchen sind gezwungen, den Sauerstoff aus dem NO² zu naschen. Was bleibt ist ungefährlicher Stickstoff, der in die Luft entweichen kann. Mit ähnlichen biochemischen Prozessen werden alle Schadstoffe aus dem Abwasser herausgefiltert.

Gereinigtes Abwasser fließt in die Mulde

Am Ende fließt zwar am Auslauf der Kläranlage kein Trinkwasser in die Mulde. Doch das gereinigte Abwasser kommt dem normalen Flusswasser sehr nahe. „Das nehmen wir bei unseren Messungen und Analysen extrem genau“, sagt Sebastian Simon. Die Landesdirektion kann das auch jederzeit unangekündigt kontrollieren. „Das ist für uns Laboranten der Kläranlage so etwas, wie eine Steuerprüfung des Finanzamtes für einen Buchhalter“, sagt Kerstin Pocher.

Und warum schäumt das gereinigte Abwasser der Kläranlage Döbeln-Masten dann dennoch am Auslauf in die Mulde? „Das ist Physik. Durch die Kaskadenwirkung am Auslauf kommt durch die Verwirbelung viel Sauerstoff ins Wasser und sorgt für die Blasenbildung“, erklärt Gruppenleiter Sebastian Simon. „Dass das gereinigte Abwasser guten Gewissens in den Fluss geleitet werden kann, darauf passen wir und unser neuer Roboterkollege auf. Ganz sicher.“

Von Thomas Sparrer

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