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Döbeln Großweitzschener wehrt sich gegen Polizisten und kriegt Bewährung
Region Döbeln Großweitzschener wehrt sich gegen Polizisten und kriegt Bewährung
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14:59 12.04.2019
Weil er mit der Reichsbürgermasche auffiel und sich gegen Polizisten wehrte, landete ein Großweitzschener auf der Anklagebank. Quelle: Archiv
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Döbeln/Großweitzschen

Gebracht hat das alles nichts. „Das ist eine Luftnummer“, zeigte sich ein Großweitzschener im Amtsgericht Döbeln am Donnerstag einsichtig. Er hatte versucht, zwei Justizmitarbeiter zu nötigen. Indem er ihnen Schreiben des Gerichtshofes der Menschen schickte. Diese drohten unter anderem ein Pfandrecht von 500.000 Euro an, sollten die Justizmitarbeiter nicht in seinem Sinne handeln. Das ist eine beliebte Masche der Reichsbürger. Der Gerichtshof der Menschen ist auch das Projekt eines solchen: Serdar Sürmeli, ein Deutschtürke und Reichsbürger.

Urteil angenommen

Außerdem lag dem Mann noch zur Last, sich am 19. November 2018 gegen Polizisten gewehrt zu haben. Diese wollten mehrere Haftbefehle vollstrecken. Zunächst telefonierte er ewig lange mit dem Gerichtshof der Menschen. „Er wurde dabei zunehmend aggressiver“, schilderte ein Polizeihauptkommissar als Zeuge. Die Beamten mussten körperlichen Zwang anwenden, um den Großweitzschener zu verhaften. Dabei setzte eine Polizistin Pfefferspray ein und erwischte versehentlich auch ihren Kollegen und sich selbst. Der Angeklagte dagegen behauptete, die Polizisten hätten ihn geschlagen und er habe keinen Widerstand geleistet.

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Das Urteil nahm er dann aber doch an. Zehn Monate Haft mit Bewährung wegen des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und die versuchte Nötigung der Justizmitarbeiter. Diese Entscheidung ist eine Gesamtstrafe, in der viele Geldstrafen mit aufgehen, die der Mann nun nicht mehr zu bezahlen, abarbeiten oder abzusitzen braucht. „Ich kann ich sowieso nicht bezahlen“, hatte der 61-Jährige erklärt und durchblicken lassen, dass er auf Bewährung aus ist.

Zwei Jahre Bewährung

Die 30 Tagessätze Geldstrafe für eine Fahrerflucht hat er abgesessen. Offen waren noch Geldstrafen für das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und versuchter Nötigung. Der Großweitzschener hatte in einem sozialen Netzwerk im Internet an einem 20. April Bilder von Hitler veröffentlicht und dort auch das Bild eines SS-Mannes mit der Bildunterschrift „Liebe Flüchtlinge, an dieser Mütze erkennt ihr euren Sachbearbeiter“ gezeigt. Zudem hatte er versucht, Strafrichter Janko Ehrlich mit Reichsbürger-Schreiben zu nötigen, ein Bußgeldverfahren einzustellen.

„Man hat den Eindruck, dass Sie sich geändert haben. Sie haben auch mitbekommen, das alles auf Sie zurück kommt“, sagte Richterin Fahlberg, als sie das Urteil begründete. „Jetzt darf bei Ihnen nichts mehr vorfallen mit Reichsbürgern und Nazikram“, setzte ihm die Vorsitzende auseinander, was Bewährung bedeutet. Die Probezeit dauert zwei Jahre. 60 Stunden gemeinnützig arbeiten soll der Mann ebenfalls. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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