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Döbeln Großweitzschens Schulleiterin Anita Reppe verabschiedet sich in den Ruhestand
Region Döbeln Großweitzschens Schulleiterin Anita Reppe verabschiedet sich in den Ruhestand
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15:16 04.07.2019
Großweitzschens Schulleiterin Anita Reppe musiziert noch einmal für ihre Schulkinder. Quelle: Sven Bartsch
Grossweitzschen

Anita Reppe ist eine Institution an der Großweitzschener Grundschule. Nach 46 Jahren ist für sie jedoch Schluss: Der Freitag ist nicht nur der letzte Schultag vor den Ferien sondern auch ihr letzter Arbeitstag. Warum die 66-Jährige lieber noch geblieben wäre, wieso sie sich trotzdem auf den Ruhestand freut und was sie ihrer bislang noch nicht benannten Nachfolgerin wünscht, erzählt sie im DAZ-Interview.

Frau Reppe, die letzte Schulwoche ist fast vorbei, freuen Sie sich schon auf Freitagnachmittag?

Anita Reppe: Ich freue mich nicht, ich falle da eher aus dem Rahmen (lacht). Aber im Ernst: Ich habe ja nun schon ein Jahr länger gemacht, weil ich es mir letztes Jahr noch nicht vorstellen konnte, aufzuhören. Jetzt ist tatsächlich Schluss und das ist auch gut so. Ich möchte nur dieses Abschiednehmen nicht. Es reicht schon, wenn man am letzten Schultag weint.

Woher kommt diese enge Verbundenheit zur Großweitzschener Schule und zur Arbeit hier?

Ich bin seit 1973 an der Schule und habe nie gewechselt. Mit 21 Jahren habe ich damals an der Polytechnischen Oberschule, die sie hier war, bis zur zehnten Klasse Musik unterrichtet. Und die Schüler waren 16. Ich war also für sie eher sowas wie ein Kumpel. Trotzdem waren sie damals nicht undiszipliniert. Im Gegenteil: Wenn ich Kohle nach Hause geliefert bekam, waren die Zehntklässler da und haben mir geholfen.

Ihre frühere Ostrauer Kollegin Ingrid Przewloka ist vor einem Jahr in den Ruhestand gegangen und scheint diesen zu genießen. Fragt man da mal nach, wie es sich so lebt als Rentnerin?

Wir sind ja ein Jahrgang und haben am Institut für Lehrerbildung in Leipzig sogar in einem Zimmer gelebt. Sie sagt mir immer wie schön es ist, wenn man morgens aufwacht und da kommt nichts. Aber mit diesen Kindern könnte ich noch fünf Jahre weitermachen. Sie kommen früh in die Schule und lachen schon – da läuft der Tag. Zudem habe ich an dieser Schule mit diesem Kollegium viele positive Erfahrungen gemacht. Das findet man nicht überall.

Wie kam es, dass Sie Grundschulleiterin wurden?

1992 wurde das Schulhaus in Grund- und Oberschule geteilt und ich wurde gefragt, ob ich die Grundschule übernehmen will. Ich hatte schon immer eine ganze Bandbreite an Schülern, habe Deutsch, Musik und Sachkunde unterrichtet. Mit den Kleinen redet man mehr, da ist das Wissen noch nicht so da und man muss Rituale einhalten. Ich war immer mit allen Schülern in Kontakt. Damals waren es noch 2010, heute sind es noch 91.

Gibt es denn noch Kontakt zu ehemaligen Schülern?

Als Glücksmoment kommt für mich zurück, wenn Eltern mich nach Jahren noch ansprechen und sagen, aus meinem Kleinen ist etwas geworden. Wenn alle Schüler mal da wären, die man je unterrichtet hat – das müssen weit über 1000 sein. Da müsste man ein Buch drüber schreiben, was man alles erlebt hat. Früher bin ich in den großen Ferien mit den Schülern sogar, zwei, drei oder vier Wochen an der Ostsee gewesen.

Die Schüler sind toll, die Kollegen auch – wie ist es mit der Schule selbst?

Das Schulgrundstück ist einmalig mit seiner Größe und dem Verkehrsgarten davor. Die Hochbeete hinten wollen wir wieder bewirtschaften, aber noch fehlt die Erde. Von außen ist das Gebäude gut in Schuss, aber von innen bedarf es dringend der Renovierung der Klassenräume. Schon zur letzten Bürgermeisterwahl haben wir alles gemeinsam angesehen, aber es ist nichts passiert seither.

In der Gemeindeverwaltung hat sich in den letzten beiden Jahren einiges geändert. Wie ist die Zusammenarbeit aktuell?

Sie könnte besser sein. Gerade im letzten Jahr haben wir nicht viel erreicht.

Wo liegen aktuell die Bedürfnisse der Schule aus Ihrer Sicht?

In den Klassenräumen müsste ein Turnus eingeführt werden, nachdem saniert wird. Türrahmen, Waschbecken und andere Ecken – das sind Schandflecke, dort sieht es schlimm aus. Auch im Keller: Der linke Aufgang wurde saniert, der rechte nicht. Und leider reichen unsere Hortplätze nicht mehr aus. Für uns ist das bitter, weil wir den Eltern absagen müssen. Wir hatten für das neue Schuljahr schon drei Anmeldungen von außen – aktuell konnten wir nur zwei bestätigen. Dabei hätten wir einen Raum frei in der Schule, aber es fehlt ein Erzieher.

Ihre Nachfolge wurde noch nicht offiziell bekannt gegeben. Können Sie ihr oder ihm dennoch Tipps geben, worauf zu achten ist?

Sie oder er sollte in jedem Fall die Transparenz zu den Eltern beibehalten. Wir führen hier mit ihnen Gespräche auf Augenhöhe und daher haben sie das Vertrauen zu uns, dass sie mit ihren Problemen herkommen können. Außerdem sollte die unheimlich gute Zusammenarbeit mit dem Schulverein beibehalten werden. Es ist einfach nur klasse, wie die Mitglieder uns bei Festlichkeiten und vielen anderen Dingen unterstützen. Und wir haben einen hervorragenden Kontakt zur Oberschule Leisnig, in die viele unserer Kinder gehen.

Nun können Sie sich gegen die Rente ja nicht mehr wehren – gibt es vielleicht doch etwas, worauf Sie sich freuen?

Natürlich – ich freue mich auf lange schlafen und in aller Ruhe frühstücken, was bislang nur ein Ritual an den Wochenenden ist. Unsere Berner Sennenhündin Raya ist außerdem ein Labsal für meine Seele, mit der ich nun mehr zeit verbringen kann und unser Grundstück ist auch relativ umfangreich. Und ich hoffe, dass ich meine vielen Bücher, die ich jahrelang nicht angerührt habe, mal lesen kann. Reisen tue ich nicht allzu gerne, da ich Flugangst habe, aber ich will dennoch die Zeit auch außerhalb der Ferien nutzen um mit Freunden Urlaub zu machen, die schon Rentner sind und bisher auf uns Rücksicht genommen haben.

Bei Ihrer Energie – wäre auch ein Ehrenamt im Ruhestand denkbar?

Was ich mir vorstellen könnte, wäre als Grünkittel im Krankenhaus zu arbeiten. Das werde ich mir ansehen. Außerdem geht ja mein Tanzkurs hier in der Schule weiter mit den Zschaitzer Linedancern. Und mein Mann ist als Projektmanager am Bau in ganz Deutschland unterwegs. Da kann ich künftig zu Hause die Ruhe bewahren und ihm den Rücken frei halten, wenn er gestresst nach Hause kommt.

Von Sebastian Fink

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