Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Gut Gödelitz: Vortrag über das Wohnen in der Großstadt
Region Döbeln Gut Gödelitz: Vortrag über das Wohnen in der Großstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:03 18.03.2019
Probleme der Großstadt: Dr. Andrej Holm hielt am Samstagabend einen Vortrag über die desolate Wohnsituation in Berlin. Quelle: Lisa Schliep
Gut Gödelitz

Beide haben sie ihre Heimat zum Thema gemacht. Orte, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Am Samstagabend kamen in der Alten Schäferei auf Gut Gödelitz gleich zwei Veranstaltungen zusammen. Der Leisniger Maler Karlheinz Münzner eröffnete seine Bilder- und Grafikausstellung „Häuserlandschaften“ und Städtebauexperte Dr. Andrej Holm referierte über die Wohnungspolitik in Ballungszentren am Beispiel Berlin. Während der Künstler gegen das Vergessen des ländlichen Raums malt, zeichnet der Sozialwissenschaftler ein Bild seiner Wahlheimat, das geprägt ist von sozialen Ungleichheiten. Er brachte eine Studie mit, die offenbarte, was es bedeutet, sich Wohnen in der Hauptstadt leisten zu können.

Kein Platz für kleine Wohnungen

Holm lehrt an der Humboldt Universität Berlin. Seine Schwerpunkte: Gentrifizierung und europäische Stadt- und Wohnungspolitik. An diesem Abend spricht er vor allem über den sozialen Wohnungsbau, Verdrängungsstrategien von Eigentümern und die Rolle des Staates. Der Saal ist voll – auch wenn das Problem der Metropolen im Altkreis wohl eher eines ist, das befremdet. Zusammen mit der Hans-Böckler-Stiftung erhob Holm Daten in 77 deutschen Großstädten. Eine der eindrücklichsten Grafiken zeigte auf, wie stark das Einkommen die Wohnverhältnisse bestimmt und andersherum die Miete Gehälter frisst. „Der Anteil des Einkommens für die Miete sollte nicht die 30 Prozent übersteigen“, so der Experte. Seine Ergebnisse reichen bis weit über die 50 Prozent Marke. Er vergleicht beispielhaft die Chancen einer alleinerziehenden Mutter mit einem kinderlosen Lehrer-Paar – ein Unterschied, der nur schwerlich überrascht, dennoch aber das Problem offenbart. Single zu sein, ergänzt er, sei fatal und gleichzeitig ein wachsendes Phänomen, „die Gesellschaft versingled“. Doch auf 50 Prozent Alleinlebende käme gerade mal 18 Prozent verfügbarer Wohnraum.

Die Dreistigkeit der Profitgeier

Später berichtet er darüber, wie Eigentümer es schaffen, Mieter aus ihren Wohnungen zu jagen. Von der aufgezwungenen energetischen Sanierung über absurde Kündigungsklagen zeichnet er das Bild eines Marktes, der sich immer mehr zu entmenschlichen scheint. „Im Prenzlauer Berg, ein Stadtteil von Berlin, bekamen Mieter eine Klage wegen unerlaubter Bestuhlung auf den Balkonen.“ Ein bitteres Lachen geht durchs Publikum. Geld schlägt Mieterrecht.

Sozialen Wohnungsbau verschlafen

Und Geld schlägt Bedarf. Seit den 1970er Jahren baut das Land kontinuierlich sozialen Wohnraum zurück. Deutschland ist das einzige Land europaweit, dass das soziale Bauen immer als zeitlich limitiertes Projekt begriffen hat. Heute fehlen dadurch, folgt man Holms, 1,9 Millionen Wohnungen. „Das ist deutlich mehr als gebaut werden muss. Das Sozialwohnungsproblem ist größer als das Neubauproblem.“ Immer wieder spricht er von der Blindheit des Marktes und der lobbyfreundlichen Politik der Regierung, die „lieber kontinuierlich das Wohngeld erhöht und Bauland freigibt, als den eigentlich Bedarf zu erkennen.“ Die Wut der Menschen wachse, so Holm. Es formiert sich Widerstand, gegen das Außen-vor-sein in der Stadt, die man sein Zuhause nennt.

Von Lisa Schliep

Ein Quartett aus der Stiefelstadt läuft mit einer 46-köpfiger Gruppe aus Sachsen im internationalen Feuerwehrblock mit auf der 5th Avenue.

17.03.2019

Die Flimmerstunde in Roßweins Bürgerhaus war nicht so erfolgreich, wie erhofft. Trotzdem bekommt das Projekt immer mehr Zuspruch. Mehr Zeit und ein klareres Profil sollen den Rest erledigen.

17.03.2019

Monika Brozowski ist gebürtige Österreicherin, lebt in Radebeul und bepackt von dort aus jede Woche ihren Wagen über und über mit reichlich Fuß- und Beinkleid. Ihr gehört das Sockenparadies, das sie vor Jahrzehnten mit großen Visionen, zusammen mit ihrem Mann, beerbte. Ihre Waren bietet sie auch auf dem Döbelner Wochenmarkt an.

17.03.2019