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Döbeln Gutachten rechnet mit 900 Fahrgästen am Tag auf Bahnstrecke Döbeln-Dresden
Region Döbeln Gutachten rechnet mit 900 Fahrgästen am Tag auf Bahnstrecke Döbeln-Dresden
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16:34 17.07.2019
Es wird noch einige Zeit dauern, bis am Döbelner Bahnhof Zentrum wieder Züge rollen. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Insgesamt 900 Fahrgäste pro Tag können für den Zugverkehr auf der Bahnstrecke Döbeln-Meißen mit einer Durchbindung nach Dresden-Hauptbahnhof gewonnen werden. Das ist das Ergebnis einer Potenzialanalyse, welche ein externes Ingenieurbüro im Auftrag des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) angefertigt hat.

„Die Potenzialanalyse zur Reaktivierung der Bahnstrecke RB 110 zwischen Döbeln und Dresden war Ende Juni Gegenstand der letzten Gesprächsrunde zwischen den beteiligten Lokal- und Landtagspolitikern sowie den Verkehrsverbünden bei uns in der Staatskanzlei“, bestätigt dazu Torsten Kupsch, Referatsleiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Sächsischen Staatskanzlei. Nach Darstellung der externen Gutachter führe die Wiederbelebung der Bahnstrecke zu einer positiven Nachfrageentwicklung, bestätigt der Pressesprecher.

2010 fuhren zwischen Döbeln und Meißen im Durchschnitt 320 Fahrgäste am Tag mit dem Zug. Der war zwischen Meißen und Döbeln fast eine Stunde unterwegs. Um mit dem Zug weiter bis Dresden zu kommen, dauerte es insgesamt 100 Minuten. 2015 wurde die Strecke stillgelegt. Die wieder belebte Strecke soll aber deutlich attraktiver werden. Das Neukonzept verlängert den Linienverlauf nach Dresden. Zwischen 5 Uhr und 23 Uhr fahren wochentags im Stundentakt die Züge von Döbeln-Hauptbahnhof nach Dresden-Hauptbahnhof (Fahrzeit jeweils 67 Minuten). In der Gegenrichtung dauert es 71 Minuten. An den Wochenenden soll es einen Zweistundentakt geben. Das heißt in jede Richtung gibt es wochentags 18 Fahrten, samstags und sonntags je neun.

Nächstes Treffen schon im August

„In nächsten Schritten müssen jetzt die Investitionskosten für die Reaktivierung der nahezu stillgelegten Strecke und die laufenden Kosten für den Betrieb ermittelt und deren Finanzierung geklärt werden. Deshalb kann zeitlich noch nicht abgeschätzt werden, wann die ersten Züge rollen könnten“, sagt Torsten Kupsch. Gebraucht werden mindestens drei Züge, dazu Betriebspersonal und ein Verkehrsunternehmen, das zehn Jahre für den Betrieb der Strecke bestellt werden muss. „Auch von diesen erforderlichen Schritten, wie der Vergabe des Betriebes an ein Verkehrsunternehmen, die Beschaffung von Zügen und der Fahrplangestaltung, hängt der Zeitplan ab“, so der Sprecher der Staatskanzlei. Laut den Gutachtern ist mit einer Betriebsaufnahme auf der Strecke im Idealfall frühestens ab Dezember 2022 zu rechnen, ein nächstes Gespräch der Politiker- und Expertenrunde zum Thema RB 110 Döbeln-Dresden soll schon im August stattfinden.

„Wir lassen an das Thema jetzt keine Luft ran. Sowohl das Gutachten des VVO als auch Berechnungen von Dr. Bräuer (Institut für Regional- und Fernverkehrsplanung) zeigen, dass eine neue RB 110 großes Potenzial hat, die Region zu entwickeln“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann, der mit seinem Landtagskollegen Sven Liebhauser (CDU) das Thema seit langem beackert und mittlerweile auch mit Grünen und Linken ein parteiübergreifendes Bündnis zu dem Thema geschmiedet hat.

Störfeuer aus Meißen und Riesa

Für mächtige Verstimmungen haben dagegen gerade der Meißner Landrat Arndt Steinbach (CDU) und der Riesaer CDU-Landtagsabgeordnete Geert Mackenroth bei dem Thema gesorgt. Mackenroth warb für eine, aus seiner Sicht, schnelle Bahnverbindung von Döbeln nach Dresden, die über Riesa führen sollte. Auch der Meißner Landrat favorisiert statt der Wiederbelebung der Bahnstrecke von Döbeln über Roßwein und Nossen nach Meißen lieber eine Variante, bei der die vorhandene Strecke Döbeln-Riesa genutzt wird. Beide Politiker aus dem Nachbarlandkreis würden das Geld statt für die Wiederbelebung der Bahnstrecke lieber für einen kürzeren S-Bahntakt zwischen Riesa und Dresden einsetzen. „Das würden die Döbelner bestimmt auch mitmachen“, äußerten beide.

Döbelns Oberbürgermeister reagiert verärgert

Genau das weist Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) ganz energisch zurück: „Wir Döbelner wissen schon selbst ganz gut, was die beste Lösung für unsere Region ist: Wir setzen ganz klar auf die direkte Streckenführung über Roßwein und Nossen. Die Döbelner werden nicht in Kauf nehmen, dass die schnelle Streckenführung über Roßwein und Nossen hinter der großen Sache für Riesa zurücksteht“, so Egerer. „Wir bedauern das Störfeuer der Herren Mackenroth und Steinbach. Als Vorsitzender des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberelbe trug der Meißner Landrat 2015 auch Verantwortung für die Stilllegung des Streckenabschnittes Döbeln-Meißen“, so der Döbelner Oberbürgermeister.

Homann: Kleinstaaterei ein Ende setzen

„Die Region Döbeln braucht eine klare Zukunftsstrategie. Nur eine Zugverbindung von Döbeln über Roßwein nach Dresden stärkt die ganze Region. Das im Haushalt auf Antrag der SPD eingestellte Bahn-Gelder stehen ausschließlich für eine neue RB 110 zur Verfügung. Einer anderweitigen Verwendung wird die SPD nicht zustimmen“, schimpft auch der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann. „Ich habe es satt, dass CDU-Politiker in Meißen und Bautzen über die Zukunftschancen meiner Heimatregion Döbeln entscheiden. Deshalb brauchen wir zwingend eine Landesverkehrsgesellschaft. Wir müssen die Kleinstaaterei der Verkehrsverbünde beenden“, so Homann. Geert Mackenroths Störfeuer sei ein Affront gegenüber der gemeinsamen Sacharbeit all jener, die seit Jahren für die Strecke DöbelnDresden kämpfen, so Homann.

Cyrnik: Landesrechnungshof ist wichtiges Argument

Wie die Menschen aus Roßwein, Nossen und dem Umland nach Dresden kommen, interessiere die beiden CDU-Politiker aus dem Nachbarlandkreis Meißen offenbar nicht, ärgert sich auch die Döbelner FDP-Landtagskandidatin Constanze Cyrnik. „Die Ansiedlung des Landesrechnungshofes in Döbeln sollte ausreichendes Argument für eine optimalere Anbindung von Döbeln an die drei Oberzentren sein“, so die FDP-Frau.

Kommentar: Dran bleiben lohnt sich, trotz Störfeuer

von Thomas Sparrer

Beim Thema öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ist den meisten Lokalpolitikern der eigene Kirchturm, oder besser der eigene Wahlkreis, näher, als in diesem Fall die Zukunftsentwicklung der Nachbarregion Döbeln. Geert Mackenroth und der Meißner Landrat Arndt Steinbach würden das viele Geld, das jetzt etwas verklausuliert im Haushalt für die Bahnstrecke Döbeln Dresden über Nossen und Meißen eingeplant ist, viel lieber nach Riesa umleiten und damit den S-Bahntakt der Riesaer nach Dresden verdichten. Das ist eine tolle Sache für Riesa, wofür die Döbelner ein Umsteigen in Riesa und eine längere Fahrt nach Dresden sicher in Kauf nehmen, säuseln der CDU-Landtagsabgeordnete und der Nachbarlandrat. Sie kämpfen in ihren Breiten um die Gunst der Wähler. Das ist legitim.

Doch wenn jeder nur bis zum eigenen Tellerrand schaut und nicht darüber hinaus, wird Verkehrspolitik blödsinnig. Und es werden ganze Regionen vom Speckgürtel der Landeshauptstadt ferngehalten, nur weil sie im falschen Verkehrsverbund liegen. Der Kampf der Region Döbeln für eine attraktive Bahnanbindung an die Oberzentren ist ein Beispiel dafür, dass die jetzt fünf regionalen Verkehrsverbünde im Land noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein können. Hier fehlt regionalen Entscheidungsträgern oft der Blick aufs große Ganze.

Positiv zu bewerten ist, dass mit regelmäßigen Treffen in der Staatskanzlei das Thema Bahnverbindung Döbeln-Dresden jetzt auch von Seiten der Landesregierung besetzt wird und der VVO mit Varianten und Gutachten sachlich zuarbeitet.

Bei allem Optimismus mit 900 vorausgesagten Nutzern der Bahnstrecke am Tag, ist diese Zahl wohl im Verhältnis zum Kostenaufwand noch lange nicht das Gelbe vom Ei. Es wird deshalb wohl noch einige Zeit dauern, bis der Zug wieder auf die Schiene gesetzt werden kann. Aber dran zu bleiben, lohnt sich. Damit der Raum Döbeln verkehrspolitisch den Anschluss bekommt, den er braucht.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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