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Döbeln Harthaer Stadtgut wird abgerissen
Region Döbeln Harthaer Stadtgut wird abgerissen
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15:49 26.04.2019
Abriss geplant: Bald werden die Gebäude Ecke Leisniger-/Karl-Marx-Straße Geschichte sein. Quelle: Sven Bartsch
Hartha

Für Diskussionen sorgte das ehemalige Stadtgut in der jüngsten Stadtratssitzung. Die fünf Gebäude, die auch unter dem Namen Leisnigerstraße 1 bekannt sind, bereiten der Stadt schon lange Kopfschmerzen. Wegen der Baufälligkeit sollen die Häuser an der Ecke Leisniger-/Karl-Marx-Straße nun abgerissen werden – dafür stimmten neun Stadträte, drei enthielten sich.

Einst war es ein Bauernhof, später bot das Stadtgut Übernachtungsmöglichkeiten. Heute ist es brüchig, die Decken seien zu niedrig und es entspräche nicht den modernen Ansprüchen, erklärte Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). Er schilderte Horrorszenarien, wie die Gebäude einstürzten, wenn zuviel Schnee auf den Dächern läge. Sanierungsmaßnahmen seien unmöglich.

Eigentlich wollte der Stadtrat das Ensemble erhalten, dafür flossen bereits Gelder. Doch selbst ein Investor habe nach der Sichtung der Gebäude Abstand von einer Investition genommen.

Abrisskosten betragen 200.000 Euro

CDU-Stadtrat Ronny Walther zeigte sich zwiegespalten. Einerseits sei das Vorhaben wegen der mangelnden Sicherheit unumgänglich. „Aber es gehört auch zur Stadtgeschichte. Mein Herz blutet, wenn ich daran denke, dass es einfach abgerissen wird“, sagte er. Daraufhin wendete Bauamtsleiter Ronald Fischer ein, dass sie die Maßnahme beschließen müssten, um die nötigen Fördermittel zu erhalten. Dafür werde die Zustimmung des Stadtrates gebraucht.

Der Abriss wird auf rund 200.000 Euro geschätzt. Wenn der Antrag durchgeht, würden 80 Prozent der Summe vom Landesprogramm für Brachenberäumung übernommen werden. So müsste die Stadt 40.000 Euro aus eigener Tasche zahlen.

Steigende Geburtenzahl in Hartha

Kunze sicherte zu, dass Elemente des Stadtgutes zur Erinnerung gesichert werden sollen. Was genau abgerissen werden soll und was danach folgt, könne man später beraten. Stadtrat Albrecht Günther (CDU) schlug einen schön gestalteten Parkplatz auf der Gesamtfläche von 4.830 Quadratmetern vor. „Wir sollten auf jeden Fall gut überlegen, was den Bürgern gefallen könnte“, sagte er.

Eine erfreuliche Nachricht hingegen ist die steigende Geburtenzahl, sodass 25 neue Kitaplätze geschaffen werden müssen. Außerdem zögen immer mehr Familien nach Hartha, sodass der Stadtrat der Sanierung und Renovierung von Sanitäranlage und zwei Gruppenräumen im Kinderhaus zustimmte. Die Gesamtsumme der Baumaßnahmen belaufen sich auf rund 73.000 Euro. Kinderhaus, Land und Landkreis werden sich an der Summe beteiligen. Außerdem könne in das Projekt Gelder der Kita Villa Kunterbunt mit einfließen. Laut Abrechnung habe die Kita im letzten Jahr einen Überschuss von 42.000 Euro gehabt. Das Geld wurde für Personal für Integrativplätze eingeplant, die jedoch nicht genutzt wurden. So kann ein Teil in den Haushalt für 2019 fließen und ein Teil in das Bauvorhaben des Kinderhauses.

Kommentar: Geld in Trümmern

von Nicole Grziwa

Was hätte alles aus dem Stadtgut in Hartha werden können? Träumereien lohnen nicht mehr, denn bald sind die fünf Gebäude Geschichte.

Vor 14 Jahren, als die Stadt die Häuser erworben hat, träumte man noch von einem Harthaer Vereinshaus an der Ecke Leisniger-/Karl-Marx-Straße. Es wurde Geld in die Hand genommen und in zukünftige Trümmer gesteckt.

Ob der Abriss hätte verhindert werden können, ist fragwürdig. Eine schnelle Reaktion wäre förderlich gewesen. Schließlich hatte die Stadt seit 2005 Zeit, sich etwas zu überlegen. Wobei die Ideen da waren. Neben dem Gedanken eines Vereinshauses wären fast die Heimatstube und das Industriemuseum eingezogen. Investoren wollten es zu einem Seniorenheim oder Wohn- und Geschäftshaus umbauen.

Was fehlte, war das Geld. Fördermittel aus dem Stadtsanierungskonzept blieben aus. Investoren schreckten vor der hohen Auflage des Denkmalschutzes zurück.

Nun nagt der Zahn der Zeit am Stadtgut. Die ungenutzten Gebäude könnten im schlimmsten Fall einstürzen, dem will man jetzt vorbeugen. Gut ist, dass die Stadt die Reißleine zieht. Besser wäre, sie hätten es schon früher getan.

Bleibt nun zu hoffen, dass die Stadt das Grundstück von 4.830 Quadratmeter gewissenhaft nutzt. Man solle darüber nachdenken was die Bürger möchten, hieß es auch während der Stadtratssitzung. In dem Fall ist es ratsam, die Bürger mit einzubeziehen. Denn was sie möchten, können nur sie wissen.

n.grziwa@lvz.de

Von Nicole Grziwa

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