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Döbeln „Ich habe nie Angst gehabt“
Region Döbeln „Ich habe nie Angst gehabt“
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09:17 24.01.2018
Silvia Lang (l.) und Antje Ziegler (r.) sind vor 23 und 22 Jahren die beiden ersten festangestellten Mitarbeiter von Cornelia Brambor gewesen und heute noch dabei. Quelle: Foto: Sven Bartsch
Rosswein

Am 1. Februar wird der Sonnenhof in Ossig ab 14 Uhr für fünf Stunden zum „Bramborhof“ Der Roßweiner Pflegedienstleister feiert sein 25-jähriges Jubiläum – mit allen, die in den zurückliegenden Jahren mit Cornelia Brambor und ihrem Unternehmen in irgendeiner Weise verbunden waren und die gern dabei sein möchten.

Unterm Dach der Villa „Zum Rüderpark“ ist es warm. Die alten Möbel strahlen Ruhe aus und erinnern genauso wie das Geschirr im historischen Buffet an ehemalige Patienten. „Alles Geschenke“, sagt Cornelia Brambor. Die quirlige 56-Jährige zieht sich gern hierher zurück. „Hier bin ich weg vom Fenster, hab auch mal meine Ruhe.“ Zurzeit führt sie vor allem Personalgespräche in dieser guten Stube, weil im Erdgeschoss des Hauses, wo eigentlich ihr Büro ist, umgebaut wird. „Nach 15 Jahren muss man mal wieder was machen.“ Ruhe gönnt sich die Unternehmenschefin, die vor ihrer Selbstständigkeit als Roßweiner Gemeindeschwester die Patienten versorgte, inzwischen ganz konsequent mehr, vor allem in Form von Sport. Die rastlosen ersten Jahre haben sie gelehrt, dass es wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse nicht immer hintenan zu stellen.

Als junge Witwe mit zwei kleinen Kindern startete Cornelia Brambor in die Selbstständigkeit – auf Anraten ihres damaligen Chefs Dr. Lutz Köllner. Ihre Motivation? „Alles selbst planen zu können.“ Dafür gibt sie die Bequemlichkeit des gut bezahlten Angestellten-Daseins auf. Cornelia Brambor hat sofort 40 Patienten, stürzt sich in die Arbeit, ihr Geschäft ist auch ihre Therapie. War sie früher mit Fahrrad und grüner Schwalbe unterwegs, kündigt inzwischen der orange-weiße Lada ihr Kommen bei den Patienten an. Der schwerste Schritt für die leidenschaftliche Krankenschwester damals: „Der zur Geschäftsfrau – meine Leistungen verkaufen zu müssen, das war mir unangenehm“, gibt Cornelia Brambor ehrlich zu. Schaut sie heute zurück, dann kann sie sagen: „Ich habe es nie bereut, diesen Schritt gegangen zu sein. Aber: Es ist auch alles anders gekommen, als geplant.“ Eigentlich hatte sie einfach nur selbstverantwortlich ihre Patienten versorgen wollen. „Irgendwann mal 160 Angestellte zu haben, war nicht vorgesehen.“ Heute ist es so, und die dynamische Firmenchefin ist weit davon entfernt, sich zu beklagen. Das ist sowieso etwas, was ihr nicht liegt.

Die beiden Söhne Thomas und Benjamin wachsen bei den Großeltern und zwangsläufig mit dem Pflegedienst auf – und in das Geschäft hinein. Seit vielen Jahren sind beide als Prokuristen der Brambor Pflegedienstleistungen GmbH tätig. Sohn Thomas, der inzwischen in New York lebt und dort Politikwissenschaften und Statistik lehrt, ist der Ideengeber, der Stratege, sagt die Mutter. Er war es, der damals sagte: „Wir müssen etwas machen“, als sich nach zehn Jahren Häuslicher Krankenpflege in Roßwein ein anderer Bedarf abzeichnete. Mit dem Erwerb der alten Fabrikantenvilla „Zum Rüderpark“ 2003 und der ersten Tagespflege in der Region überhaupt, schlägt das Unternehmen neue Wege ein und erweitert sich von da an ständig. Das Credo bleibt: Immer sind es kleine Objekte, in denen der familiäre Charakter, die Individualität erhalten bleiben sollen. 2006 eröffnet Brambor in der alten Arztvilla in der Karl-Marx-Straße eine Demenzwohngemeinschaft, in der 15 Bewohner rund um die Uhr versorgt werden. Der Bedarf ist riesig. „2009 sind wir aus Waldheim gerufen worden“, erinnert sich Cornelia Brambor. In der Härtelstraße übernehmen die Roßweiner das Betreute Wohnen, wenig später auch das Objekt in der Bahnhofstraße. Erst im vergangenen Jahr siedeln Brambors auch eine Hauskrankenpflege in der Zschopaustadt an. In Döbeln, wo es schon seit 2000 eine Geschäftsstelle auf dem Niedermarkt gibt, kauft der Pflegedienstleister 2010 die alte Villa in der Bertholdstraße, ebenfalls für ein Betreutes Wohnen. Mit der Einmietung in die ehemalige „Sonne“ in Döbelns Ritterstraße schafft das Unternehmen auch in der Muldestadt 20 Tagespflegeplätze und eine Hauskrankenpflege. Den nächsten Schritt ist das Familienunternehmen bereits gegangen – im Sommer sollen im TAG-Block in der Bayerischen Straße weitere Betreute Wohnungen sowie eine Tagespflege fertig sein. Zuletzt wurde eine solche vergangenes Jahr in Hartha eröffnet. „Wir sind noch nicht am Ende“, schätzt Cornelia Brambor ein, ohne überheblich zu klingen. Das Unternehmen, das sich allerdings nicht über die Grenzen des Altkreises erweitern will, steht auf gesunden Füßen, die Söhne sind fest integriert.

Das Erfolgsrezept der Firma? „Ich habe niemals Angst gehabt, dass etwas schiefgehen könnte“, sagt Cornelia Brambor. Den Menschen immer noch als Mittelpunkt ihrer Arbeit zu sehen und ihm die Zeit zuteil werden zu lassen, die er verdient, das gehöre genauso dazu wie auf die Mitarbeiter und ihre Bedürfnisse einzugehen. „Ohne meine Mitarbeiter wäre ich nichts“, sagt die kommunikationsfreudige und stets offensive Chefin völlig unpathetisch. Und sie weiß selbst: „Mit mir zusammenzuarbeiten ist auch nicht leicht.“ Umso stolzer ist sie darauf, dass ihre ersten beiden festangestellten Mitarbeiterinnen noch heute dabei sind. Silvia Lang startete im Februar 1995, Antje Zieger anderthalb Jahre später. „Sie sind mit mir gewachsen", sagt Cornelia Brambor. „Und sie haben es so lange mit mir ausgehalten – das verdient Achtung.“

Am 1. Februar sind nicht nur alle Mitarbeiter von Cornelia Brambor in den Sonnenhof eingeladen, sondern vorbeikommen kann jeder, der in den letzten 25 Jahren mit dem Unternehmen gewachsen ist – Geschäftspartner, Klienten und Angehörige, Interessenten und Bürger.

Von Manuela Engelmann

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