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Döbeln Jean Lacroix auf gut Gödelitz: „Und sie werden austreten“
Region Döbeln Jean Lacroix auf gut Gödelitz: „Und sie werden austreten“
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12:01 11.02.2019
Jean Lacroix spricht auf Gut Gödelitz. Quelle: Gerhard Dörner
Gödelitz

Die alte Schäferei auf Gut Gödelitz am Sonnabend um 18 Uhr: Aus gutem Grund haben sich hier über 140 Gäste des Ost-West-Forums eingefunden. Wenige Wochen trennen die Europäische Union noch vom 29. März 2019, dem Datum des möglichen Austritts des Vereinigten Königreichs. Dazu referiert Jean Lacroix (61) von der Deutschen Botschaft in London.

„Und sie werden austreten“

„Ich will auch ein Bild schaffen, was wir verlieren, wenn die Briten denn austreten. Und sie werden austreten“, stellt Lacroix, seit 1976 Soldat der Deutschen Bundeswehr, zu Beginn seines Vortrages klar. Thematisch geht er dabei zunächst auf die zahlreichen Besonderheiten des Vereinigten Königreichs ein. Liefert einen Abriss dessen wechselhafter Geschichte. Der neueren Entwicklungen zwischen Nordirlandkonflikt und Auflösung des Empires, die das öffentliche Bewusstsein prägen. Lacroix geht auch auf politische Unterschiede ein, die uns paradox erscheinen können. So gibt es im Inselstaat bis heute weder eine Melde- noch eine Ausweißpflicht – die Freiheit des Einzelnen werde hochgeschätzt. „Im Widerspruch dazu gibt es aber keine Stadt in Großbritannien, die nicht videoüberwacht ist.“

„Mit diesem Abstimmungsergebnis hatte niemand gerechnet“

Von eigenen Wegen geprägt war auch Großbritanniens Mitgliedschaft in der EU. Was Axel Schmidt-Gödelitz (76), Leiter des Ost-West-Forums, bereits in der Moderation kritisiert hat: „Großbritannien war bekannt dafür, sich bei Neuerungen nur das herauszusuchen, was dem Land passte. Rosinenpickerei nannten das überzeugte Europäer.“ In dieser Schärfe äußert sich Lacroix nicht, geht aber stärker auf die britischen Sichtweisen ein. Man sah die EU als Friedensprojekt, versprach sich wirtschaftlichen Nutzen und politischen Einfluss. Er spricht auch Fehler der kontinentaleuropäischen Staaten an, die auf britische Eigenheiten und Standpunkte gern nur unzureichend eingingen. „Und in all diese Besonderheiten brach das Referendum herein. Denn mit diesem Abstimmungsergebnis hatte niemand gerechnet“, leitet Lacroix schließlich zur Situation der letzten Jahre über. Er spricht über Brexit-Befürworter, die politische Verantwortung scheuten, die schwieriger werdenden Situation der Regierung May, eine Opposition, die auf Parlamentsneuwahlen aus ist. Und nicht zuletzt eine nach wie vor ausstehende Einigung auf einen Vertrag.

Wirtschaftliche Folgen kaum abzuschätzen

Bei all dem geht es um viel, denn: Großbritannien wirft in der EU so viel in die Waagschale, wie die 19 kleinsten Mitgliedsstaaten zusammen. Nicht allein die wirtschaftlichen Folgen besonders eines Austritts ohne Abkommen seien kaum abzuschätzen. „Deutschland wird in der europäischen Finanzpolitik einen wichtigen Fürsprecher verlieren – denn die Briten waren immer für uns.“ Am schwersten liegt für Lacroix allerdings eines: die Gefahr einer neuen Eskalation im Nordirlandkonflikt durch eine neue europäische Außengrenze.

Gibt es bei all dem noch Chancen für einen Verbleib des Königreiches in der EU? „Ein zusätzliches Referendum sehe ich nicht. Die Stimmung ist sogar eher trotzig“, schätzt Lacroix die Lage ein, als er im anschließenden Gespräch darauf angesprochen wird. Hoffnung kann er aber doch schöpfen: „Die europäische Union kann Großbritannien eine Rückkehr in Würde und ohne Gesichtsverlust ermöglichen.“

Von Johannes Wolf

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