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Döbeln Jetzt redet die Mutter: Wir kämpfen um Christian
Region Döbeln Jetzt redet die Mutter: Wir kämpfen um Christian
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01:09 12.01.2019
Auf der Fischendorfer Brücke wurde Christians Kleidung gefunden. Ein erwachsener Mann kann allerdings kaum versehentlich über das Geländer stürzen, auch wenn er wie Christian 1,87 Meter und damit größer ist als sein Vater. Quelle: Steffi Robak
Leisnig

„Wir kämpfen. Um Christian. Wir kämpfen um Klärung.“ Susan Morgenstern beschreibt die Situation gefasst und mit wenigen Worten. Bewusst lässt die 48-Jährige offen, in welcher Verfassung ihr Sohn Christian vielleicht gefunden wird. Nur: Gefunden werden solle er bitte endlich. Verschwunden ist er seit dem Neujahrsmorgen.

Susan Morgenstern: Die Zeit läuft gegen uns

Im Wohnzimmer auf dem Tisch mit der Weihnachtsdecke brennt eine Kerze in einem Gefäß mit der Aufschrift „Sternstunde“ – ein Geschenk für Christian zum Weihnachtsfest. Dies ist bei der christlichen Familie Morgenstern ein fröhliches Familien-Ereignis, und für Christian und seinen Cousin die Gelegenheit für einen Comedy-Auftritt.

Die starke, helle Kerzenflamme auf dem Tisch wird noch lange Licht spenden, Kraft und Zuversicht. Das strahlen auch die Eltern aus. Trotzdem sagt Susan Morgenstern auch diesen Satz: „Die Zeit läuft gegen uns.“

Die Eltern des Vermissten glauben nicht daran, dass ihr Sohn an der Brücke verschwunden ist, nur weil dort Kleidung von ihm gefunden wurde.

Schreiben an den Ministerpräsidenten

Die Mutter schreibt einen Brief an den Ministerpräsidenten von Sachsen, Michael Kretschmer. Was sich die Eltern versprechen: Dass die Ermittlungsstrategie ausgeweitet werden möge auf die Möglichkeit, dass ihr Sohn lebt, sich nur in einer misslichen, hilflosen Lage befindet, auch Opfer einer Straftat geworden sein könnte.

Noch immer, und das betont Polizeisprecher Andrzej Rydzik wiederholt, geht die Polizei von einem Vermisstenfall aus, nicht von einer Straftat. So sehr die Morgensterns den Einsatz der an der Suche beteiligten Beamten schätzen und dafür dankbar sind, so sehr irritiert sie diese Herangehensweise.

Dirk Morgenstern: Jeder soll glauben, er ist ins Wasser gestürzt

„Wie Christians Kleidung und die anderen Gegenstände auf der Brücke lagen, das ist für mich lediglich ein Indiz, dass das jemand dort so hingelegt hat. Jeder soll glauben, unser Sohn ist über das Geländer gestürzt, mit welchem Grund auch immer“, so der Vater.

Dabei stellt sich die Frage: Ist die Auffindesituation von Kleidung, Dokumenten, nur ohne Brieftasche, Geldkarte und Handy, nicht Indiz genug für eine Straftat? Etwa wegen des Verdachts auf einen Anschlag gegen Leben und Gesundheit, wegen Diebstahls, Freiheitsberaubung oder Entführung? Andrzej Rydzik ist unter keinen Umständen zu einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zu bewegen.

Polizei verfolgt noch immer keinen Straftatsansatz

Der Polizeisprecher sagt: „Gesichert ist, dass Kleidung gefunden wurde, wann das Handy zuletzt aktiv war und dass der Personenspürhund auf der Brücke sitzen blieb – dort, wo die Jacke des Vermissten am Neujahrstag lag.“ Einen Straftatsansatz verfolgt die Polizei am Freitag noch immer nicht.

Familie nimmt sich einen Anwalt

Die Morgensterns sehen das anders, haben sich juristischen Beistand geholt. Der Vater Dirk Morgenstern bleibt dabei: Die Brücke ist für ihn nicht der Ort des Verschwindens. Er rekonstruiert das unter anderem aus diversen zeitlichen Zusammenhängen, die er unter anderem bei Christians Freunden recherchierte.

Als Ort des Verschwindens nimmt der 48-Jährige die unmittelbare Umgebung des Wohnhauses am Leisniger Gärtnerweg an, mit so wenigen Minuten Gehzeit als zeitlichem Radius, dass es bis zur Brücke nicht gereicht haben kann.

Sucht die Polizei nur noch nach einem Toten?

Dafür kommen etwa acht verschiedene Straße in Frage – auf denen bisher kein Hund auf eine Fährte gesetzt wurde. Möglicherweise habe sein Sohn bei seiner Ankunft zu Hause bemerkt, dass er etwas verloren hat und sich auf die Suche begeben...

Es ist eine Zeit mit Tiefs und Hochs für die Familie Morgenstern. An einem Tag holen Polizeibeamte zahnmedizinische Unterlagen. „Und da frage ich mich doch: Sucht die Polizei die ganze Zeit nach einem Toten?“, so der Vater.

In den schlimmsten Gedanken in einem tiefen Loch

Am nächsten Tag fragt ein Ermittler, ob Christians Reisepass zu Hause liegt – geht die Polizei doch davon aus, er könne sich ins Ausland absetzen? Dann werden erneut Kleidungsstücke abgeholt – soll noch einmal ein Hund die Fährte aufnehmen? Ein Lichtblick: Werden die Ermittlungen ausgeweitet?

In jenen Momenten der Ruhe, wenn Susan und Dirk Morgenstern meinen, alles ihnen Mögliche getan zu haben, fallen sie für einen Augenblick in ein tiefes Loch – wo sie in ihren schlimmsten Gedanken auch ihren Sohn vermuten, der ihnen vertraut und auf seine Rettung wartet.

Von Steffi Robak

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