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Döbeln Jetzt wird’s Ernst im Waldheimer Standesamt
Region Döbeln Jetzt wird’s Ernst im Waldheimer Standesamt
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10:06 09.02.2019
Jetzt auch beim Heiraten aktiv: Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst darf jetzt Paare trauen. Zunächst lernt er aber bei Standesbeamtin Gitte Voss die Praxis.
Jetzt auch beim Heiraten aktiv: Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst darf jetzt Paare trauen. Zunächst lernt er aber bei Standesbeamtin Gitte Voss die Praxis. Quelle: Sven Bartsch
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Waldheim

Das war ein richtiger Brocken Arbeit. Steffen Ernst, Konditormeister und Waldheimer Bürgermeister, hat nochmal die Schulbank gedrückt. Für drei Tage im hessischen Bad Salzschlirf. Hier ist die Akademie für Personenstandswesen des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten ansässig. An dieser hat Steffen Ernst einen speziellen Kurs besucht und eine Prüfung abgelegt, um Eheschließungen vornehmen zu dürfen. Grundsätzlich ist das Bürgermeistern erlaubt – allerdings nur mit Lehrgang. Sächsische Rathauschefs müssen zudem eine Prüfung ablegen.

Viel zu lernen

„Ich fand das immer schön, wenn mir mein Landsberger Amtskollege Matthias Neuner erzählt hat, wie er Paare traut. Das wollte ich auch. Also habe ich mich für den Kurs angemeldet“, sagt Steffen Ernst. Eigentlich sollte er erst im Juni zum Lehrgang gehen. Weil aber beim Februar-Kurs jemand abgesprungen ist und sich Steffen Ernst auf die Wartelisten hat setzen lassen, klappte es bereits im Februar. In Bad Salzschlirf hatte der Bürgermeister viel zu lernen.

Viel Stoff für kurzen Lehrgang

Namensrecht zum Beispiel. Seitdem die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt 1976 das Ehe- und Scheidungsrecht grundlegend reformierte, können Ehepartner ihre Nachnamen recht bunt mischen. Die Bindestrich-Namen entstanden. Vorher nahm die Frau den Namen des Mannes und fertig war, jetzt können Ehepartner sogar die Familienamen aus früheren Ehen weiterführen. Welche Kombinationsmöglichkeiten da möglich sind, lernen die Bürgermeister an der Akademie für Personenstandswesen. Auch die rechtlichen Hintergründe für Eheschließungen zwischen Deutschen und Ausländern oder Ausländern untereinander gehörten zum Lehrplan. Und natürlich auch die Ehe für alle – also wenn Mann und Mann oder Frau und Frau heiraten.

Lernen bei der Standesbeamtin

„Es war ein recht anspruchsvoller Stoff“, sagt Bürgermeister Ernst, der auf diese Weise einen Einblick bekommen hat, was die Waldheimer Standesbeamtin so alles leistet. Gitte Voss wird mit der neuen Qualifikation des Bürgermeisters natürlich nicht arbeitslos und sieht sich auch nicht von Konkurrenz bedroht. Es ist nämlich nicht bloß die Frage, ob Bürgerin Y den Bürger X heiraten will. Eine Hochzeit ist ein Verwaltungsakt, der mit einigem Aufwand verbunden ist, der im Hintergrund abläuft. Und diesen betreibt für jede Ehe, die in Waldheim geschlossen wird, weiterhin die Standesbeamtin. Der Bürgermeister darf jetzt die offizielle Trau-Zeremonie vornehmen. Steffen Ernst wird Gitte Voss zunächst erstmal über die Schulter schauen.

Scheiden darf nur der Richter

Eines darf der Waldheimer Bürgermeister trotz aller Gesetzesänderungen aber nicht: Einmal geschlossene Ehen wieder scheiden. Dazu braucht man in Deutschland immerhin noch das zweite Jura-Staatsexamen und muss Richter sein.

Von Dirk Wurzel