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Döbeln Schlamm, geflutete Keller, eine Schwerverletzte – Unwetter tobt über Leisnig und Hartha
Region Döbeln Schlamm, geflutete Keller, eine Schwerverletzte – Unwetter tobt über Leisnig und Hartha
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15:14 12.06.2019
Durch Minkwitz rollte der Schlamm. Quelle: Sven Bartsch
Region Döbeln

Gewitter mit Starkregen lassen die Region nicht los. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch tobte sich ein schweres Unwetter mit Hagel und Niederschlägen bis zu 60 Litern Wasser pro Quadratmeter über Leisnig und den Ortsteilen sowie weiter in Richtung Hartha aus.

Unfälle durch Schlammlawinen

Mehrere Schlammlawinen beeinträchtigten den Verkehr in der Umgebung von Leisnig und machten Straßen zum Teil unpassierbar. So war die Staatsstraße 36 zwischen Leisnig und Hartha in der Ortslage Minkwitz wegen des Schlamms für etwa zwei Stunden bis gegen 2.15 Uhr voll gesperrt.

Gewitter mit Starkregen lassen die Region nicht los. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch tobte sich ein schweres Unwetter mit Hagel und Niederschlägen bis zu 60 Litern Wasser pro Quadratmeter über Leisnig und den Ortsteilen sowie weiter in Richtung Hartha aus.

Schlamm auf der Straße war auch zweimal die Ursache von Verkehrsunfällen. Auf der Ortsverbindungsstraße Minkwitz – Lauschka fuhr eine Radfahrerin (60) in eine Schlammschicht und stürzte. Sie zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Ein Pkw VW, der gegen 22.30 Uhr die Straße von Klosterbuch in Richtung Scheergrund befuhr, kam nach rechts von der mit Schlamm bedeckten Fahrbahn ab und stieß gegen einen Baumstamm. Die VW-Fahrerin (24) blieb unverletzt. Es entstand aber Sachschaden in Höhe von etwa 1.000 Euro.

Gewölbekeller voll gelaufen

Was Gebäude und Grundstücke betrifft, traf es einige Wohnhäuser im Leisniger Ortsteil Minkwitz am schlimmsten. Bis zu einem Meter hoch stand die braune Schlammbrühe in Hof, Garage und Erdgeschoss von Lothar Hänsel. Gemeinsam mit Feuerwehrleuten der Ortswehr Brösen-Gorschmitz sowie Nachbarn und Verwandten schippte der 82-Jährige am Vormittag Schlamm und räumte die betroffenen Räume aus.

Am Grundstück von Lothar Hänsel in Minkwitz halfen Feuerwehrleute, Freunde und Bekannte den Schlamm zu beräumen. Quelle: Sven Bartsch

Auch Nachbarin Brunhilde Pappai hat es heftig erwischt. Kniehoch steht die Schlammbrühe in ihrer Wohnstube und der Küche. Der Gewölbekeller des alten Bauernhauses ist voll gelaufen. „Wir warten auf einen Statiker, bevor wir hier auspumpen können. Das ist sicherer“, sagt René Wagler, Einsatzleiter der Brösen-Gorschmitzer Wehr. Nachbarn kommen mit Besen und Eimern, um der alten Dame zu helfen. Doch man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.

45 Einsatzstellen für Leisniger Wehr

Mit einem Fehlalarm der Brandmeldeanlage im Pflegeheim Paudritzsch begann gegen 21.30 Uhr die Einsatznacht für die etwa 45 Kameraden der Leisniger Wehr und ihrer Ortswehren. Auf dem Rückweg sahen wir schon wie dramatisch das Wasser in den Straßengräben stieg. Da war klar, es wird eine lange Nacht“, so René Gentzsch, stellvertretender Stadtwehrleiter und Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Leisnig.

Einsatzleiter René Gentzsch koordiniert die Leisniger Kameraden vom Gerätehaus aus. Quelle: Sven Bartsch

Im Gerätehaus wurde eine Befehlsstelle eingerichtet, um die über 45 Einsatzstellen im gesamten Stadt- und Gemeindegebiet von Leisnig abzuarbeiten. Bis 4.30 Uhr waren die Kameraden im Einsatz, um am Vormittag direkt weiter zu machen.

THW hilft mit schwerer Technik

Zwischen Scheergrund und Klosterbuch machte eine Schlammlawine die Straße unpassierbar. Am Bahnhof Klosterbuch rückte deshalb das Technische Hilfswerk aus Döbeln zur Unterstützung der Feuerwehren mit dem großen Radlader an. „Die THW-er halfen uns auch in Altenhof beim beräumen der Straße. Zwischen Minkwitz und Lauschka kamen unsere Kameraden mit Unterstützung des Radladers einer örtlichen Firma zum Einsatz, um die Straße befahrbar zu machen“, so Einsatzleiter René Gentzsch.

Harthaer Einkaufszentrum geflutet

Das Einkaufszentrum in der Geschwister-Scholl-Straße in Hartha wurde in der Nacht ebenfalls geflutet. Wasser und Schlamm drangen vom Parkplatz in die Geschäfte ein. Statt zu verkaufen, waren die Ladeninhaber bei Tedi, im Getränkemarkt und im Modegeschäft mit Saubermachen beschäftigt. Der Tedi-Markt blieb geschlossen. „Bei uns ist der gesamte Eingangsbereich bis zur Kasse noch nass. Wir können heute auch nicht öffnen“, so Karin Oder vom Allround-Modegeschäft.

Im Einkaufszentrum an der Geschwister-Scholl-Straße in Hartha kamen Regen und Schlamm über den Parkplatz in einige der Geschäfte. Quelle: Thomas Sparrer

Harthas Feuerwehr und Bauhof waren im Einsatz, um die Straßen wieder befahrbar zu machen, so Bauamtsleiter Ronald Fischer. Neben zahlreichen vollgelaufenen Kellern hat das Unwetter die Chemnitzer Straße in Hartha unter Wasser gesetzt. Zudem kam es zwischen Lauschka und Minkwitz in einer Senke zur einer Überschwemmung und musste die Kreuzung in Nauhain vom Schlamm freigespült werden.

Kleinpelsen: zum zweiten Mal erwischt

Christine Gey ist den Tränen nahe. Montagnacht ist der Hof der Familie an der Staatsstraße in Kleinpelsen bereits erwischt worden. Dienstagnacht kam es nun noch schlimmer. „So ein gewaltiges Gewitter habe ich vorher noch nie erlebt. Wir hatten zunächst vor allem Angst vor den vielen Blitzen“, berichtet Christine Gey, was sich in der Nacht zum Mittwoch, gegen 21.30 Uhr, zugetragen hat. Dann gab es extremen Niederschlag. Schlamm-Massen wälzten sich von einem benachbarten Maisfeld über die Staatsstraße und dann über den Hof von Geys. „Wir waren gerade fertig, hatten von Montagnacht alles beräumt und sauber gemacht. Bauhof und Feuerwehr hatten uns geholfen. Nun ist wieder alles voller Schlamm“, sagt Christine Gey. Die braunen Massen flossen diesmal durch ein Stallgebäude. Ins Wohnhaus ist zum Glück nichts eingedrungen. Die Hilfe der Stadt Leisnig bezeichnet die Kleinpelsenerin als „vorbildlich“. Auch Mittwochvormittag sind wieder Mitarbeiter des Bauhofes bei der Familie im Einsatz, zum Beispiel Michael Wirth, der den Schlamm in eine Radladerschaufel schippt. Diesmal unterstützt noch der benachbarte Landwirtschaftsbetrieb Reese mit Technik und Muskelkraft von Mitarbeiter Benjamin Linke. Gey: „Der Leisniger Bau- und Ordnungsamtsleiter Thomas Schröder kümmert sich wirklich gut, er hat schon wieder angerufen und gefragt, wo Hilfe notwendig ist.“

Zum zweiten Mal kurz hintereinander betroffen: „So ein schlimmes Gewitter habe ich noch nie erlebt“, sagt Christine Gey aus Kleinpelsen. Quelle: Olaf Büchel

Schlamm vom Maisfeld liegt auch auf der Staatsstraße selbst und auf dem angrenzenden Gehweg. Ein Bagger ist dort im Einsatz. Feuerwehrkameraden von Leisnig spritzen mit Wasser die Straße nach Börtewitz sauber. „In der Nacht waren wir von 22 bis 4 Uhr im Einsatz und jetzt sind wir seit 7.30 Uhr wieder auf den Beinen“, sagt Feuerwehrmann Gunar Gasteiger, der die Arbeiten im Raum Börtewitz koordiniert. Am Ortseingang von Börtewitz hat das Unwetter auch einige Grundstücke erwischt. „Wir haben wieder bis Mitternacht geschippt, um die Einfahrt freizubekommen“, berichtet Petra Zitzer. Beim Niederschlag seien die Tropfen diesmal ungewöhnlich riesig gewesen.

Von obü/T.S./nag/ap

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