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Döbeln „Katastrophale Situation“: Brandstiftung noch feststellbar?
Region Döbeln „Katastrophale Situation“: Brandstiftung noch feststellbar?
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18:18 11.12.2018
Die Brandursachenermittler werden noch lange an dem Haus zu tun haben.
Die Brandursachenermittler werden noch lange an dem Haus zu tun haben. Quelle: Steffi Robak
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Leisnig

Ein gelber Container steht vor der ausgebrannten Doppelhaushälfte in Leisnig, Landkreis Mittelsachsen. Ein Bauzaun grenzt das Grundstück zur Straße ab, davor ein große blauer Transporter der Polizei: In dem Haus, das am Freitag brannte, suchen zwei Männer in dunkelblauen Schutzanzügen nach Spuren, die über die Ursache des Brandes Auskunft geben. Es sind die Kriminaltechniker.

Einer von ihnen packt einen Türbeschlag in eine Tüte. Das Stück Metall wirkt nahezu unversehrt – im Vergleich zu vielem anderen, was das Feuer übrig ließ am 7. Dezember. Nach Augenzeugenberichten schlugen diese extrem rasch aus den Fenstern, woraufhin die Vermutung einer Brandstiftung schnell die Runde machte. Noch bevor die Feuerwehr eintraf, loderten die Flammen aus mehreren Fenstern.

Von einer wirklich handfesten Erkenntnis sind die Ermittler allerdings noch weit entfernt. In einer derart „katastrophalen Situation“, wie es einer der Brandursachenermittler gestern vor Ort bezeichnet, sei häufig nur wenig Verwertbares zu finden beziehungsweise könne sich die Suche lange hinziehen. „Das ist nicht so, wie sich das die Leute so vorstellen, dass nach kurzer Untersuchung alles fest steht“, sagt der Beamte am Dienstagvormittag.

Die Männer tragen neben der Schutzkleidung auch Helme. In dem Haus müssen sie sich vorsichtig bewegen. Fußböden beziehungsweise Decken sind abgestützt. Wie oft beziehungsweise wie lange er und sein Kollege noch in die Leisniger Sonnenstraße kommen müssen, sei gegenwärtig nicht absehbar. Es könne Wochen dauern, bis sich etwas findet, was auf eine Brandursache schließen lässt.

„Unterdessen gibt es bei der Stadtverwaltung Überlegungen, wie der Brandopferfamilie geholfen werden kann. Das geht in relativ engen Grenzen“, sagt Bürgermeister Tobias Goth (CDU). Das Haus ist in Privatbesitz. In welcher Form eine Versicherung greift, ist für Außenstehende nicht abschätzbar, erst recht ohne eine einwandfrei feststehende Brandursache. Die Frau und deren Tochter, die zuletzt noch in dem Haus wohnten, hatten sich nicht im Gebäude befunden, als das Feuer am 7. Dezember ausbrach.

Ihre gegenständliche Habe ist vernichtet. Der Lebensgefährte der Frau und Vater der Tochter gilt offiziell als vermisst. Sterbliche Überreste eines Menschen, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, wurden jedoch gefunden. Sie befinden sich zur Feststellung der Identität in der Rechtsmedizin. Dem Feuer ging ein Streit unter den Erwachsenen voraus.

Wie verhält sich nun die Stadtverwaltung? „Es gab ein Gespräch mit der Frau. Zusammen mit ihrer Tochter kam sie zunächst bei ihrer Mutter unter. Die Stadt kann Unterstützung leisten bei der Wohnungssuche, ansonsten an den Stellen, wo das in den Kräften der Verwaltung steht.“ Goth könne sich zum Beispiel vorstellen, dass ein Statiker beziehungsweise Bauplaner empfohlen werden kann, wenn es um die Zukunft des Hauses geht. Bewohnbar ist es nicht.

Auch der Zustand der anderen Haushälfte ist unklar. Mindestens im Bereich des Dachstuhls hatten die Flammen dorthin übergegriffen. Damit gehört zu den vom Brand Betroffenen auch die ältere Bewohnerin der benachbarten Haushälfte. Sie wohnt vorübergehend bei Verwandten. Mit Rücksicht auf die momentan unklaren Umstände ist eine öffentliche Hilfsaktion noch nicht in Gang gesetzt. „Im Gespräch wurde der Verwaltung gegenüber diese Bitte signalisiert und ich verstehe das“, sagt der Bürgermeister.

Von Steffi Robak