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Döbeln Fall Morgenstern: Polizei nach Leichenfund am Ende, Familie noch lange nicht
Region Döbeln Fall Morgenstern: Polizei nach Leichenfund am Ende, Familie noch lange nicht
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21:51 12.02.2019
Kerzen für „Morgi“: Letzter Gruß von Freunden auf der Brücke. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig

Christian Morgensterns Leiche ist gefunden. Und es passiert - nichts. So scheint es jedenfalls, denn im Vergleich zur öffentlich wahrnehmbaren, aufwendigen Suche auf dem Fluss herrscht eine für Betroffene gespenstische Stille. Was ist jetzt noch von den Ermittlungsbehörden zu erwarten?

Familie und Freunde gaben die Hoffnung bis zuletzt nicht auf, den 20-jährigen Christian Morgenstern lebend zu finden.

„Wir haben uns am 7. Februar in der Medieninformation ausführlich geäußert. Weiter werden wir uns unter der mitgeteilten Maßgabe nicht äußern. Bitte gehen Sie davon aus, dass die Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz beziehungsweise die Staatsanwaltschaft unaufgefordert nachberichten werden, wenn sich für die Allgemeinheit bedeutsame Neuerungen ergeben würden.“ So antwortet der stellvertretende Pressesprecher Andrzej Rydzik auf mehrere Fragen zum Verfahren. Am 6. Februar wurde die Leiche des 20- jährigen Leisnigers in der Mulde gefunden.

Todesursache wird nicht veröffentlicht

„Die Todesursache wird in derartigen Fällen generell nicht kommuniziert“, wird die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ingrid Burghart, deutlicher. Die zur Obduktion gehörenden Untersuchungen seien nahezu abgeschlossen. Ein Teil der Ergebnisse stehe noch aus. Der endgültige Bericht werde noch erwartet und der Fall eingestellt, sofern Anzeichen für eine Fremdeinwirkung nicht gefunden werden. Bisher hätten sich keinerlei begründete Verdachtsmomente für einen gewaltsamen Tod ergeben.

Am 7. Februar hatte es im Polizeibericht geheißen, „...dass es keine Annahme für eine Straftat gibt, die zum Tod des jungen Mannes geführt hat. Vielmehr spricht derzeit nichts gegen ein suizidales Geschehen.“

Familie will Gewissheit

„Durch die Annahme von Suizid bekommen wir nie die Chance, dass die Hintergründe einer möglichen Straftat ermittelt werden und dann auch eine Strafverfolgung eingeleitet werden kann“, sagt der Vater des verstorbenen, Dirk Morgenstern (48). Er jedenfalls wolle für seinen Sohn das ihm Mögliche tun, damit die noch immer unklaren Umstände aufgeklärt werden.

„Manchmal fragen wir uns: Haben wir irgend etwas falsch gemacht? Etwas übersehen oder auf etwas Wichtiges nicht geachtet?“ So schildert die Mutter Susan Morgenstern (48) das Gefühl von vielen Menschen, die Christian Morgenstern kannten, ihn innerhalb der Familie, in der Ausbildung oder zuletzt im Freundeskreis bei der Silvesterfeier erlebten. In den frühen Morgenstunden vom Neujahrstag verschwand er.

Mehr Augenmerk, zum Beispiel für die Mobilfunkverbindungen vom Telefon ihres Sohnes, wünschten sich die Eltern von den Ermittlungsbehörden. Das Telefon wurde zusammen mit der Leiche im Fluss gefunden, befindet sich noch im Besitz der Polizei. Welche Hoffnungen setzt der Vater in eine Datenwiederherstellung?

„Wir müssten das wohl selbst veranlassen, das Telefon dafür aber erst einmal bekommen“, sagt Morgenstern. Was dann technisch noch möglich ist, sei fraglich. Dass die Polizei in den ersten Tagen nach Christians Verschwinden keine Funkzellenabfrage veranlasste, beschäftigt ihn viel mehr.

Gewöhnlicher Vermisstenfall?

Das wäre technisch möglich gewesen. Doch die Polizei beziehungsweise Staatsanwaltschaft Chemnitz veranlasste das nicht, handelte wie in einem gewöhnlichen Vermisstenfall. Ein Blick in den Paragrafen 100 der Strafprozessordnung zeigt Möglichkeiten und Grenzen einer Funkzellenauswertung.

Demnach handelt es sich um eine der Strafverfolgung dienende Ermittlungsmaßnahme. Damit werden - verdeckt - Verkehrsdaten von Mobilfunkteilnehmern erhoben. So soll die Identität eines noch unbekannten, einer erheblichen Straftat Tatverdächtigen geklärt werden.

Funkzellenauswertung nur bei Verdacht einer Straftat

Absatz 2 regelt die strafprozessualen Voraussetzungen: Es müsse der Verdacht einer erheblichen Straftat vorliegen. Dabei genüge das Vorliegen eines gesteigerten Anfangsverdachts. Dieser muss weder dringend noch vollständig konkretisiert sein – so steht es in der Strafprozessordnung.

Der Staat gibt seinen Behörden mit der Funkzellenauswertung also ein Instrument in die Hand zur Verfolgung eines Tatverdächtigen oder Beschuldigten. Den gibt es im Fall Morgenstern jedoch nicht, nur einen unter mysteriösen Umständen umgekommenen jungen Mann, und eine große Zahl von Menschen, die im Gegensatz zur Polizei ausgerechnet für den Selbstmord keinerlei Hinweise erkennen.

Keine Spurensicherung auf der Brücke

Die Funkzellenauswertung ist jedenfalls vom Gesetzgeber nicht dazu bestimmt, für Angehörige tot aufgefundener Menschen Klarheit zu schaffen. Es ist stattdessen ein Instrument für die Ermittler, wenn sie meinen, es existiere ein Täter, der ansonsten womöglich der Strafverfolgung entkommt.

Worüber sich die Eltern ebenfalls den Kopf zerbrechen: Es gab keinerlei Spurensicherung auf der Fußgängerbrücke, von wo ihr Sohn am Neujahrstag verschwunden sein soll. Mehr als einen Monat danach noch damit anzufangen, erscheine nicht besonders sinnvoll, überlegt sich der Vater.

Todesnachricht aus dem Internet

Neben dem Verlust ihres Sohnes haben die Eltern generell die Erfahrungen mit den ermittelnden Behörden zu verarbeiten, wie es die Mutter vorsichtig formuliert: Zum Übermitteln der offiziellen Todesnachricht bestellten Beamte die Eltern in den Polizeiposten in Leisnig, ohne Notfallseelsorger oder ähnliche Vorkehrungen.

Dort wurde ihnen unterbreitet, dass es sich bei der Leiche mutmaßlich um ihren Sohn handelt. Vom Leichenfund hatte die Mutter bereits zuvor von einer Freundin erfahren, dank Smartphone aus dem Netz, während einer gemeinsamen Autofahrt nach Hause. „Ich sah von der Seite das Handy-Display. Es war nicht zu übersehen. Das traf mich hart, wenn auch irgendwie nicht unvorbereitet.“

Zu ihrer weiteren Vorgehensweise steht die Familie mit einem Rechtsanwalt in Kontakt. Ob oder wie das Mobiltelefon nun noch verwertbare Daten hergeben kann, wird jetzt mit dem Juristen abgesprochen. Dirk Morgenstern hat das Gefühl oder auch die Hoffnung – erst wenn er selbst Beweise liefere, würden die Ermittlungen weiter geführt.

Von Steffi Robak

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