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Döbeln Krieg und Frieden – Waldheimer Modellbauer widmen sich ernsten Themen
Region Döbeln Krieg und Frieden – Waldheimer Modellbauer widmen sich ernsten Themen
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13:02 29.10.2019
Die Schrecken des Krieges im Modell dargestellt: Die Waldheimer Modellbauer arbeiten gerade an einem Diorama, das Szenen aus dem II. Weltkrieg abbildet. Quelle: Dirk Wurzel
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Waldheim

Hier wird Liebe zum Detail groß geschrieben. Und auch eine Tugend, die sich Geduld nennt. Modellbau ist nichts für Schnellfertige. Hannes zum Beispiel setzt gerade einen Porsche 934 zusammen, aus Einzelteilen im Maßstab 1:24. Hannes geht in die 9. Klasse und ist seit einem Jahr bei der IG Modellbau dabei, die Andreas Baumbach leitet. Der Bau des Rennsportwagen-Modells ist eine Friemelei, die sich bis in Baugruppen erstreckt, die man äußerlich gar nicht sieht: Motor und Getriebe.

Mit Airbrush lackiert der 14-jährige Ben das Modell einer Focke-Wulf Fw 190. Quelle: Dirk Wurzel

„Unser neuer Schwerpunkt sind geländegängige Fahrzeuge“, sagt Andreas Baumbach. Zwar haben Modellbauer auch schwimmfähige ferngesteuerte Schiffe gebaut. Aber – und das wirkt angesichts der Kriebsteintalsperre in Rufweite absurd – um sie fahren zu lassen, fehlt es an geeignete Stellen. „An der Talsperre geht das nur an der Seebühne. Wegen der vielen Veranstaltungen haben wir dazu nur selten Gelegenheit“, sagt der IG-Leiter. Darum also Autos, elektrisch angetrieben, sogar mit Allrad. Zu sehen war das Anfang September auf der Stock-Car-Rennstrecke in Hartha, wo sich die Waldheimer Modellbauer mit vielen anderen präsentierten, die diesem Hobby frönen.

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Ihr Domizil haben die Waldheimer Modellbauer an der Bahnhofstraße gefunden. Die Waldheimer Wohnungsbau- und Verwaltungsgellschaft hat ihnen die Räume eines ehemaligen Ladens zu Verfügung gestellt. Nur die Nebenkosten muss die IG tragen. Und wer sie hier besucht, sieht die Liebe zum Detail verwirklicht in den verkleinerten Nachbauten realer Szenen. Zum Beispiel in der Ferrari-Werkstatt, auf deren Boden nicht mal die Ölflecken fehlen. Eine weniger friedliche Szene zeigt einen Soldaten, der sich am Boden liegend krümmt. Ein Jeep und ein Panzer gehören genauso zu dieser Szene, wie das Modell einer zerschossenen deutschen Panzerabwehrkanone.

Sie gehört zu einem dreiteiligen Diorama – ein dreidimensionales Bild – deren drei Teile Szenen aus und nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen. „Frankreich 1940 – der Wahnsinn beginnt“, ist das erste Bild, „Frankreich 1944  – Das Ende vom Lied“ der zweite und „Schwerter zu Pflugscharen“ der dritte. „Krieg ist furchtbar, das brauchen wir nicht. Wir wollen Frieden“, sagt Andreas Baumbach zur Intention für dieses Diorama. Auch hier kommt es auf das Detail an. Tote und verwundete Soldaten gibt es nämlich nicht fertig zu kaufen. Die Modellbauer setzen sie aus Einzelteilen zusammen, geben ihn die richtige Farbe. Dazu haben sie eine kleine Lackierstation eingerichtet, mit einer Dunstabzugshaube als Belüftung. Hier lackiert Ben mit  Airbrush, was auf deutsch Luftpinsel heißt, das Modell einer Focke-Wulf 190, ein einmotoriges deutsches Jagdflugzeug aus dem II. Weltkrieg. 0,3 Millimeter dünn ist die Düse des Geräts, für feinere Strukturen gibt es auch eine Düse mit 0,1 Millimeter Durchmesser.

Der 14-jährige Ben handhabt diese Technik, als hätte er nie etwas anderes gemacht.  „Wie heißen die drei Tugenden des Modellbauers?  Geduld, Geduld und nochmals Geduld“, sagt der modellbaubegeisterte junge Mann.

Es gibt übrigens noch freie Plätze in der Modellbau-IG. Für Jugendliche sind zwei Arbeitsplätze vorhanden aber auch Erwachsene sind gern gesehen.

Von Dirk Wurzel