Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Krumbiegel singt, Höcke spricht – ohne Zwischenfälle auf dem Döbelner Obermarkt
Region Döbeln Krumbiegel singt, Höcke spricht – ohne Zwischenfälle auf dem Döbelner Obermarkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:57 08.08.2019
Breiter Protest gegen die AfD. Quelle: dpa-Zentralbild
Döbeln

Ohne große Zwischenfälle sind am Donnerstagabend zwei parallel verlaufende Kundgebungen in Döbeln zu Ende gegangen. Die AfD hatte auf dem westlichen Obermarkt eine Wahlkampfveranstaltung abgehalten, bei der ihr thüringischer Landesvorsitzender Björn Höcke sprach. 150 bis 200 Teilnehmer zählte diese Kundgebung laut Versammlungsbehörde Landratsamt. Das Bündnis „Döbeln ist bunt“ rief zur einer Gegendemo auf, die mit dem Prinzensänger Sebastian Krumbiegel auf dem östlichen Obermarkt startete. Rund 300 Menschen kamen zu dieser Veranstaltung, deren Motto „Hetze ist keine Alternative“ lautete.

Am Donnerstagabend hat die AfD eine Wahlkampfveranstaltung auf dem Döbelner Obermarkt durchgeführt. Als Redner gekommen war auch Björn Hocke, Chef des AfD-Landesverbandes Thüringen und Kopf des rechten Flügels der Partei. Dagegen stellte sich das Bündnis „Döbeln ist bunt“.

Zahlreiche Polizeikräfte sicherten beide Kundgebungen ab. In Höhe Commerzbank bildeten Beamte eine Sperre. Demonstranten, die gegen die AfD protestierten, hielten Schilder hoch und riefen in lauten Sprechchören. Unter anderem „Hau ab, Hau ab“ – an Björn Höcke gerichtet. Zeitweise drohte dort ein Polizeieinsatz, weil mehrere Teilnehmer aus Glasflaschen offenbar Bier tranken. Sowohl Alkohol als auch Glasflaschen waren auf beiden Veranstaltungen verboten. Ordner von „Döbeln ist bunt“ schritten ein und deeskalierten, als sich einige Rufer der Polizeisperre zu sehr näherten.

Klare Worte von Dr. Rudolf Lehle

„Natürlich sind wir gegen Nazis. Aber nicht alle, die da drüben stehen, sind Nazis. Wir müssen versuchen, die Leute zurückzuholen“, sagte Sebastian Krumbiegel, der mehrere Lieder sang, unter anderem „Die Demokratie ist weiblich“. Der Prinzensänger erklärte vor laut applaudierendem Publikum, dass er einige Zeit lang versucht habe, Pegida zu verstehen. „Aber als es um die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ging und die Pegida-Leute in Sprechchören riefen ,Absaufen, Absaufen’, da war es mit dem Versuch, zu verstehen vorbei.“ Krumbiegel verwies darauf, dass Teile der AfD mit Pegida „zusammenstehen“.

Sehr klare Worte fand auch der Direktkandidat der CDU für die Landtagswahl, Dr. Rudolf Lehle. Er richtete sich mit seinen Worten direkt an Björn Höcke: „Eine Schande ist nicht das Denkmal für die in Europa ermordeten Juden. Eine Schande ist, wie sie mit den Verbrechen der Nationalsozialisten und diesem Denkmal umgehen.“ Kein Teil der deutschen Geschichte sei nur ein „Vogelschiss“. Weder die braune, noch die rote Diktatur. Statt zu hetzen, sollte ein Gymnasiallehrer die Vielgestaltigkeit der deutschen Geschichte vermitteln. Dazu gehören laut Dr. Lehle Höhen, wie die deutschen Dichter und Denker, die in Weimar beheimatet waren. Dazu gehörten aber auch dunkelste Tiefen, wie das Nazi-Konzentrationslager in Buchenwald bei Weimar. „Sie reden von 1000 Jahren deutscher Geschichte, dass sie sich weitere 1000 Jahre wünschen und nehmen dabei Bezug auf ein Reich des Bösen“, sprach Lehle Höcke an, der nur wenige Meter entfernt seine Rede hielt.

Tändler-Walenta: „AfD will Sozialstaat abschaffen“

„Während sie euch ablenken, rauben sie euch aus“ – dieses Obama-Zitat sprach Landtagsabgeordneter Henning Homann (SPD) aus und nahm damit Bezug auf den Rechtspopulismus in Europa. Die Menschen sollten darauf schauen, was passiert, wenn diese Rechtspopulisten regieren. Homann: „In Ungarn werden unabhängige Gerichte abgeschafft, in Italien wird die Seenotrettung kriminalisiert und in Österreich der Zwölf-Stunden-Arbeitstag beschlossen.“

Die Landtagskandidatin der Linken, Marika Tändler-Walenta, kritisierte die AfD-Vorschläge beim Steuerrecht und in der die Familienpolitik. „Das bedeutet die Abschaffung des Sozialstaates!“ Die AfD sei eine rassistische, rückschrittliche Partei, die ins Mittelalter gehöre. Und der Döbelner Stadtrat der Grünen, Berno Ploß, rief auf: „Komm vom Sofa hoch, wenn dich was stört, belasse es nicht beim Meckern. Habe den Mut, das Wort ,Gutmensch’ als Ehrentitel anzunehmen.“ Bläser spielten zwischen den Wortbeiträgen Musik, Trommler trommelten.

Mit einer Friedensandacht mit Pfarrer Lutz Behrisch endete die Gegendemonstration. Die Teilnehmer gingen mit brennenden Kerzen ein Stück in Richtung der AfD-Kundgebung.

Mit einer Friedensandacht mit Pfarrer Lutz Behrisch endete die Gegendemonstration. Die Teilnehmer gingen mit brennenden Kerzen ein Stück in Richtung der AfD-Kundgebung.

Kuppi fordert: Weg mit der GEZ

Björn Höcke auf der anderen Marktseite hatte zahlreiche Vorredner. In deren Beiträgen spielte die Energiepolitik eine wichtige Rolle, durchzog quasi alle Reden. „Wir müssen den Braunkohleausstieg rückgängig machen, wir machen doch unsere eigene Wirtschaft kaputt“, sagte der Kreisrat, Waldheimer Stadtrat und Landtagskandidat für den Wahlkreis 22, Christian Wesemann. Er bezeichnete zudem Bundeskanzlerin Merkel als „kinderlosen Zitteraal.“ Lars Kuppi, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Döbeln, sprach davon, wie sehr ihm die innere Sicherheit am Herzen liege. Die Polizei sei kaputt gespart worden, so der Polizist. Die CDU sei die heutige SED, die restlichen „Altparteien“ würden die Rolle der Nationalen Front spielen. Diese gehörten für die nächsten 30 Jahre in die Opposition. Auch der öffenlich-rechtliche Rundfunk bekam sein Fett weg, dieser würde mit seiner Berichterstattung die Gesellschaft spalten. „Weg mit der GEZ“, forderte Lars Kuppi. AfD-Kreisrat Mike Moncszek wiederum lobte die gute Zusammenarbeit mit der CDU auf kommunaler Ebene, die sich in der ersten Kreistagssitzung am Mittwoch gezeigt habe.

Nazis bei AfD-Kundgebung

Und dann redete die Hauptperson, teilweise sehr lautstark. „Diese Demokratie hat keine Alternative mehr“, sagte der thüringische AfD-Landeschef Björn Höcke, der auf Einladung Lars Kuppis nach Döbeln gekommen war. Die Gegendemo bezeichnete er als „Veranstaltung der Kartellparteien.“ Der Kampf gegen rechts ist für ihn „ein Kampf gegen die bürgerliche Mitte.“

In den Reihen der Teilnehmer der AfD-Kundgebung waren einige Rechtsextreme zu sehen, darunter der Döbelner Ex-NPD-Stadtrat Stefan Trautmann mit mindestens einem seiner Getreuen, die regelmäßig Westenshows veranstalten, sprich in speziellen Westen Streife laufen, oder zumindest vorgeben, dies zu tun. „Schutzzonen“ nennen diese Aktivisten das. Auch eine „Roßwein-wehrt-sich“-Fahne flatterte auf der AfD-Kundgebung.

Wunsch ging in Erfüllung

Döbelns neuer Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) verfolgte das Geschehen von der neutralen Mitte zwischen den beiden Veranstaltungsräumen. Kaum im Amt, hatten er und die Mitarbeiter seines Ordnungsamtes eine solche Großlage zu begleiten. Liebhauser zeigte sich am Ende erleichtert, dass die Lage friedlich blieb und sich sein Wunsch vom Donnerstagnachmittag erfüllt hatte.

Von Olaf Büchel, Dirk Wurzel, André Pitz

Die ganze Stadt kennt ihn als den „Sheriff“. Nun ist Bernd Hoffmann aus Leisnig gestorben – der Marlboro-Man mit der Einkaufskarre. Er hat viel erzählt, aber nicht jedem alles.

09.08.2019

Wahrscheinlich war es ein junger Mann, der am 2. Juli einen Großeinsatz von Feuerwehren aus der Region Riesa und Oschatz ausgelöst hat. Die Polizei veröffentlicht nun ein Phantombild.

08.08.2019

Die Bahn steckt einen kleinen fünfstelligen Betrag in den Waldheimer Bahnhof. Das ist aber nur ein Bruchteil von dem, was ein anderes Bauvorhaben in Waldheim kostet.

08.08.2019