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Döbeln Leisnig: Luthers Bankgeheimnisse
Region Döbeln Leisnig: Luthers Bankgeheimnisse
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16:07 19.04.2018
Für Sachsens Luther-Weg: Im Künstlergut Prösitz entwerfen ambitionierte Laien um die Leipziger Künstlerin Rosi Steinbach Deko-Motive für zwei Steinbänke. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig/Prösitz

Sie weisen den Weg in die Vergangenheit: Unter der Glasur von Kacheln aus Keramik schlummern Schnabelschuh und Narrenkappe – Utensilien aus dem Mittelalter. Bald zieren sie zwei gemauerte Bänke am Leisniger Kirchplatz, und damit am Lutherweg. Die Motive entstehen im Rahmen sozialisierter Kunst.

Ein Narr, der Schlimmes dabei denkt – eins der handgezeichneten Motive für eine der Leisniger Steinbänke. Quelle: Bartsch Bartsch

Neben den Künstlern wirken ambitionierte Laien mit

Spuren wollen die Mitwirkenden hinterlassen – auf einem Weg durch Sachsen, der einiges zum Entdecken bietet. Die Akteure aus dem Künstlerhaus Prösitz arbeiten derzeit an der Dekoration für zwei aus Stein gemauerten Bänken. Diese sollen am Leisniger Kirchplatz zum Verweilen einladen. Neben hochrangigen Künstlern arbeiten ambitionierte Laien am Projekt mit. Das ist eine der besonderen Facetten des Vorhabens: Umgesetzt wird es als „sozialisierte Kunst“.

Die Leipziger Künstlerin Rosi Steinbach (4.v.links)im Gespräch mit weiteren Projektbeteiligten im Künstlerhaus Prösitz. Quelle: Sven Bartsch

Jede kreative Hand willkommen

Was das heißt, bemerkt der Besucher des Künstlerhauses, sobald er den Blick schweifen lässt: Aus allen Ecken der Werkstatt sprüht Kreativität. Skulpturen von Tieren und Menschen bevölkern Regale und Simse. In Krügen gebündelte Pinsel und Bleistifte warten darauf, von kreativen Händen übers Papier geschwungen zu werden, damit sich Ideen in einem nächsten Kunstwerk manifestieren.

Zeichenkursleiterin Ute Hartwig-Schulz mit einem der Entwürfe: eine Quelle: Sven Bartsch

Sozialisierte Kunst: Alle mit dabei

Im Künstlerhaus in Prösitz tun das beispielsweise die rund 15 Mitglieder vom Donnerstagskurs um deren Leiterin Ute Hartwig-Schulz. Treffender als hier kann das Projekt „Kunst am Lutherweg“ kaum verortet sein. Im Kurs wird reichlich Vorarbeit geleistet. Der Kursleiterin ist der Stolz auf ihre kreative Gruppe anzumerken. In der Altersspanne vom Kind bis zur betagten Dame sind kreative Köpfe versammelt.

Oschatzer Schuhmacher und Leisniger Näherin dabei

Die älteste unter den teils äußerst versierten Zeichnerinnen ist die 90-jährige Gisela Mühsberg. Und weitere Akteure sind eingebunden: Damit die Zeichner einen Schnabelschuh so vor Augen haben, wie er in natura aussieht, fertigte der Oschatzer Schuhmacher Rocco Eichler einen derartigen Schuh für das Projekt. Aus Leisnig stößt Gabi Schneeweiß zum Projekt dazu. Sie kann Kleidung aller Epochen nähen, auch fürs Leisniger Burg- und Altstadtfest zum Beispiel. Mit ihren Kostümen reist sie nach Prösitz. Wie die Falten einer Pluderhose oder eines hochherrschaftlichen Kleides fallen, studierten die Prösitzer direkt am Objekt.

Gabi Schneeweiß (links) aus Leisnig näht mittelalterliche Kleider nach historischem Vorbild. Sie bringt ein Kostüm zum Abzeichnen vorbei. Quelle: Bartsch Bartsch

Künstlerin wählt Motive aus

Auf einem Tisch sind Skizzen ausgebreitet. Gegenstände, Figuren, Szenen, welche die Zeichner mit dem Mittelalter verbinden: Ein Schnabelschuh, ein Reiter hoch zu Ross, eine verzierte Brosche, ein Narr, eine vornehme Dame in opulenter Robe – aus den Zeichnungen wird die Leipziger Künstlerin Rosi Steinbach die geeigneten Motive auswählen. Bedingung: Sie müssen auf Keramikkacheln darstellbar sein. Steinbach brennt sie als Fayencen auf die Keramik.

Kacheln zieren Leisniger Sitzbänke

Als Fayencen mit einer Glasur versehen, zieren die Kacheln eines Tages zwei Steinbänke an einer Stelle, an welcher der durch Leisnig verlaufende Lutherweg vorbeiführt. Am Kirchplatz, von wo sich ein Blick hinweg über das Muldental bietet, werden sie aufgestellt. Das ist dann im Übrigen gar nicht so weit entfernt von der Stelle, wo Martin Luther zumindest mutmaßlich wohnte, als er Leisnig persönlich besuchte. Das war in den Jahren 1522 und ´23.

Projektträger Verein Schaddelmühle

Künstlerischer Leiter des Projektes „Reformation und Kunst“ ist Frank Brinkmann, Initiatorin und Projektleiterin Iris Schönbrodt. Beide kommen vom Kulturverein Schaddelmühle als Träger des Projektes. Für Iris Schönbrodt erfüllt sich ein lange gehegter Wunsch. Wie sie sagt, liegt die Planung schon länger in der Schublade.

Iris Schönbrodt vom Verein Schaddelmühle leitet das Projekt. Den Schuh fertigte Rocco Eichler aus Oschatz. Quelle: Bartsch Bartsch

Als touristische Ziele vermarkten

„Die Idee ist, mit professionellen Künstlern sowie künstlerisch interessierten Laien aller Altersklassen und gesellschaftlicher Schichten markante Anlaufpunkte entlang des Lutherwegs zu schaffen. Bereits während der Entstehung der Kunstwerke zählt der verbindende Gedanke. Sind die Kunstwerke eines Tages alle installiert, laden sie die Lutherwegswanderer zum Verweilen ein.“ Zudem könnten sie als Zwischenziele angesteuert sowie touristisch vermarktet werden.

Per Smartphone Martin Luther folgen

Sie kann sich gut vorstellen, dass die Kunstwerke künftig bei geführten Wanderungen angesteuert werden. Dann bekommen die Lutherwegwanderer vielleicht noch eine kleine schriftliche Publikation in die Hand, etwas, worauf sie zurückgreifen, über ihr Erlebnis erzählen und es an Interessierte weitergeben können. Zudem existiert die Idee, an den Objekten QR-Codes anzubringen. Per Smartphone gescannt, führen diese Codes direkt ins Netz, wenn jemand an einem der Lutherwegs-Kunstwerke Station macht.

Mit sozialisierter Kunst eigenes Potenzial entdecken

In Leisnig, aber auch in Grimma, Mügeln und Döbeln wird es im Rahmen des Projektes Kunstwerk an einer Stelle, wo der Lutherweg vorbeiführt, QR-Codes geben. Bis es so weit ist, werden sich in den kommenden Monaten weiterhin Menschen mit künstlerischer Ader zusammenfinden, um diese Art sozialisierter Kunst zu schaffen und dabei ihr Potenzial zu entdecken.

Projekt „Reformation und Kunst“

Initiator: Kulturförderverein Schaddelmühle

Ziel: regionale Aktivitäten zur gemeinsame Ausgestaltung des Lutherweges verknüpfen.

Personenkreis: interessierte Bürger aller Generationen, Stadtverwaltungen, Künstler, Künstlerhäuser, Kirche, um das Wirken Martin Luthers, anderer Reformatoren sowie der Frauen der Reformation entlang des rund 500 Kilometer langen Lutherweg in Sachsen zu beleuchten.

Projektpartner: die Kommunen Grimma, Leisnig, Mügeln, sowie Döbeln, Leader-Gebiet Leipziger Muldenland, Sachsenkreuz+, Sächsisches Zweistromland – Ostelbien, Künstlerhäuser Künstlergut Prösitz, Luthergesellschaft, Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland.

Kunstwerke und Künstler:

1. Lutherbank: Rosi Steinbach, Standort: Kirchplatz Leisnig;

2. Sphären-Globus: Stefan Knechtel, Standort: „Kleine Teiche“ in Döbeln, Ortsteil Ziegra

3. Skulptur „Die jungen Frauen“: E. Andreas Hartzsch, Standort: Eingangsbereich Kloster Marienthal, Sornzig;

4. Schriftobjekte: Juliane Köhler und Kerstin Schaefer, Standort: Grimma, Lutherwanderweg zwischen Schaddel und Grimma

Von Steffi Robak

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