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Döbeln Kurioser Diebstahl in Mischütz – Und schwups war das Baumhaus weg!
Region Döbeln Kurioser Diebstahl in Mischütz – Und schwups war das Baumhaus weg!
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16:31 18.05.2019
So sah das Baumhaus von Dirk Lehnertz bei der Anlieferung aus. Auf 1,60 Meter hohen Stelzen hat er es in den Hain gestellt, aber leider nie fotografiert. Quelle: privat
Mischütz

Der fünfjährige Richard zieht eine Schnute: Gerade drei Wochen stand sein Stelzenbaumhaus in 1,60 Meter Höhe in einem schönen Hain auf dem Freizeitgrundstück, dass sich sein Vater Dirk Lehnertz und dessen Vermieter teilen. Dann war es weg. „Die müssen direkt mit dem Hänger drunter gefahren sein. Wir haben es mit dem Radlader auf die Stelzen gehoben. Wie sie es runterbekommen haben – keine Ahnung“, sagt Dirk Lehnertz mit einer Mischung aus Verblüffung und Entsetzen.

Übrig geblieben ist nur ein einsamer Spanngurt, der das Haus gegen Wind sichern sollte und ein paar Reifenspuren im Gras. „Einen Gurt haben sie hier gelassen, den anderen mitgenommen. Wenn ich einen Rechen dazugestellt hätte, hätten sie noch das Gelände geharkt, dass man gar nichts mehr sieht“, meint der 43-Jährige mit Galgenhumor.

Hier stand es, das Baumhaus von Dirk Lehnertz und Sohnemann Richard. Sie verziehen traurig das Gesicht – der Baumhain war ideal für ihr Stelzenhaus, von dem es im fertigen Zustand nicht einmal ein Foto gibt. Quelle: Sven Bartsch

Wirklich alles haben die Diebe mitgehen lassen. Zwei Blumentöpfe hingen vor dem Haus im Geäst – auch sie wurden sauber abgenommen und eingesackt. „Hätten sie noch zwei Wochen gewartet, wäre ich mit der Einrichtung fertig gewesen, dann hätten sie es komplett gehabt“, sagt Lehnertz.

Erst seit Ostern stand das Haus – rund 1,70 Meter hoch, auf 1,60 Meter hohen Stelzen. Richard hatte schon fleißig darin gespielt – allein ein Foto vom fertig aufgebauten Haus hatte der Papa noch nicht gemacht. Lediglich bei der Anlieferung hatte er es noch auf einem Transporter fotografiert. Wochenlang hatte Dirk Lehnertz gesägt, gehämmert und gegraben, bevor das Haus an seinem Platz stand. Wer hätte auch ahnen können, dass er nicht mehr dazu kommt, ein Bild davon zu machen? „Die Materialkosten sind da das Wenigste. Aber die vielen Stunden Arbeit kann ja keiner mehr ermessen“, meint er enttäuscht.

Kuriose Diebstahlfälle in Sachsen

Eine Firma im Landkreis Mittelsachsen teilte an einem Morgen im Frühjahr 2018 mit, dass Unbekannte einen Radlader vom Firmengelände gestohlen hatten. Dessen GPS-Ortung habe ergeben, dass das Baugerät sich über die Autobahn A4 bewege. Gut zweieinhalb Stunden später war der Fall geklärt. Ein Mitarbeiter hatte den GPS-Sender aus dem Radlader ausgebaut und mit der Post verschickt. Allerdings hatte er vergessen, den Alarm zu deaktivieren.

Ein 37-Jähriger versuchte im Mai 2018 in einem Leipziger Supermarkt auf vermeintlich clevere Art und Weise sein Hungergefühl zu stillen. Erst zog er sich in einem unbemerkten Moment die Jacke einer Mitarbeiterin über, um dann als Ablenkungsmanöver die Zugangstüren zu den Mitarbeiterräumen zu öffnen, so dass der Alarm ausgelöst wurde. Dadurch hegte er die Hoffnung, dass die Ladendetektive abgelenkt werden, er anschließend ungestört eine Packung Eclairs verzehren und dabei den Supermarkt in aller Ruhe verlassen kann. Beim Verlassen des Geschäftes in seiner geborgten Mitarbeiterbekleidung wurde er jedoch von einem der Ladendetektive angesprochen und ihm die Backwaren abgenommen.

Ein kurioser Diebstahl ereignete sich im Juni 2017 in der Kleingartenanlage „Am Kreuzberg“ im Zwickauer Ortsteil Oberplanitz. Die Pächter eines Schrebergartens zeigten bei der Polizei an, dass ihnen der neu gekaufte, blau-weiße Pool gestohlen wurde. Zusätzlich fehlten die Umwälzpumpe und anderes Zubehör. Die Diebe schienen Zeit gehabt zu haben: Der Pool stand schon aufgebaut und mit Wasser befüllt in dem Garten. Das Wasser wurde abgelassen und das Material eingepackt.

Bundespolizisten retteten werdenden Eltern im Mai 2015 in Chemnitz das Familienauto, das ihnen während der Entbindung ihres Nachwuchses gestohlen worden war. Der frischgebackene Vater eines Sohnes hatte das noch gar nicht bemerkt, als die Beamten ihm den Autoschlüssel brachten.

Am 7. Mai war der Maurer nach Feierabend gegen 17.30 Uhr auf dem ausgedehnten Freizeitgrundstück gewesen – da stand das Haus noch. „Am nächsten Tag rede ich nach der Arbeit mit meinem Nachbarn und plötzlich fragt er mich, ob ich das Haus weggeräumt habe. Sein Sohn war am Morgen dort gewesen und da war es verschwunden“, erzählt er. „Mit Richard bin ich dann hingefahren. Er guckte nur ins Leere und meinte: ,Mein Haus!‘ und dann: ;Zum Glück sind jetzt die Wespen weg.‘“, erinnert sich der Familienvater.

Die Stellen, wo die Stelzen standen, sind noch zu sehen – fein säuberlich zugeschüttet von den Dieben. Quelle: Sven Bartsch

Die Wespen hatten sich erst kürzlich eingenistet. Wahrscheinlich sind die nun auch bei den Dieben. Inzwischen habe Richard realisiert, dass das Haus weg ist und nicht wiederkommt, meint Dirk Lehnertz. „Wann kriegen wir ein Neues?“, fragt er ein paar Mal. „Ich kaufe nicht für die ganze Gegend Häuser“, sagt der Papa. „Das Thema liegt erstmal auf Eis.“

Zunächst solle das Grundstück besser gesichert werden. „Im Dorf hat niemand etwas vom Diebstahl bemerkt. So etwas fällt ja auf, wenn einer ein Haus auf dem Hänger hat. Sie müssen also eine wilde Ausfahrt genommen haben oder mitten in der Nacht durch den Ort gefahren sein“, vermutet Dirk Lehnertz.

Zwei leicht gelbe Streifen im grünen Gras, hinterlassen von den Reifen des Diebesfahrzeugs, sind alles, was auf den Baumhausklau hinweist. Quelle: Sven Bartsch

Nun will er zusammen mit seinem Vermieter, dem das mehrere Hektar große Stück Grün mit Bäumen und einem Bauwagen, in dem die Familien an Wochenenden übernachten wollen, gehört, das Land besser schützen. Ein Zaun um das große Areal sei zu teuer. Daher habe man auch die Polizei nicht verständigt. „Die machen nichts, weil das Gelände öffentlich zugänglich ist“, sagt Lehnertz.

Vor die einzige Zufahrt soll nun ein Gatter gebaut und eine Wildtierkamera installiert werden, die vom Handy aus gesteuert werden kann. Zudem sollen jegliche Besucher des Grundstücks verwiesen werden.

Dass dadurch Spaziergänger ein Ausflugsziel verlieren, tut Dirk Lehnertz leid. Doch er sieht keinen Ausweg. „Es ist erstaunlich, was hier für eine Fluktuation herrscht am Wochenende. Es ist schade, weil wir das bislang geduldet haben. Aber das ist hier unser Rückzugsort“, sagt er.

Von Sebastian Fink

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