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Döbeln Landgericht Chemnitz verurteilt Automatenbomber zu Haftstrafen
Region Döbeln Landgericht Chemnitz verurteilt Automatenbomber zu Haftstrafen
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17:31 11.06.2019
Die Angeklagten Riccardo S. (l.) und Rico D. mit ihren Verteidigern Rechtsanwalt Dr. Andreas Maier (S.) und Rechtsanwalt Ulf Israel (D.) im Landgericht Chemnitz. Quelle: Härtelpress
Chemnitz/Region Döbeln

Zwei Biografien, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Mit Riccardo S. (39) saß ein Mann auf der Anklagebank im Landgericht Chemnitz, der die Höhen und Tiefen des Lebens genau kennt. Kriminell als Jugendlicher und hafterfahren, lebte er zwölf Jahre straffrei. In dieser Zeit arbeitete er als Koch in Fuerteventura und in der Schweiz. Im Land der Eidgenossen verdiente er zuletzt im Gleisbau gutes Geld.

Hauptschulabschluss, keine Ausbildung, kein Job

Aber nach der Trennung von seiner Freundin zog es ihn nach Deutschland zurück, wo die Frau lebte. Offenbar kam er nicht von ihr los. S. lebte zuletzt in Lommatzsch, wo er Rico D. kennenlernte. Der hat in seinem Leben noch nie richtig gearbeitet, den Hauptschulabschluss erst mit 22 gemacht und Ausbildungen abgebrochen. Allerdings ist er nicht so massiv vorbestraft wie S., der als junger Mann wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und anderer Delikte im Gefängnis saß. Bis er in Untersuchungshaft kam, hatte D. überhaupt keine Gefängniserfahrung. Gerichte verurteilten ihn lediglich dreimal wegen Diebstahls und eines Drogenvergehens zu Geldstrafen, die letzte (50 Tagessätze zu 13 Euro) aus 2018 ist noch offen und geht auch nicht in der Gesamtstrafe mit auf, die die 1. Große Strafkammer für die Automatensprengungen in Wurzen, Mittweida, Naunhof, Glauchau und Gröditz verhangen hat.

Maßregelvollzug zur Drogentherapie

Drei Jahre und acht Monate Haft gab es für das viermalige Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, jeweils in Tateinheit mit gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Diebstahls beziehungsweise versuchten Diebstahls jeweils im besonders schweren Fall. Versuch deshalb, weil die Männer nicht überall Beute machten. S. hatte bereits bei der Polizei umfassend gestanden, auch seinen Mittäter benannt. Ihn verurteilte das Gericht ebenfalls zu drei Jahren und acht Monaten Haft Gesamtstrafe wegen des fünfmaligen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion jeweils in Tateinheit mit gemeinschädlicher Sachbeschädigung und vollendetem beziehungsweise versuchtem Diebstahls im besonders schweren Fall. Außerdem ordnete die Kammer an, dass S. im Maßregelvollzug zur Drogentherapie untergebracht wird. Das wollte er selber so und außerdem hat Dr. Thomas Kasten, der psychiatrische Sachverständige, dies auch befürwortet.

Geständnisse sparen Aufwand

„Der Gesetzgeber eröffnet für diese Explosionsverbrechen nicht umsonst einen hohen Strafrahmen von einem bis zu 15 Jahren. Da hätte richtig was passieren können“, sagte Richter Bernd Bräunlich, stellvertretender Vorsitzender der 1. Großen Strafkammer, als er das Urteil der Kammer begründete. In einem Umkreis von 20 Metern sind solche Tschechen-Böller vom Typ Super Cobra 12 für Menschen gefährlich. Zwar hatten die Angeklagten die Tatorte vorher ausgespäht, aber ganz ausschließen konnten sie nicht, dass durch die Explosionen Menschen hätten zu Schaden kommen können, sagte Richter Bräunlich. Die Kammer rechnete beiden Angeklagten die Geständnisse hoch an. „Die Geständnisse haben es uns erspart, bis in die kleinste Verästelung der Ermittlungen zu gehen. Das hätte mehrere Tage dauern können“, sagte Richter Bräunlich.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Bei Verfahrensabsprachen – und eine solche lag hier zugrunde – dürfen Staatsanwaltschaft und Verteidigung nicht gleich erklären, auf Rechtsmittel zu verzichten.

Von Dirk Wurzel

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