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Döbeln Landrat von Mittelsachsen: „Es kann keine Lockerung geben“
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Landrat von Mittelsachsen: „Es kann keine Lockerung geben“

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18:40 24.11.2020
Die Zahl der bestätigten Coronafälle im Landkreis Mittelsachsen ist auf 3438 gestiegen.
Die Zahl der bestätigten Coronafälle im Landkreis Mittelsachsen ist auf 3438 gestiegen. Quelle: imago images/MiS
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Mittelsachsen/Döbeln

Die Zahl der bestätigten Coronafälle im Landkreis ist um 70 auf 3438 gestiegen (Stand Dienstag, 12 Uhr). Aufgeschlüsselt auf die Regionen bedeutet das: Altkreis Mittweida 1138 (+27), Altkreis Döbeln 477 (+11) und im Altkreis Freiberg 1823 (+32). In den mittelsächsischen Kliniken werden aktuell 107 Personen stationär behandelt, elf weniger als am Vortag. Beatmet werden müssen acht Personen, das war eine weniger als am Montag. Der Inzidenzwert in Mittelsachsen liegt bei fast 264. Im Landkreis befinden sich derzeit 2467 Personen in Quarantäne.

Landrat appelliert an Bevölkerung

Der Inzidenzwert liegt laut Sozialministerium in Mittelsachsen bei knapp 264. Dieser Wert gibt wieder, wie viele Personen sich innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner infiziert haben. Angesichts des anhaltend hohen Wertes appelliert Landrat Matthias Damm (CDU) an die Bevölkerung: „Bitte beachten Sie die AHA-Regeln. Sie sind ein ganz wichtiges Grundelement, sprich Abstand-Hygiene-Alltagsmaske. Jeder kann einen etwas zur Senkung der Neuinfektionen beitragen.“ Gespannt schaue auch er auf das Treffen der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Vertretern der Bundesländer am Mittwoch. In der Folge werde es eine neue Sächsische Corona-Schutzverordnung geben, wahrscheinlich Ende der Woche. „Bei den aktuellen Zahlen kann es keine Lockerungen geben.“

Schwere Fälle bringen Gesundheitssystem an seine Grenzen

„Hintergrund ist dabei, eine medizinische Versorgung zu sichern, denn die Kliniken kommen an ihre Grenzen“, so Damm. Das Niveau der stationär behandelten Patienten im Landkreis liege mit über 100 sehr hoch, hinzu kämen Ausfälle beim Personal. Das Einsetzen von Koordinatoren für die Verteilung der Patienten in den Gebieten der ehemaligen Regierungsbezirke ist laut Damm wichtig, um die einzelnen Kliniken nicht zu überlasten. So werde beispielsweise der ganze ehemalige Regierungsbezirk Chemnitz bei der Krankenhausbelegung betrachtet. Landrat Damm steht nach eigenen Angaben mit den kommunalen Häusern in regelmäßigem Kontakt. „Die Patienten sind nach deren Aussagen mitunter schwerstkrank und benötigen intensive Pflege, auch außerhalb der Intensivstationen. In diesem Zusammenhang bedanke ich mich ausdrücklich bei den Beschäftigten der Krankenhäuser für ihren Einsatz.“ Gleiches gelte in den circa zehn betroffenen Pflegeeinrichtungen in Mittelsachsen und für deren Beschäftigte. Positiv sei, dass der Rettungsdienst trotz der aktuellen Situation weiterhin ohne Störungen funktioniert. Landrat Damm: „Ohne Frage, bei vielen verläuft Corona milde, ein gewisser Anteil hat auch keine Symptome und kann dennoch ansteckend sein. Aber die schweren Fälle bringen das Gesundheitssystem an seine Grenzen.“

Verzögerung bei Kontaktaufnahme

In dieser Woche erhielt das Gesundheitsamt erneut personelle Unterstützung, wie Landratsamts-Sprecher André Kaiser informiert. Demnach handelt es sich um insgesamt fünf Beschäftigte – vier vom Land und eine vom Bund. Seit der vergangenen Woche arbeiten auch sieben Studenten der Fachhochschule Meißen mit. Darüber hinaus gebe es weiterhin Unterstützung von der Bundeswehr. Diese habe ihren Einsatz zunächst bis Mitte Januar verlängert. Weitere Unterstützung vom Land sei zugesagt worden. „Wir sind sehr dankbar für die Hilfe, die zusätzlichen Kräfte werden alle intensiv eingearbeitet“, erklärt Landrat Damm. Trotz der personellen Verstärkung komme es zu Verzögerungen bei der Kontaktierung der positiven Fälle. Daher der dringende Appell, sich bei einem positiven Befund sofort abzusondern und zu isolieren.

Schwerpunkt Pflegeeinrichtungen

Gleichzeitig könne die betroffene Person die potenziellen Kontaktpersonen notieren. Dabei seien folgende Zeiträume zu berücksichtigen: Wer symptomfrei ist, der muss den Zeitraum von zwei Tagen vor der Testung berücksichtigen. Wer Symptome hat, für den gilt es, die Zeit bis zwei Tage vor dem Beginn der ersten Symptome zu berücksichtigen. Neben dem Namen werden auch Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse benötigt. „Eine konkrete Einordnung nimmt dann das Gesundheitsamt vor,“ heißt es aus der Behörde. Entsprechend der neuen Testverordnung würden nicht in jedem Fall Kontaktpersonen der Kategorie 1 getestet, sondern das geschehe in der Regel nur bei Symptomen. Ein Schwerpunkt der Testungen liegt nach Angaben des Gesundheitsamtes bei Pflegeeinrichtungen, da dort Risikogruppen betroffen sind.

„Unabhängig von den Gemeinschaftseinrichtungen können bei Einzelpersonen nicht in jedem Fall Infektionsketten nachvollzogen werden. Oft gab es Ansteckungen im Arbeitsumfeld oder im privaten Bereich“, sagt Landrat Matthias Damm. Daher sein nochmaliger Appell zur Einhaltung der Hygiene-Regeln.

Chatabend zum ländlichen Bauen

Am Mittwochabend in der Zeit von 18 bis 20 Uhr steht Bauherren und Nestbauern wieder ein Chat-Team bestehend aus Nestbau-Zentrale und mittelsächsischen Unternehmern zur Verfügung. Das teilt das Landratsamt Mittelsachsen mit. Unter www.nestbau-mittelsachsen.de können dann Fragen zum ländlichen Bauen und zur Rückkehr in den Landkreis gestellt werden. „Eine Anmeldung ist zum Chatabend nicht erforderlich. Die Besucher der virtuellen Messe finden einen blauen Chatbutton vor und können so direkt ihre Fragen stellen“, sagt Anja Helbig. Sie und ihr Team sind im Auftrag des Landkreises seit 2016 für das Netzwerk ländliches Bauen zuständig. „Jeder Messestand hat den direkten Draht zu den Fachleuten aus Mittelsachsen“ erklärt sie weiter. Umrahmt von einem Mittelsachsenpanorama gibt es auf der Terrasse der kleinen Baumesse Fachvorträge zur Geothermie, zu Baubiologie und -finanzierung. Die virtuelle Messe ländliches Bauen ist noch bis Jahresende online. Ursprünglich war die Messe Anfang November in Halsbrücke geplant.

Von Olaf Büchel