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Döbeln Laubenbrand in Waldheim: Angeklagte erinnern sich nicht mehr
Region Döbeln Laubenbrand in Waldheim: Angeklagte erinnern sich nicht mehr
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17:58 22.08.2018
Nur Asche und verkohltes Holz blieb von der Gartenlaube in Waldheim übrig, die zwei junge Männer abgefackelt haben sollen. Vor Gericht können sie sich an nichts erinnern. Quelle: Sven Bartsch
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Waldheim/Döbeln

Sie hing doch sehr an dem Garthäuschen. Aber die Flammen raubten einer Mittsiebzigerin aus Waldheim die Laube. In der Nacht auf den 12. April 2017 brannte sie nieder. Schaden: 9 500 Euro. „Um Spuren zu verwischen, entschlossen sich die Angeklagten, die Laube niederzubrennen“, las der Staatsanwalt aus der Anklage vor. Zuvor hätten die beiden andere Gartenhäuser nach stehlenswerten Gegenständen durchsucht und drei Flaschen Bier mitgehen lassen. Diese hätten sie in der Brandlaube getrunken. Zudem sollen sie auch ein Trampolin angezündet und Scheiben eingeschmissen haben.

Bier und Schnaps

„Es fing mit einem Trinkgelage an, bei dem reichlich Alkohol floss“, führte Rechtsanwalt Thomas Hagen Fischer aus, der den heranwachsenden Angeklagten verteidigt – einen 20-jährigen Waldheimer. Zunächst zu dritt, wäre Rechtsanwalt Fischers Mandant mit dem anderen Angeklagten (22) in die Gartenanlage gegangen. „Seine Erinnerung beginnt erst dann wieder, als sie auf einer Wiese aufwachten, weil es zu regnen begann“, so der Verteidiger des 20-Jährigen weiter. Auch der 22-Jährige sagte, dass er sich an nicht mehr viel erinnern könne. Er bestätigte, dass der Alkohol an diesem Abend reichlich floss. Bier und Schnaps (Jack Daniels Pur) hätten sie getrunken gehabt. „In der Waldheim-Gruppe auf Facebook gab es einen Eintrag. Wenn ich den Hurensohn erwische, der meine Laube angezündet hat..., stand da. Wir sind dann hin und haben gesagt, dass es wohl sein könnte, dass das auf unserem Mist gewachsen war“, sagte der junge Mann.

Bei der Polizei anders ausgesagt

Den Facebook-Eintrag hatte wohl die Enkelin der Seniorin verfasst, die ihr geliebtes Gartenhäuschen eingebüßt hat. Bei der Polizei hatte der 22-Jährige anders ausgesagt. „Als der Alkohol alle war, wollten wir gehen. Wir hörten die Feuerwehr und sahen eine riesige Rauchsäule. Wir hatten eine Scheißriesenangst, weil wir Scheiße verbockt haben“, hielt Richterin Marion Zöllner, die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts, dem Angeklagten vor. Rechtsanwalt Fischer befragte den Angeklagten und führte dabei die Theorie ins Feld, dass die beiden auch beeinflusst worden sein könnten, dies so auszusagen. Denn zwischen Brand und Beschuldigtenvernehmung lagen zwei Wochen. Beim Aufräumen in der Sparte hatten die beiden geholfen. Der Ältere berichtete zudem, dass ihn ein Verwandter der Laubenbesitzerin bedrängt habe, den 20-Jährigen als Mittäter anzugeben.

DNA-Spuren an Zigarettenkippen

Dass der Ältere in der Kleingartenanlage war, belegen DNA-Spuren auf einer Zigarettenkippe. Eine weitere soll das LKA jetzt untersuchen und herausfinden, ob der genetische Fingerabdruck daran zum jüngeren Angeklagten gehört. Richterin Zöllner setzte die Hauptverhandlung daher aus. Sie startet zu einem späteren Termin komplett neu. Dann sollen auch die Beamten aussagen, die die Angeklagten als Beschuldigte vernommen hatten.

Von Dirk Wurzel

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