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Döbeln Leisnigs Bahnunterführung beschmiert
Region Döbeln Leisnigs Bahnunterführung beschmiert
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13:43 09.01.2018
Hassparolen und bunte Buchstaben in der Bahnunterführung – für Manfred Wehrmann aus Leisnig ein unhaltbarer Zustand. Quelle: Foto: Sven Bartsch
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Leisnig

So richtig einladend sieht es nicht gerade aus auf dem Leisniger Bahnhof. Die Unterführung, durch welche die Reisenden von Bahnsteig zu Bahnsteig gelangen, strotzt von Graffiti. Bunte Buchstaben und Farbflächen lassen auf eine gewisse Experimentierfreude schließen, wenngleich es sich trotzdem um Sachbeschädigung handelt. Gesprayte oder mit Edding aufgetragene Inschriften lassen unter anderem erkennen, dass hier im Schutze des Bahnsteig-Untergrundes ideologische Grabenkämpfe ausgetragen werden.

Verkehrte Verkehrspolitik rächt sich

Verbunden ist das mit den entsprechenden Beschimpfungen und Hassparolen. Von politisch jeweils links- oder rechtsaußen gelegenen Lagern wird die Oberhoheit über das Bahnhofsgelände in teils markigen Sprüchen schriftlich proklamiert. Zuletzt hatte dies Manfred Wehrmann öffentlich in einer Leisniger Stadtratssitzung beanstandet und die Ratsmitglieder ermutigt: „Treten Sie an die Mandatsträger ihrer Parteien heran, auf Bundes- und auf Landtagsebene. Wir müssen sie mit diesem Thema konfrontieren.“

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Wehrmann spricht von einer vollkommen verkehrten Verkehrspolitik: Die Bahn habe gewirtschaftet mit den Unternehmensbestandteilen, die Geld abwerfen und stieß die Bahnhofsgebäude beziehungsweise -gelände ab, deren Erhaltung Geld koste. Nun stünden die Kommunen mit dem Problem unansehnlicher Bahnhöfe da. Durch die Verkaufspolitik der Bahn würden zudem die Eigentumsverhältnisse von Grundstücken und Gebäuden an den Bahnstationen zunehmend verworren.

Eine Auswirkung für Leisnig: Das Straßenpflaster einer kompletten Ladestraße hatte der neue Eigentümer herausreißen lassen. Wer entlang der Mulde radelt, bewegt sich an dieser Stelle bei Regen ab jetzt in Schlamm und Schmutz. Die Entwicklung des Bahnhofsgebäudes und seines Umfelds wirft das um einiges zurück, wie zum Beispiel Erwin Feurer beklagte. Der Eigentümer des Bahnhofsgebäudes kämpfte ebenfalls mit ungebetenen Schmierereien, daneben mit Sachbeschädigung, Einbruch und Diebstahl. Selbst Anzeigen bei der Polizei hatten nichts geholfen, und Feurer kämpft weiter für die Belebung des Bahnhofsgebäudes.

Zuletzt hatten Wehmann und Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) Feurer in dem Objekt besucht, als er im Oktober dazu eingeladen hatte. Wehrmann lobt Feurers Engagement, das er trotz diverser Rückschläge an den Tag legt. Wehrmann betont, die Bahn möge ihrer Verantwortung nachkommen und für ein ansprechendes Umfeld auf dem ihr unterstehenden Gelände sorgen. Dazu gehören Bahnsteig und Unterführung. Die dort zu lesenden Parolen sind für Wehrmann jedenfalls nicht akzeptabel.

Gesondertes Unternehmen gegründet

Goth hatte zuletzt in Erwägung gezogen, sich mit einem Schreiben an das Unternehmen zu wenden, welches im Auftrag der Deutschen Bahn für die Ordnung und Sauberkeit zu sorgen hat. das macht die Bahn nämlich nicht mehr selbst, sondern hat dafür ein gesondertes Unternehmen gegründet: Die DB Station&Service AG. es handelt sich um eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG. Sie ist deutschlandweit für den Betrieb von rund 5400 Bahnhöfen verantwortlich. Sitz ist in Berlin, der nächste Standort in Leipzig. Ein Schreiben dort hin sei nach den Worten des Bürgermeisters noch nicht abgesendet, aber er habe das noch vor.

Einfach ist es im Übrigen nicht, bei der dortigen 3-S-Zentrale für Service, Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen jemanden zu erreichen, der über einen konkreten Bahnhof Auskunft geben kann. Zwar werden an der Hotline Hinweise etwa zu Verschmutzungen oder Sachbeschädigungen freundlich entgegen genommen. Wie es dann weiter geht, weiß die nette Dame an der Hotline jedoch nicht. Nach mehreren Telefonaten mit weiteren Beteiligten wird deutlich: Auch bei der Bahn selbst will wegen unklarer Eigentumsverhältnisse niemand eine voreilige Aussage treffen.

Von Steffi Robak

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