Littdorfer Museum ist für ein Jahr steinreich
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Littdorfer Museum ist für ein Jahr steinreich

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17:03 09.09.2020
Hand made: Diesen Tisch hat Peter Müller natürlich selbst gebaut. Aus Steinen, die er gesammelt und bearbeitet hat. Ein Bruchteil seiner großen Sammlung zeigt er in Littdorf. Quelle: Sven Bartsch
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Littdorf

Peter Müller ist steinreich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der 65-jährige Döbelner sammelt Steine, genauer gesagt Mineralien. Und weil er das seit 30 Jahren macht, hat er jede Menge davon in seinem Haus mit Grundstück in Sörmitz. Was sich da im Laufe der Jahre alles angesammelt hat und wie es der gelernte Maschinenbauer be- und verarbeitet, das zeigt er ab kommendem Wochenende in Littdorf. Im kleinen Museum des Niederstriegiser Heimatvereins bestreitet der steinreiche Senior die inzwischen dritte Sonderausstellung, die wie in den beiden Jahren zuvor zum Tag des offenen Denkmals eröffnet wird.

Zwei Tonnen Steine warten noch auf ihre Bearbeitung

Mit alten Bügeleisen aus dem Privatbesitz von Vereinsmitglied Peter Eberhardt fing vor drei Jahren in dem kleinen Extra-Raum direkt unter dem Dach alles an. Voriges Jahr drehte sich die Sonderausstellung dann um Apothekerzubehör. Für den „Mineralogischen Streifzug durch Sachsen“, wie die neue Ausstellung heißt, hat der Verein erstmals einen Ausstellenden gewonnen, der nicht dem Verein angehört. Für Peter Müller ist es auch die erste richtige Ausstellung. Das, was er zeigt, ist ein winziger Bruchteil seiner Sammlung. Etwa 600 Kilo gute Steine. Allein zwei Tonnen hat er zu Hause noch für eine weitere Bearbeitung daliegen.

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Am Sonntag wird Peter Müller interessierte Besucher des Littdorfer Heimatmuseums in die Welt der Steine entführen. Quelle: Sven Bartsch

Aus dem Hobby für den Sohn wird eigene Leidenschaft

Auf der Suche nach einem Hobby für seinen Sohn kurz nach der Wende war der Döbelner auf Steinsammlungen gestoßen, die man durch Einkäufe im Schreibwarenladen sukzessive ergänzen konnte. Bald sammelte nicht nur der Sohn, sondern auch die Eltern mit Begeisterung. Und zwar nicht im Geschäft, sondern in der freien Natur. Ausschließlich optisch schöne Steine und seltene Mineralien zeigt er in Littdorf. Alle in Sachsen gesammelt und von ihm selbst bearbeitet. Im Laufe der Jahre hat sich der Maschinenbauer verschiedene Steinschleifmaschinen selbst gebaut. Fünf bis sechs Arbeitsgänge braucht es nach den Durchsägen des oft unscheinbaren Steines, bis eine beeindruckende Oberfläche entstanden ist. Mittlerweile weiß Peter Müller, welche graue Hülle es lohnt mitzunehmen. Quarze, Malachite, Pyrite, Achat, Porphyr und vieles mehr hat in den Vitrinen unterm Dach des Heimatmuseums Platz gefunden. Auch ein schwarzer Turmalin, ein Schmuckstein, aus dem Steinbruch Hartmannsdorf kann bewundert werden. Oder ein Topas vom Schneckenstein im Vogtland. Einziger „Ausbrecher“ in der Ausstellung ist ein brasilianischer Achat, den Peter Müller auf einer Mineralienbörse erstanden hat. Der passte einfach optisch gut, sagt er.

Der schwarze Turmalin, ein Edelstein, zählt zu den besonders attraktiven Exponaten in der Ausstellung. Quelle: Sven Bartsch

Am Sonntag selbst Hand an die Steine legen

Für viele der von ihm gezeigten Mineralien gibt es kaum noch Fundmöglichkeiten. Denn mittlerweile ist das Schürfen nach bestimmten Steinen etwa im Wald verboten. Peter Müller wird am Sonntag ausführlich Rede und Antwort stehen, denn zur Eröffnung seiner Ausstellung ist er natürlich anwesend. Außerdem wird er ein paar noch unbehandelte Steine aus seiner Sammlung mitbringen, an denen sich Probierwillige unter seiner Anleitung testen können. In Döbeln hat Peter Müller bereits kleine Steinschleiflehrgänge für Kinder gegeben.

Nicht nur Steine schleifen können die Besucher in Littdorf am Sonntag. Von 10 bis 17 Uhr ist das Heimatmuseum mit der alten Schmiede und allen Nebengelassen geöffnet. Der Schmied wird wieder in Aktion sein, es gibt ein paar Überraschungen für Jung und Alt und die Frauen des Niederstriegiser Handarbeitszirkels werden einen Stand aufbauen. Außerdem gibt es einen kleinen Trödelmarkt. Neues gibt es auch in der ganzjährigen Ausstellung – alte Öfen beispielsweise oder die Werkzeuge eines Heimschlachters. Und unter dem gerade erst gebauten neuen Schleppdach am Stallgebäude soll der letzte in Döbeln gebaute Heuwagen seinen Platz gefunden haben.

Von Manuela Engelmann-Bunk