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Döbeln Nach mehr als 30 Jahren im Exil: Maler Thomas Gatzemeier kehrt nach Leipzig zurück
Region Döbeln Nach mehr als 30 Jahren im Exil: Maler Thomas Gatzemeier kehrt nach Leipzig zurück
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07:43 19.01.2020
Zuletzt stellte Thomas Gatzemeier 2016 in seiner Heimatstadt Döbeln aus. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln/Leipzig

Thomas Gatzemeier (65), der verlorene Döbelner Sohn, kehrt zurück in die Heimat. Der in Döbeln geborene Maler der Leipziger Schule und Schüler von Professor Arno Rink war 1986 aus der damaligen DDR ausgebürgert worden und lebte die letzten 34 Jahre in Karlsruhe.

Jetzt zieht der erfolgreiche Künstler und Buchautor mit seinem Buchverlag, seinem Atelier und seiner Frau Marlies wieder nach Sachsen. Das Haus seines Großvaters in Leipzig wird ab Februar das neue Domizil der Gatzemeiers. In seiner Heimatstadt Döbeln hat er schon länger seine Kunst, vor allem seine großformatigen opulenten Gemälde gelagert. Hier trifft er sich vor großen Ausstellungen oft mit den Kuratoren und wählt gemeinsam mit ihnen seine Werke dafür aus.

Thomas Gatzemeier arbeitet in großen Formaten. Quelle: Sven Bartsch

Gatzemeier ist deutschlandweit und in der Leipziger Kunstszene vernetzt. Von 2007 bis 2015 hatte er ein festes Atelier in Leipzig. Die Messestadt markierte vor 40 Jahren einen Wendepunkt für den Arztsohn aus Döbeln. Hier beginnt er im September 1975 ein Studium an der nach wie vor renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst. Doch schon mit einem seiner ersten größeren Werke eckt er gehörig an. Das Bild landet auf dem Index. Die Kreisdienststelle der Stasi in Döbeln nimmt den freischaffenden Künstler ins Visier. Es folgen Jahre der Repression. Die Familie schlägt sich durch. Sie stellen schließlich Ausreiseanträge. Im Februar 1986 müssen sie innerhalb weniger Tage die DDR verlassen.

Zur Person

Thomas Gatzemeier wurde 1954 in Döbeln geboren. Er absolvierte eine Lehre zum Schrift- und Plakatmaler und arbeitete als Steinmetzgehilfe, bevor er von 1975 bis 1980 Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studierte. Seine Lehrer waren Arno Rink und Volker Stelzmann.

Von 1980 bis 1986 war der Künstler freischaffend in Döbeln tätig. Bereits 1984 erhielt er Ausstellungsverbot in der DDR. Zwei Jahre später wurde er ausgebürgert.

Mit Döbeln ist Thomas Gatzemeier aber schon länger wieder versöhnt. In einer Fernsehdokumentation und seinem ersten Roman hat er das Thema aufgearbeitet. „Ich wollte schon nach der Wende nach Leipzig zurückkehren, denn der Grund für meinen Weggang war ja weggefallen“, sagt er. Doch auch Karlsruhe ist ihm schnell zur Heimat geworden. So malt er zumindest ab 1990/91 in seinem Sommeratelier in den Buntgarnwerken in Leipzig. In Döbeln besucht er bis heute regelmäßig seine vielen Freunde und stellt seit 1999 auch wieder regelmäßig seine Kunst im Rathaus aus. Zuletzt gab es 2016 eine große Gatzemeier-Ausstellung im Rathaus mit Malerei, Zeichnungen und Grafik aus drei Jahrzehnten unter dem Titel „Die Belehrung“. Mit befreundeten Künstlern plant er gerade eine neue gemeinsame Ausstellung in seiner Heimatstadt.

Nun ist Thomas Gatzemeier am 21. Dezember 65 Jahre alt geworden. Seine Frau Marlies, die im nahen Ettlingen eine Kindertagesstätte leitete, ging gerade in den Ruhestand. „So war es Zeit, sich für unseren gemeinsamen Altersruhesitz zu entscheiden“, sagt er. Doch der Abschied von Karlsruhe fällt schwer. Es wehe ein Hauch von Paris in seinem Viertel mit der 250 Quadratmeter Altbauwohnung, in der sein Atelier ist. Schwer fällt auch sein Leben und die Kunst nach 34 Jahren in die Kisten eines Döbelner Umzugsunternehmens zu packen.

Opulente Gemälde Gatzemeiers lagern in Döbeln. Quelle: Sven Bartsch

Doch in Leipzig steht das Haus seines Großvaters. Der Ingenieur hatte unter anderem Entstaubungsanlagen für die Chemieindustrie entwickelt und war wie sein Enkel später angeeckt. 1953 floh er in den Westen. Das damals enteignete Haus ist wieder in Familienbesitz. Im Erdgeschoss wird Thomas Gatzemeiers Atelier gerade hergerichtet. Hier soll das Architektenbrett des Großvaters auch wieder an seinen ursprünglichen Platz finden.

Seit November hat Thomas Gatzemeier keinen Pinsel in der Hand gehabt. „Im Moment ziehe ich um und sortiere mich neu“, sagt er. Am 27. Januar rollt der große Umzugslaster. Im Februar soll der Umzug abgeschlossen werden. Ab März/April laufen Atelier und Buchverlag wieder. Dann will er sein drittes Buch fertigstellen. Zudem stehen Ausstellungen in Meiningen und an der Küste an. Schon im Februar wird er auf der „art Karlsruhe“ vertreten sein.

Von Thomas Sparrer

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