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Döbeln Grünland weg, Gewerbe hin: Ganz groß klotzen in Leisnig
Region Döbeln Grünland weg, Gewerbe hin: Ganz groß klotzen in Leisnig
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19:48 03.04.2019
Gewerbe statt Grünland: Die Kommune will noch mehr Einzelhandel und Gewerbe an die Umgehungsstraße holen – auf der rot gekennzeichneten Fläche. Quelle: Stadtverwaltung Leisnig / Steffi Robak
Leisnig

Von dem Grüngürtel, der sich jetzt noch zwischen Rewe-Markt und der nächsten städtischen Wohnbebauung befindet, bleibt mit der Ausweitung des Flächennutzungsplanes nichts mehr übrig. Die Änderung betrifft insgesamt knapp 15 Hektar. Große Teile der bisherigen Grünfläche grenzen an Wohnbebauung und das Krankenhausgelände.

Stadt fühlt sich unter Planungsdruck

Die von der Planungsänderung betroffene Fläche umfasst bisher etwa zu zwei Dritteln Grünland. Auf der bereits bebauten Fläche entlang der Wilhelm-Ostwald-Straße steht als größtes jüngstes Projekt der Rewe-Markt, als so genannte Sondernutzung.

Wegen der Nachfrage nach Gewerbeansiedlungen bestehe Planungsdruck, begründet die Stadtverwaltung. So hatte es Thomas Schröder von Bau- und Ordnungsamt der Stadt in der öffentlichen Ratssitzung begründet. Durch welche konkreten Projekte der Planungsdruck entsteht, ist bisher nur zum Teil klar: Es handel sich um jene Fläche, auf welcher der Discounter Aldi seine neue Filiale direkt neben Rewe bauen will.

Einzelhandelsfläche wächst enorm

Aldi will zudem einen Drogeriemarkt mitbringen. Insgesamt vergrößert sich dadurch die Einzelhandelsverkaufsfläche an dieser Stelle in der Stadt um einiges. Also, am vormaligen Standort auf 800 Quadratmetern präsent, will die eigene Fläche um 400 Quadratmeter erweitern.

Der Drogeriemarkt würde rund 700 Quadratmeter in Anspruch nehmen. Insgesamt entstünde ein ausgewachsenes Einkaufszentrum am Stadtrand, mit großflächigem Einzelhandel. Die Stadtverwaltung sieht die Notwendigkeit dafür in den städtebaulichen Entwicklungstendenzen. Die Nachbarstadt Hartha sieht das mit gemischten Gefühlen.

Bürgermeister schweigt zu weiteren Ansiedlungen

Mit der Planänderung werde die städtische Flächenplanung an das Gesellschaftsbild angepasst, heißt es in der Begründung, mit welcher die Verwaltung bei den Stadträten um Zustimmung bat und diese auch erhielt. Ist mit einer weiteren großen Gewerbeansiedlung in Leisnig zu rechnen? Darüber schweigt Bürgermeister Tobias Goth (CDU), räumt jedoch ein:

Auf die in Rede stehenden Fläche ist nicht allein für den Aldi-Neubau bestimmt. „Wir haben außerdem einen Investor", sagt Goth, schweigt jedoch dazu, um wen oder welche Art Gewerbe es sich handelt. Es sei nichts entschieden oder beantragt. Es existiere lediglich eine Willenbekundung.

Spediteur am Start

Zuletzt hatte es aus Richtung Hartha l Überlegungen gegeben. Die Spedition Kipping, ansässig im dortigen Gewerbegebiet, hegt Erweiterungsabsichten. Für ein Grundstück direkt vor der Haustür wurde eine Bauvoranfrage im Rat positiv beschieden. Doch so weit ist das Verfahren auch dort noch nicht, dass das Unternehmen nicht auch woanders, vielleicht näher an der Autobahn, im jetzt erweiterten Gebiet an der Leisniger Umgehungsstraße bauen könnte.

Alle Beteiligten schweigen. Im Zusammenhang mit Nachfragen nach Gewerbeflächen hatte Goth schon vor Monaten eingeräumt: In Leisnig stünden nur noch Splitterflächen zur Verfügung. Investoren müssten gegenwärtig weggeschickt werden. Mit der initiierten Änderung des Flächennutzungsplanes kann sich das ändern.

Land gehört noch nicht der Kommune

Der neue Plan werde noch öffentlich ausgelegt, dann gehe er in die Ausschreibung. Ein Planungsbüro müsse den Plan im Auftrag der Stadt erarbeiten. Auch gehöre das Grünland noch nicht der Kommune. Nach DAZ-Informationen wollte es der Eigentümer als Grünland jedenfalls nicht verkaufen.

Vielleicht ändert sich das zum Baulandpreis. Bis zur Änderung des Flächennutzungsplanes könnte nach den Worten des Bürgermeisters noch zwei Jahre vergehen. Das Bauvorhaben des Discounters Aldi werde dadurch nicht verzögert, sagt er. Das Unternehmen wolle sobald als möglich mit dem Bau beginnen.

Kommentar: Kleines Opfer am grünen Stadtrand

Leisnig liegt ländlich – etwas Grün findet sich in der Umgebung immer. Sobald jemand nur wenige Minuten zu Fuß geht, ist der Spaziergänger an der Stadtgrenze und beschreitet Feld, Wald und Flur. Die Ratsmitglieder hat es jedenfalls nicht weiter gestört, dass ein großer Teil Grünland zwischen Gewerbegebiet und der nächsten Wohnbebauung demnächst der Vergangenheit angehören soll, damit in Leisnig auf noch mehr Einzelhandelsfläche noch mehr gekauft werden kann. Inwieweit das bei sinkenden Einwohnerzahlen den städtebaulichen Entwicklungstendenzen entspricht, lässt sich wahrscheinlich erst abschätzen, wenn in der Stadt der nächste kleine wohngebietsnahe Lebensmittelladen schließt. Eins ist allerdings jetzt schon bekannt: An der Jahnstraße sieht es nicht so aus, als würde dort demnächst wieder ein Lebensmittelgeschäft öffnen. Vielleicht sehen Verwaltung und Stadtrat eher das große Ganze: Gewerbe braucht die Stadt. Dann macht sie nach Außen hin eine gute Figur. Aus dem Blickwinkel ist es dann das kleinere Übel, den kleinteiligen Einzelhandel aufzugeben sowie ein paar Hektar Grünland am Stadtrand. Steffi Robak

Von Steffi Robak

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