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Döbeln Muslime laden Döbelner zum gemeinsamen Fastenbrechen ein
Region Döbeln Muslime laden Döbelner zum gemeinsamen Fastenbrechen ein
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18:33 11.06.2019
In Döbeln lebende Muslime haben die Döbelner zum Ende des Ramadan zum gemeinsamen Feiern des Fastenbrechens eingeladen. Quelle: Thomas Sparrer
Döbeln

Das traditionelle Fastenbrechen nach dem islamischen Fastenmonat Ramadan haben in Döbeln lebende Muslime am vergangenen Freitag im Haus der Vielfalt an der Döbelner Zwingerstraße gefeiert. Dazu haben sie die Döbelner eingeladen, um mit ihnen gemeinsam zu feiern und sich für ihre Aufnahme und Unterstützung zu bedanken.

„Wenn wir gemeinsam das Fastenbrechen mit unseren deutschen Mitbürgern feiern, können wir ihnen vielleicht auch unsere arabische, orientalische Kultur etwas näher bringen und Vorurteile gegenüber unserem islamischen Glauben abbauen“, sagt Jamal Kharbtli. Der 60-jährige Syrer lebt seit 30 Jahren in Deutschland und hat in Dresden Wasserwirtschaft studiert. In der Döbelner Erstaufnahme half er mit seinen Deutschkenntnissen vor allem den arabischsprachigen Flüchtlingen und tut das bis heute. Im vergangenen Jahr gründete der Inhaber eines Orientwarengeschäftes an der Bahnhofstraße mit weiteren über 20 Mitgliedern den Verein „Orient Zentrum für Kultur und Integration Döbeln“. „Unser Ziel ist es, den Menschen zu helfen, in Deutschland klar zu kommen. Wir helfen Probleme lösen, treten als Dolmetscher auf und wir wollen im Miteinander mit unseren deutschen Mitbürgern Ängste und Vorurteile abbauen“, sagt Kharbtli. Gemeinsam mit dem Bündnis „Willkommen in Döbeln“ wurde deshalb das erste Begegnungsfest organisiert.

Im Haus der Vielfalt an der Zwingerstraße wurde gefeiert und Hühnchenfleisch für 150 Gäste gegrillt.

Nach dem Fastenmonat Ramadan feiern die Muslime drei Tage lang das sogenannte Zuckerfest, als Fest des Fastenbrechens. Am ersten Tag feiert man in Familie und beschenkt die Kinder, am zweiten mit der Verwandtschaft und am dritten Tag lädt man Bekannte, Freunde und Öffentlichkeit ein.

Rund 150 Gäste sollten es am Freitag im Haus der Vielfalt, dem ehemaligen Frauenzentrum an der Zwingerstraße, werden. Im Hof spielte Amjad Mahmoud mit seiner kleinen Tochter auf dem Schoß Piano. Andere Männer grillten für alle Gäste Unmengen an Hühnchenfleisch. Riesige nach gegrilltem Geflügel duftende Rauchschwaden zogen über Specks Hof. Irgendjemand hatte deswegen offenbar einen Küchenbrand vermutet und die Feuerwehr alarmiert. Die rückte nach einer kleinen Kontrolle wieder ab.

Auszeichnung für Helfer

Beim Begegnungsfest wurden unterdessen ehrenamtliche Helfer ausgezeichnet. „Ein Großteil der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit wird für Behördengänge aufgewandt“, sagt dazu Hartmut Fuchs, Leiter des Bündnisses „Willkommen in Döbeln“. Das Verstehen und Bewerten amtlicher Schreiben und Bescheide und insbesondere das Ausfüllen amtlicher Formulare ist schon für deutsche Muttersprachler nicht immer einfach. Geflüchtete ohne ehrenamtliche Unterstützung sind bei der Kommunikation mit Behörden oft völlig hilflos.“ Geehrt wurden deshalb Carola Haupt und Ute Rimpler als Formularlotsinnen der ersten Stunde. Zudem El Haji Hesham, der sechs Jahre im Döbelner Wohnheim lebte und während dieser Zeit täglich einen Großteil der Bewohner durch Übersetzungen in mehrere Sprachen half. Er wohnt jetzt in der Innenstadt und begleitet Personen zu Behörden, Ärzten und Kitas. Ebenso der Iraner Jatal Aghbeiki Aloughareh, der als Übersetzer hilft, und ehrenamtlich für die Döbelner Tafel und das Willkommensbündnis arbeitet.

Insgesamt leben in Döbeln derzeit 420 Geflüchtete mit einem Aufenthaltsstatus aus humanitären Gründen. Unter ihnen sind 43 Kinder bis sieben Jahre und 56 Kinder und Jugendlichen zwischen sieben und 17 Jahren. Etwa 70 Prozent von ihnen sind Muslime.

Kommentar: Gemeinsam feiern und verstehen

von Thomas Sparrer

Orientalische Küche und süße Getränke, dazu Musik und Gespräche – und da wo die gemeinsame Sprache fehlt, einfach ein Lächeln. Es ist eine schöne Geste, wenn die muslimischen neuen Bürger in der Stadt ihr Zuckerfest nach dem Fastenmonat Ramadan gemeinsam mit den Döbelnern feiern wollen, in deren Stadt sie aus humanitären Gründen aufgenommen wurden und ein Stück weit ein neues Zuhause gefunden haben. Sie wollten den Döbelnern Danke sagen, für ihre Offenheit und Unterstützung. Sie haben ihre Heimat verloren und hier eine neue Heimat auf Zeit gefunden.

Sunniten, Schiiten, Jesiden, Aleviten, Christen und Nichtchristen feierten gemeinsam mitten in Döbeln ein muslimisches Fest. Das sollte gelebte Normalität sein. Ganz nebenbei lassen sich so Verständnis füreinander aufbauen und Vorurteile abbauen. Wer Muslime nur mit Scharia oder dem IS verbindet, verkennt, wovor diese Menschen geflohen sind.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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